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Reisen zur Fußball-WM:Kultur verkauft sich besser als Fußball

Dabei ist das Interesse an Russland speziell in Deutschland gar nicht so gering. Spricht man mit deutschen Reiseveranstaltern, so bietet sich ein zweigeteiltes Bild. Jene, die explizit Reisen zur WM anbieten, jammern über ein schwieriges Geschäft. Kultur-, Städte- und Naturreiseveranstalter hingegen berichten von starken Zuwächsen bei den Buchungen. "Für uns war 2017 ein Russland-Rekordjahr", sagt Felix Willeke, Sprecher von Lernidee-Reisen, der auf Fahrten mit der Transsibirischen Eisenbahn spezialisiert ist sowie Rund- und Städtereisen anbietet. In diesem Jahr sei die Buchungslage ähnlich gut, wenngleich man wegen der sehr hohen Hotelpreise während der WM kaum Reisen im Programm habe. Genauso ist es auch bei Studiosus. "Normalerweise gilt bei uns in solchen Jahren immer die Gleichung: großes Ereignis, kleine Nachfrage. Diesmal nicht", sagt Studiosus-Sprecher Frano Ilic. Obwohl man während der beliebten Weißen Nächte gar nichts anbiete, verzeichne man Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich, vor allem in Moskau und St. Petersburg. "Die Gäste fahren heuer halt vor oder nach der WM hin."

Beim Sportreise-Spezialisten Vietentours ist man da weniger euphorisch. "Viele unserer Kunden wollen gar nicht nach Russland", sagt Inhaber Wolfgang Vieten, "die haben ein sehr schlechtes Bild davon." Bei ihm sei das auch so gewesen, bis er vor einem Jahr zum Confed Cup nach Kasan gereist sei. "Ich war positiv überrascht." Im Vergleich zu Brasilien vor vier Jahren habe er aber 70 Prozent weniger Reisepakete zur WM verkauft. Als Veranstalter gehe man ein sehr hohes Risiko ein, da manche Hotels und Geschäftspartner das große Geld witterten und bereits gebuchte Zimmer oder Locations kurzerhand stornierten, um sie noch teurer zu verkaufen.

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Russland, vom Zug aus gesehen

Dertour Live, größter Sportreisen-Anbieter, hat seine sparsam eingekauften Hotelkontingente alle verkauft. "Es ist besser gelaufen als erwartet", sagt Teamleiter Carsten Hüfner, schiebt aber nach, dass das Geschäft im Vergleich zu Brasilien stark geschrumpft sei. Reisen zu den ersten zwei deutschen Spielen in Moskau und Sotschi liefen noch ganz gut, zum dritten nach Kasan schon weniger.

Gute Bedingungen für Individualreisende

Generell ziehen Fußball-WMs eher Individualreisende an, die eines der begehrten Fifa-Tickets zugelost bekommen haben und dann alles selbst organisieren. In Russland wird es ihnen relativ einfach gemacht: Wer eine Karte hat, kann auf einer Website eine Fan-Identifikationsnummer (ID) beantragen. Die wird zugeschickt und ersetzt das Visum. Spätentschlossene können die Fan- ID an 70 Stellen auch noch im Land bekommen. Mit dem Ausweis kann man an Spieltagen gratis den Nahverkehr und sogar schnelle Fernzüge benutzen. Zudem bietet die Aeroflot-Tochter Pobeda günstige Flüge zu den weiter entfernten Spielstätten an. Die russische Regierung rechnet mit einer Million ausländischen Gästen, 300 000 davon aus Deutschland. Das mag arg optimistisch sein. Wer sich aber aufmacht, so ist Maria Pushkareva überzeugt, wird auf große Gastfreundschaft treffen. "Die Menschen freuen sich auf die internationalen Gäste."

Russland Paläste für alle Bilder
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Metro-Stationen in Russland

Paläste für alle

Eigentlich müssten die Moskauer in Smoking und Abendkleid U-Bahn fahren, so opulent sind ihre Stationen aus Sowjetzeiten. David Burdeny hat sie neu fotografiert.