Polizeistreik in Rio de Janeiro Chaos statt Karneval?

"Wie wenig ist unser Leben wert?", fragen Polizisten, Feuerwehrmänner und Gefängniswärter in Rio de Janeiro. Ihr Kampf um mehr Gehalt könnte die Sicherheit des berühmten Karnevals gefährden.

Zum Karneval in Rio de Janeiro gehört auch, dass vor und während der Feier-Tage noch mehr Polizisten als sonst auf den Straßen zu sehen sind, um Tänzer, Zuschauer und auch Touristen zu schützen. Doch was ist, wenn die Polizisten nicht zum Dienst antreten?

Sambaschulen in Rio

Die Parade der Sieger 2011

Ein Polizeistreik in Rio könnte die Sicherheit des berühmten Karnevals gefährden. Tausende Polizisten traten am Freitag in den Ausstand, um für mehr Gehalt zu kämpfen. Wieviele der 70.000 Polizisten, Feuerwehrmänner und Gefängniswärter sich genau dem Streik anschlossen, war zunächst unklar. Die Regierung will wie zuvor in Brasiliens drittgrößter Stadt Salvador 14.000 Soldaten einsetzen, um die Lage unter Kontrolle zu halten.

Das Fehlen der Polizisten hatte in Salvador in der vergangenen Woche dennoch eine Welle von Verbrechen ausgelöst. Dies wird nun auch in Rio erwartet - ausgerechnet dann, wenn Hunderttausende Touristen zur jährlichen Parade der Sambaschulen erwartet werden.

In Salvador hatten bereits am 31. Januar etwa 20 Prozent der 31.000 Polizisten ihre Arbeit niedergelegt. Morde, Plünderungen und Vandalismus stiegen sprungartig an. Nach Angaben der Behörden des Bundesstaats Bahia wurden bei dem neuntägigen Protest in Salvador und Umgebung mindestens 120 Morde verübt. Am Vandalismus sollen sich sogar einige der Polizisten selbst beteiligt haben, was die Verhandlungen mit der Regierung erschwert. Die Streikenden fordern eine Amnestie für Polizisten während des Ausstands. Das lehnt Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff strikt ab: Dann gebe es einen Staat ohne Regeln.

Die Polizisten des Staates Rio hatten am Donnerstagabend für den Streik gestimmt, obwohl das Regionalparlament ihnen sowie Gefängnispersonal und Feuerwehrleuten eine 39-prozentige Lohnerhöhung zugesprochen und eine weitere Steigerung für 2014 zugesichert hat. Die Sicherheitskräfte fordern jedoch das Doppelte und machen geltend, dass ihre Gehälter seit Jahrzehnten nicht mit den steigenden Preisen Schritt gehalten hätten. In kaum einem brasilianischen Staat werden Polizisten schlechter bezahlt.

Der Streik wirft auch einen Schatten auf die Sicherheit großer Sportereignisse in den kommenden Jahren. Sowohl Salvador als auch Rio de Janeiro sind Austragungsorte der Fußball-Weltmeisterschaft 2014. Die Vorbereitungen für das Mega-Ereignis, zu dem bis zu 600.000 Besucher erwartet werden, haben bereits die Kritik der Fifa auf sich gezogen.

In Rio finden zudem die Olympischen Spiele 2016 statt. Viele Brasilianer haben zwar Verständnis für die Forderungen der Polizisten - für das daraus entstandende Chaos aber nicht. "Es kann nicht sein, dass diejenigen, die vom Volk Geld und Waffen erhalten, um es zu schützen, die Waffen nun gegen das Volk richten", sagte Justizminister Jose Eduardo Cardozo.

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