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Salzburger Land:Rodeln mit Schuss

Beleuchtete Rodelbahn am Wildkogel im Salzburger Land

Rauf fährt man mit der "Smaragdbahn", runter geht's von selbst: Über 1300 Höhenmeter erstreckt sich die Rodelbahn am Wildkogel.

(Foto: Lukas Budimaier)

Am Wildkogel im Salzburger Land liegt die mit 14 Kilometern längste beleuchtete Rodelbahn der Welt. Das lockt Gäste an, bei denen manchmal die Lichter ausgehen.

Da ist man noch keinen Meter auf dieser Rekordbahn am Wildkogel gerodelt und hat doch schon so viel gelernt. Zum Beispiel, dass man trotz zweier Jacken für diesen Winterabend auf rund 2100 Meter nicht warm genug angezogen ist. Minus 13 Grad steht auf der Anzeige der Smaragdbahn-Bergstation, aber womöglich ist selbst das nur die Temperatur in den Gondeln. Füße und Hände sind jedenfalls schon nach der Auffahrt kalt genug, um demnächst Erfahrungsberichte mit Reinhold Messner auszutauschen. Also ganz schnell hinein in die Manggei-Bar, die Feierstube der sehr geräumigen Wildkogel-Alm. Und damit zur zweiten Lektion.

In der Manggei-Bar ist es schön warm. Man zahlt die Rückkehr des Fingerspitzengefühls allerdings mit dem Preis der Erkenntnis, dass die Schwelle vom abenteuerlustigen Jungspund zum alten Knacker nun offenbar endgültig überschritten ist. An einem Holzbalken ist der Spruch zu lesen: "Melkt der Bauer seinen Stier, trank der Trottel zu viel Bier." 18.30 Uhr, alle Stehtische sind besetzt; ein Mensch in Lederhose sitzt alleine auf einem Hocker und blickt drein, als wollte er gleich Stiere melken. Drumherum tanzen zwei Typen jenseits des Jungspund-Alters und ebenfalls in Lederhosen zum "Schrei nach Liebe" von den Ärzten. Einer trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift: "Manggei Best Après-Ski". Das ist so freilich nicht ganz richtig. Rudolf Göstl, der Vorstand der örtlichen Bergbahnen, wird später bei einem Bier jedenfalls sagen: "Eigentlich ist das bei uns eher Après-Rodeln als Après-Ski."

Wieder draußen, und schon die nächste Lektion. Man ist hier als Alleine-Rodler nicht nur ein alter, sondern ein einsamer alter Knacker. Vor der Wildkogel-Alm stehen die Schlitten der Après-Rodler zu Kleingruppen zusammengepfercht, abgeschlossen mit Stahlkabeln. Die meisten davon sind Leihschlitten der örtlichen Sportgeschäfte. Bei diesen stehen laut Göstl insgesamt 2500 bis 2700 Schlitten zur Verfügung. Es komme zu Stoßzeiten durchaus vor, dass man reservieren müsse, um sicher einen zu bekommen. Bei ungefähr neun Euro pro Gefährt macht das grob überschlagen einen Batzen Geld für die Geschäftemacher.

Schlittenschlange: Im Januar 2017 bildeten 508 Rodler auf einer Strecke von 750 Metern die bis dahin längste Rodelkette der Welt.

(Foto: Bergbahnen Wildkogel)

Immerhin wird gleich auf den ersten, sehr kurvenreichen Metern klar: Der Schlitten ist jeden Cent wert. Sogar die fiesen, weil tiefen Bodenwellen lassen sich locker umrodeln. Es wird nur leider nicht viel wärmer. Und die Bahn ist lang, mit - je nach Startpunkt - bis zu 14 Kilometern und 1300 Höhenmetern sogar die längste beleuchtete und außerdem beschneite Rodelbahn der Welt. Deshalb ist sie laut Göstl ebenfalls jeden Cent wert. Er verwendet dafür natürlich Worte wie USP, Umwegrentabilität und Werbewert. Vor zwei Jahren erschlittelte sich hier beispielsweise eine Kette aus 508 Rodlern, verteilt auf 750 Meter Strecke, einen Eintrag in das Guinnessbuch der Rekorde. Sogar in Australien und in Serbien sei darüber berichtet worden. "Unbezahlbar", sagt Göstl.

Ein Kind schreit durch eine Maske aus Schnee in die Nacht. Ist sicher nur der Schock

Erwähnten wir schon, dass es kalt ist? Vielleicht hätte ein Schnaps in der Manggei-Bar Abhilfe geschaffen. Oder langsamer rodeln? Nur überholen einen dann die mühevoll umkurvten quietschenden Junggesellinnen, wovon die eine ein Batman-T-Shirt trägt. Dann lieber Gas geben und Finger abfrieren. Außerdem weiß jeder hier: Nach etwa der Hälfte der Strecke kommt die Zwischenzeit. Die Zwischenzeit wurde 2012 von einer Webseite mal zur besten Après-Ski-Hütte ausgezeichnet, auch wenn nicht ganz klar ist, ob weltweit, in Österreich oder nur am Wildkogel. Wichtig ist jedenfalls: "Das Gesamtkonzept muss stimmen. Eine Rodelbahn alleine reicht nicht. Es braucht Bars." Sagt Rudolf Göstl. An der Außenbar der Zwischenzeit verspricht ein Schild: "Bei Blaulicht 10 Schnaps 25 Euro." Drinnen hängen ein modellierter Elch- und ein Stierkopf an der Wand; letzterer soll gelegentlich Dampf schnauben, hat gerade aber Pause. Das Publikum ist hier weit weniger ungezügelt unterwegs als oben in der Manggei-Bar, und selbst eine notorische Spaßbremse muss den Laden irgendwie charmant finden. Trotzdem gilt: erst mal ein Bier!

Und am besten wirklich nur eines. Denn der zweite Abschnitt hat zwar über weite Strecken weiterhin dieses perfekt sanfte Gefälle - Vorsicht, Schlagloch! -, aber weiter unten auch einige steile Teilstücke zu bieten. An einem davon buddelt eine Mutter gerade ihren Schlitten aus der Schneeverwehung am Fangzaun; daneben kniet ein Kind und schreit durch eine Maske aus Schnee in die Nacht. Ist sicher nur der Schock.

Unten fühlt man sich ein paar Jahre jünger. Bleibt noch die Frage: Liegt das daran, es endlich hinter sich zu haben, am Bier in der Zwischenzeit oder doch daran, dass man auf dem breiten Hochgeschwindigkeits-Zielhang dank finaler Beschleunigung tatsächlich in der Zeit zurückgereist ist?

Die Rodelbahn am Wildkogel ist täglich bis 22 Uhr geöffnet und beleuchtet. Einzelfahrt für Erwachsene 12,50 Euro, für Kinder (ab Jg. 2004) 6 Euro. Tageskarte Rodeln für Erwachsene 31 Euro, für Kinder 15,50 Euro. Dienstags und freitags ist eine Auffahrt mit der Smaragdbahn in Bramberg bis 18.30 Uhr möglich.

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