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Ende der Reise:Herrje, sie kommen wieder!

Wieder da: Ein Pauschaltourist aus Deutschland wird am Flughafen von Mallorca interviewt.

(Foto: Joan Mateu/AP)

Sie werden gebraucht, aber nicht geliebt: Touristen wecken bei Gastgebern gemischte Gefühle.

"Die Grenzen sind offen!" Dass dieser historische Satz einmal als Werbebotschaft Wiederverwendung finden würde, hätte vor ein paar Monaten niemand für möglich gehalten. Nun steht er auf der offiziellen Tourismuswebsite von Südtirol. Sie können wieder zu uns kommen, heißt das wohl, oder, noch dringlicher: Bitte kommen Sie! Schnell.

Da geht es dem Tourismusland mit zuletzt 33 Millionen jährlichen Übernachtungen nicht anders als der Touristeninsel Mallorca, wo die ersten deutschen Urlauber am Montag von Hotelangestellten und Politikern beklatscht wurden, als handle es sich um Helden, die ihr Leben riskieren, um den Einheimischen in selbstloser Absicht Gutes zu tun. Die Pauschalreise mit Flug erscheint plötzlich als ein Abenteuer, der Gang des Urlaubers zum Büffet in Flipflops, aber mit Einweghandschuhen und Mundschutz gerät zur kühnen Expedition, über die in Zeitungen ausführlich berichtet wird.

Das ist die eine Seite der Medaille - dass die Touristen in vielen Regionen Europas gebraucht werden. Die andere ist: Sie werden nicht unbedingt geliebt. Es ist eine Geschäftsbeziehung, und wer an dem Geschäft nicht verdient, der hätte auch gerne noch einen Sommer lang seine Berge, Städte und Strände für sich gehabt. So schreibt der Journalist Fabio Marcotto in einer Kolumne der Südtiroler Onlinezeitung salto.bz: "Einen Augenblick haben wir gehofft auf einen Sommer ohne römische Mokassins beim Wandern im Rosengarten, auf ein Sellajoch ohne SUVs und ein Timmelsjoch ohne das Gebrüll der Ducatis, auch auf einen Montiggler See ohne Birkenstock. "Ma invece no" - es soll nicht sein, "puttega!" Er wisse ja, schreibt der Kolumnist: "Die Wirtschaft, die Touristen, die Kohle". Aber etwas mehr davon, findet er, könnte man den Angestellten geben und den Lehrern, die in Südtirol die Hälfte eines deutschen Kollegen verdienten, und das, obwohl nicht nur der Espresso im Land immer teurer werde. Eine solche Meinung in Südtirol zu äußern erfordert wohl fast so viel Mut, wie ein Büffet in Mallorca zu besuchen.

© SZ vom 18.06.2020

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