Rio de Janeiro Ab ins Armenviertel

Die Bewohner dürfen bleiben, die Drogendealer müssen weichen, denn die Touristen sollen kommen. Rio de Janeiro wirbt mit einer neuen Attraktion: den Slums.

Was macht eine Stadt, die sich als touristische Metropole darstellen will, aber berüchtigt ist für ihre von Drogenbanden beherrschten Slums? Sie erhebt die Slums zur Touristenattraktion.

Rio de Janeiro

Zwischen Strand und Slums

Bislang konnten Besucher in geführten Touren von Privatanbietern kurze Einblicke in die Armenviertel von Rio de Janeiro erhalten. Dies wird nun Programm, und zwar zum Förderprogramm der Regierung.

Präsident Luiz Inacio Lula da Silva sagte beim feierlichen Start der "Rio Top Tour", Touristen könnten nun selbst erleben, dass die Bewohner dieser Slums verarmt seien, doch seien die "Favelas ganz normale Gemeinden wie andere auch".

Das heißt nicht, dass Gäste aus dem In- und Ausland nun unbedarft durch die Armenviertel spazieren sollen. Nur in einigen der Ghettos wurden werbewirksam für das Pilotprojekt Drogendealer und andere Kriminelle aus den Favelas vertrieben.

Etwa ein Drittel der sechs Millionen Einwohner von Rio lebt in den tausend Slums der Metropole. Sie stellen die Sicherheitskräfte schon jetzt, sechs Jahre vor den Olympischen Spielen, vor eine große Herausforderung: Seit die Stadt im vergangenen Jahr den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2016 erhielt, wächst die Besorgnis, dass die Behörden nicht in der Lage sein werden, die Kriminalität in Schach zu halten.

Anlaufpunkt der ersten offiziellen Favela-Tour war die Übungshalle einer Samba-Schule in Morro Dona Marta, einem seit Ende 2008 von der Polizei "befriedeten" Slum - ganz in der Nähe von einem der Austragungsorte der Spiele 2016. Schilder weisen auf Sehenswertes hin wie die "Michael Jackson Area" - dort hatte dieser sein Video zu "They don`t care about us" gedreht.