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Reisebuch "Storm Chasing":Hart am Wind

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Wie im Kinofilm "Independence Day": eine Mutterschiff-Wolke über den Badlands in South Dakota. Für Mutige verlockend: Eine Straße führt unter ihr durch.

(Foto: Mike Hollingshead)

Ausgerüstet mit GPS, Wetterdaten und guten Nerven jagen Storm Chaser Unwettern hinterher. Ein Buch beschreibt nun diese Lust - und die tödliche Gefahr dabei.

Noch ist es zu kalt für die wilden Wetterphänomene in den Great Plains. Doch bald beginnt die Jagdsaison im Mittleren Westen der USA: Wenn ab dem Frühjahr wieder massenhaft Kalt- und Warmfronten aufeinanderprallen und in der Folge Stürme und Gewitter aufziehen, wenn sich überdies Tornados bilden, dann sind die auch im Deutschen so genannten Storm Chaser in großer Zahl unterwegs.

Storm Chaser sind Menschen, denen der Wind gar nicht heftig genug pfeifen kann: Wissenschaftler, kompetente Laien und Abenteurer, die den eindrucksvollen Wetterphänomenen hinterherjagen, um sie zu fotografieren oder zu filmen, manchmal auch zu vermessen oder einfach nur zu bestaunen.

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In den US-Bundesstaaten östlich der Rocky Mountains, von North Dakota und Montana im Norden bis hinunter nach Texas und New Mexico im Süden, geht das so gut wie nirgends sonst auf der Erde. Es ist eine der gewitterträchtigsten Regionen überhaupt, überdies sind die Great Plains sehr flach, die Bildung von Unwettern lässt sich deshalb über große Distanzen hinweg beobachten. Und dann passt auch die Infrastruktur: Trotz dünner Besiedelung gibt es ein dichtes, häufig im Schachbrettmuster für die Landwirtschaft angelegtes Straßennetz, zudem ist die Versorgung mit mobilem Internet ziemlich gut.

Storm Chasing ist eine Beschäftigung, die neben Mut und Spontaneität einen beträchtlichen logistischen sowie technischen Aufwand erfordert. Einen guten Eindruck davon vermittelt Michael Sachwehs Buch "Storm Chasing". Der Titel ist eine Mischung aus Bildband, Handlungsanleitung und Klimakunde. Oftmals bekommt es Büchern nicht besonders gut, wenn sie nicht recht wissen, was sie eigentlich zeigen oder erzählen wollen. In diesem Fall aber ist die Mixtur überzeugend.

Das Buch geht über das reine Bestaunen hinaus, es vermittelt Hintergründe, die einen erst begreifen lassen, was man da alles sieht. Und es spornt womöglich - diese Hoffnung liest man immer wieder heraus - Leute an, sich selbst mal auf eine Storm-Chasing-Tour zu begeben. Es müssen nicht gleich die USA sein. Anhand einiger Fotografien aus dem bayerischen Voralpenland zeigt Michael Sachweh, dass sich auch dort spektakuläre Aufnahmen machen lassen.

Der Schwerpunkt liegt aber eindeutig auf den Great Plains der USA, weil es so gewaltige Mutterschiffwolken, die so heißen, weil sie wie Raumschiffe aussehen, kaum sonst wo anzutreffen gibt; weil man Tornados hier recht nahe kommen kann, ohne sich in allzu große Gefahr zu begeben.

Bei aller Lust, bei allem Kitzel verhehlt "Storm Chasing" nicht, dass sich die Unwetter mitunter zu einer tödlichen Gefahr auswachsen, dass sie teilweise zu immensen Sachschäden führen. Auch Bilder der Zerstörung sind zu sehen, sie sind wichtig als Brechung. Denn die pittoreske Schönheit vieler Aufnahmen soll nicht hinwegtäuschen über die Gewalt der Winde.

Michael Sachweh : Storm Chasing. Auf der Jagd nach Gewittern, Stürmen und Tornados. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2016. 160 Seiten, 49,90 Euro.

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