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Paris fürchtet um Prachtstraße:Oh, Champs-Élysées

"Das könnte selbstmörderisch sein": Die schönste Avenue der Welt ist die teuerste Einkaufsstraße in Europa, doch das gefällt den Parisern überhaupt nicht. Sie befürchten nun den Ausverkauf der Seele der Champs-Élysées.

Klamotten, Klamotten, Klamotten, die Champs-Élysées rauf und runter. Ja, dazwischen auch ein paar Kinos, Kosmetika, die Showrooms von Renault, Peugeot, Mercedes und Toyota, Bank-Filialen und Schnell-Restaurants. Sonst nur Klamotten: Zara, H&M, Gap, Célio.

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Also bei weitem nicht die edlen Marken, abgesehen von Louis Vuitton, der Gelddruckmaschine des französischen Luxus-Konzerns LVMH, der seinen Flaggschiff-Laden 2005 auf eben dem Boulevard öffnete, den manche Franzosen in ironischer Bescheidenheit "die schönste Avenue der Welt" nennen.

Jetzt darf sich die Avenue des Champs-Élysées auch wieder die teuerste Einkaufs-Meile Europas nennen, ergab eine Studie der Immobilien-Profis von Cushman & Wakefield, die jedes Jahr die Mietpreise in den Metropolen dieser Welt vergleicht. Entlang der zehnspurigen Fahrbahn und den endlos breiten Trottoirs zwischen dem Rond-Point des Champs-Élysées und dem Triumphbogen liegt der Durchschnittspreis bei 7364 Euro pro Quadratmeter.

Damit hat sich die Allee den Titel von der Londoner New Bond Street zurückerobert. Doch wer nun ein stolzes "Cocorico" des gallischen Hahns erwartet, sieht sich enttäuscht.

Der Stadt Paris ist die Entwicklung gar nicht recht. "Die Preissteigerung birgt große Gefahren und könnte selbstmörderisch sein", sagt eine Sprecherin. "Nur noch die ganz großen internationalen Marken können sich den Luxus leisten, hier ein Vorzeige-Geschäft zu eröffnen, von dem sie wissen, dass sie damit kein Geld verdienen werden." Die rot-grüne Stadtverwaltung fürchtet eine "Banalisierung" des Boulevards, den Ausverkauf der Seele einer Prachtallee, die auf André Le Nôtre, den genialen Landschaftsgärtner Ludwig XIV. zurückgeht.

Das Staatsunternehmen musste passen

"Außer den paar verbliebenen Kinos und der Geschichte gibt es für Pariser kaum noch einen Grund, sich auf die Champs-Élysées zu begeben." Tatsächlich sieht man im Straßenbild vor allem Touristen, eine halbe Million sollen es jeden Tag sein.

Unten in der Metrostation Franklin D. Roosevelt steht der Name des Halts (oder was auch immer) neuerdings auch in Chinesisch, Arabisch, Japanisch und Russisch.

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