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Auswärtiges Amt:Wer nicht muss, sollte nicht nach Iran reisen

Konflikt Iran-USA Iran Touristen Persepolis Unesco

Touristen besuchen die antike Stadt Persepolis, Unesco-Weltkulturerbe in Iran.

(Foto: Vahid Salemi/dpa)
  • Zumindest Pauschaltouristen können wegen außerordentlicher Umstände von der Reise zurücktreten.
  • Aber auch Veranstalter haben Iran-Touren bereits abgesagt - und befürchten Einbußen in der ganzen Region.

Nach der gezielten Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimani durch die USA und den massiven Drohungen der iranischen Führung gegen die USA und Israel bei den Trauerfeierlichkeiten in Iran haben die Spannungen in der gesamten Region erheblich zugenommen. Bisher richteten sich die Kundgebungen in Iran zwar nicht gegen westliche Besucher. Nach aktueller Einschätzung des Auswärtigen Amtes sind weiter eskalierende Proteste nicht auszuschließen, auch gegen ausländische Besucher. Vor diesem Hintergrund rät das Auswärtige Amt in seinem am 6. Januar aktualisierten Sicherheitshinweis, nicht unbedingt erforderliche Reisen zu verschieben - und somit auch Urlaube.

Iran war seit der Amtsübernahme des als gemäßigt geltenden Präsidenten Hassan Rohani in 2013 ein so beliebtes Ziel bei deutschen Studienreise-Urlaubern, dass Veranstalter zeitweise kaum genügend Betten buchen konnten. Die zoroastrischen Feuertürme in Yazd, die altpersische Residenzstadt Persepolis, die prachtvolle Freitagsmoschee von Isfahan - es gibt kaum ein Land, das kulturell und religiös interessierten Urlaubern so viel bietet wie Iran. Zuletzt waren die Buchungen auch aufgrund der politischen Situation allerdings rückläufig.

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Rechtliche Auswirkungen hat die Verschärfung des Sicherheitshinweises für Individualurlauber bislang nicht: Eine kostenfreie Stornierung von Flug oder gebuchten Hotels ist nur möglich, wenn das Auswärtige Amt eine Reisewarnung ausspricht - das ist bislang nicht der Fall und kommt überaus selten vor.

Während Individualtouristen also nur auf Kulanzregelungen von Airlines und bereits bezahlten Hotels hoffen dürfen, könnten Pauschalurlauber aber nun ihren Rücktritt von der Iranreise erklären, "wegen außerordentlicher Umstände", sagt Reiserechtsexperte Paul Degott. Schließlich beziehe sich der Rat des Auswärtigen Amtes, nicht notwendige Reisen gar nicht erst anzutreten, auf ganz Iran, "und in der aufgeputschten Stimmung lässt sich nicht mehr sinnvoll eine Rundreise zu Altertümern machen".

Bevor sie die Rücktrittserklärung abschicken, sollten die Urlauber aber erst ihren Veranstalter kontaktieren, "vielleicht sagt dieser die Tour von sich aus ab". Wegen der außergewöhnlichen Umstände würde dann der Reisepreis erstattet, aber kein Schadenersatz etwa wegen entgangener Urlaubsfreuden gezahlt.

Reisefotograf Andreas Trenker

Irans Schönheit hinter dem Schleier

Einige deutsche Veranstalter haben bereits reagiert. Der Münchner Studienreise-Anbieter Studiosus teilte seinen Kunden mit, dass man bei der derzeitigen Lage keine weiteren Iranreisen realisieren könne. Studiosus hatte seinen Gästen, die nach Iran und auch nach Israel wollen, aufgrund der Unwägbarkeiten in der Region momentan ohnehin ein Recht auf kostenlose Umbuchung bis vier Wochen vor Abreise eingeräumt. Eine Gruppe, die im Land war, ist am Dienstag heimgekehrt. Der nächste Reisetermin wäre für März geplant gewesen.

Auch der Studienreiseanbieter Gebeco hat aktuell keine Gäste im Land, Ende Februar sollte die nächste Gruppe aufbrechen - doch bis Ende April sind alle Iranreisen abgesagt, die Kunden können kostenlos umbuchen oder stornieren. Derzeit geht man bei Gebeco davon aus, dass von Mai an Urlaub in Iran wieder möglich sein wird; dennoch dürften in diesem Jahr alle Iran-Touristen bis sechs Wochen vor Abreise ohne Zusatzkosten umbuchen.

Gesamte Reiseregion weniger sicher

Die Reiseveranstalter befürchten, dass die Eskalation in Iran nicht nur das Land selbst sondern die gesamte Region betreffen könnte. Bei deutschen Reisenden sind auch Oman und Jordanien beliebte Winterziele - und natürlich Israel, das im vergangenen Jahr mit viereinhalb Millionen Touristen und damit elf Prozent über dem Vorjahr erneut einen Besucherrekord vermeldet hatte.

Die USA und Kanada hatten am Montagabend Sicherheitswarnungen für ihre Bürger in Israel ausgegeben und sie vor Raketenangriffen gewarnt. Vor allem in den heiligen Städten wie Jerusalem, Betlehem und Nazareth aber auch im Norden des Landes am See Genezareth sind für gewöhnlich viele amerikanische Touristen als Pilger unterwegs.

Am Dienstag hat das Auswärtige Amt die Sicherheitshinweise für sämtliche Länder im Nahen Osten und auf der Arabischen Halbinsel aktualisiert. Die Sicherheitslage in der Region sei nach dem Tod Soleimanis "volatiler" geworden und könne sich weiterhin sehr schnell verändern. Das Amt empfiehlt: "Seien Sie bei Reisen in die Region besonders aufmerksam. Halten Sie sich über die aktuellen Entwicklungen und diese Reise- und Sicherheitshinweise informiert."

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