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Corona-Maßnahmen:Deutschland-Reisen: Was ist jetzt erlaubt, was verboten?

Rote Ampel am Brandenburger Tor in Berlin

Auch ein Städtetrip nach Berlin ist vom 4. November an erst einmal nicht mehr möglich.

(Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

Weniger Kontakte, weniger Mobilität - so sollen die Corona-Zahlen wieder sinken. Welche Auswirkungen hat das auf Reisen in Deutschland? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Eva Dignös

Wer weniger unterwegs ist, trifft weniger Menschen. Die neuen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland schränken deshalb auch die Reisemöglichkeiten ein. Worauf müssen sich Urlauber einstellen? Und was ist mit gebuchten Reisen in den kommenden Monaten?

Darf man innerhalb von Deutschland noch reisen?

Reisen per se ist nicht verboten, aber nicht mehr erwünscht und wird deshalb massiv erschwert. Die Hotels werden zwar nicht generell geschlossen, ähnlich wie im Frühjahr dürfen Übernachtungsangebote im Inland - also auch in Ferienwohnungen oder Gästehäusern - "nur noch für notwendige und ausdrücklich nicht touristische Zwecke zur Verfügung gestellt" werden. Im Unterschied zu den umstrittenen Beherbergungsverboten, die einige Bundesländer im Frühherbst erlassen hatten und die teilweise von Gerichten schon wieder für ungültig erklärt wurden, hilft diesmal auch kein negativer Corona-Test. Die neuen Maßnahmen, die im gesamten Land gelten, sehen diese Ausnahme nicht vor. Auch die aktuellen Infektionszahlen am Wohnort des Urlaubers spielen für Reisepläne erst einmal keine Rolle mehr. Das Übernachtungsverbot tritt wie die übrigen Maßnahmen, auf die sich Bund und Länder geeinigt haben, am 2. November in Kraft und ist vorerst bis Ende November befristet.

Kann ein schon gebuchter Urlaub in Deutschland storniert werden?

Immerhin ist im Unterschied zum Länder-Flickenteppich der Beherbergungsverbote die Rechtslage nun wieder klarer. Kann ein Hotelier oder Ferienhausvermieter die Unterkunft aufgrund behördlicher Auflagen gar nicht zur Verfügung stellen, muss der Gast nach deutschem Recht dafür auch nichts bezahlen. Er darf kostenlos von der Buchung zurücktreten und kann Anzahlungen zurückfordern. Urlauber sollten sich auf die "Unmöglichkeit der Leistung" berufen, heißt es beim Verbraucherzentrale Bundesverband.

Bei Pauschalreisen greift die Europäische Pauschalreiserichtlinie: Wenn sie nicht wie geplant durchgeführt werden können oder sie vom Veranstalter abgesagt werden, bekommt der Urlauber sein Geld zurück - und zwar binnen 14 Tagen. Gutscheine können angeboten, müssen aber nicht akzeptiert werden.

Fahren Züge und Fernbusse noch?

Nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben, ist zwar das Gebot der Stunde, aber notwendige Reisen können nach wie vor stattfinden. Die Deutsche Bahn hat bislang keine Änderungen am Fahrplan angekündigt, auch die üblichen Stornobedingungen gelten aktuell weiter: Flexpreis-Fahrkarten können vor dem ersten Geltungstag kostenlos storniert oder umgetauscht werden, beim Sparpreis ist ebenfalls bis zum Tag vor der Fahrt eine Stornierung möglich. Sie kostet allerdings zehn Euro und es gibt nur einen Gutschein. Supersparpreistickets können weder storniert noch umgetauscht werden.

Der Fernbusanbieter Flixtrain stellt dagegen seine Fahrten in Deutschland, Österreich und der Schweiz ab 3. November vorübergehend ein, ebenso das Fernbahn-Unternehmen Flixtrain. Wenn es die Situation erlaube, wolle man den Fernbus-Betrieb bis zu den Weihnachtsfeiertagen wieder aufnehmen, teilte das Unternehmen mit.

Die Auswirkungen auf den - ohnehin schon stark reduzierten - Flugverkehr sind noch nicht absehbar. Sollte ein gebuchter Flug gestrichen werden, haben Passagiere nach EU-Recht einen Anspruch auf Erstattung des Flugpreises. Die neuen Corona-Beschränkungen berechtigen aber nicht dazu, einen Flug einfach kostenlos abzusagen.

Wie sieht es mit Reisen in den kommenden Monaten aus?

Wann und wohin in diesem Winter wieder gereist werden darf, wird davon abhängen, ob es gelingt, die Zahl der neuen Infektionen zu senken. Der Winter ist eine schwierige Jahreszeit zur Virusbekämpfung, darauf weisen die Experten schon länger hin: Die meisten Aktivitäten finden nun wieder in geschlossenen Räumen statt. Der lange gebuchte Skiurlaub im Januar kann trotzdem jetzt noch nicht kostenlos storniert werden. Die Beschränkungen sind vorerst bis Ende November befristet und Angst vor Corona reicht als Rücktrittsgrund nicht aus. Urlauber, die bereits sicher sind, dass sie nicht reisen wollen, sollten ihren Gastgeber kontaktieren: Vielleicht lässt sich der Hotelier darauf ein, den Aufenthalt zu verschieben. Verpflichtet dazu ist er nicht.

Die Reiserücktrittskostenversicherung bietet keinen Schutz. Sie übernimmt zwar Stornogebühren, wenn eine Reise nicht angetreten werden kann. Gezahlt wird aber nur bei plötzlichen Erkrankungen, Todesfällen in der engeren Verwandtschaft, bei unerwarteter Arbeitslosigkeit oder schweren Vermögensschäden - und selbst dann nicht immer: Manche Versicherungen schließen Leistungen bei "Schäden, Erkrankungen und Tod infolge von Pandemien" aus.

Inwieweit sich die aktuellen Maßnahmen auf den Start der Skisaison auswirken, ist noch nicht absehbar. Skigebiete und Skilehrer-Verbände haben Hygienekonzepte ausgearbeitet. Ob und ab wann sie überhaupt zum Tragen kommen, bleibt ungewiss: Im November sollen auch Freizeiteinrichtungen geschlossen bleiben.

Darf man noch Verwandte in anderen Teilen Deutschlands besuchen und bei ihnen übernachten?

Hier gilt ebenfalls der dringende Appell, zu Hause zu bleiben und Kontakte so weit wie möglich zu reduzieren. Bürgerinnen und Bürger werden aufgefordert, im November generell auf private Reisen und Besuche - auch von Verwandten - zu verzichten, sofern sie nicht unbedingt notwendig sind.

Und was ist mit Tagesausflügen?

Ein Tag in den Bergen oder am Meer, um sich von den Belastungen durch die Pandemie zu erholen? Eine schöne Vorstellung, doch nicht im Sinne der Pandemiebekämpfung. Auch "überregionale tagestouristische Ausflüge" sollen nach dem Willen von Bund und Ländern unterbleiben, um den Viren möglichst wenig Mitreisemöglichkeiten zu geben.

© SZ.de/ihe
18 10 2018 Hintertuxer Gletscher Hintertux AUT OeSV Training im Bild Übersicht auf die Skipist

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