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Houtouwan in China:Im grünen Geisterdorf

Der Fischerort auf einer Insel vor Shanghai ist so abgelegen, dass seine Bewohner ihn vor 20 Jahren verließen und die Natur ungehindert wucherte. Dann holten Fotografen das Dorf der Pflanzen aus der Vergessenheit.

Von Katja Schnitzler

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Wider Image: Creeping Vines, Abandoned Village

Quelle: REUTERS

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Wie würde ein Dorf aussehen, wenn seine Bewohner einfach wegziehen und Türen und Fenster nicht verbarrikadieren? So dass sich die Natur den Ort zurückholt, der ihr einst genommen wurde? In Filmen spielen Szenenbildner diesen Gedanken durch. Auf einer chinesischen Insel wurde er Wirklichkeit.

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Bis in die 1990er Jahre war das Dorf Houtouwan auf der Insel Shengshan alles andere als verlassen: Etwa 2000 Menschen, meist Fischer und ihre Familien, lebten damals in den mehr als 500 Häusern.

Karte Geisterdorf Houtouwan

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Doch die Insel ist eine der abgelegensten der 400 im Shengsi-Archipel und das Dorf liegt besonders abseits.

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Es war schon immer schwierig, dort seine Kinder großzuziehen, die ja zur Schule müssen; auch Lebensmittel mussten umständlich angeliefert werden.

Vor allem aber änderte sich die wirtschaftliche Situation: Für die Fischer wurde es immer schwieriger, ihren Fang zu verkaufen. Wer konnte oder musste, zog weg. Die Häuser am Steilhang der Küste wurden der üppigen Vegetation überlassen.

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Und wo niemand mehr sie in Schach hielt, keiner hackte, rupfte und stutzte, überzogen bald Rankpflanzen erst Gärten, dann Mauern. Sogar ganze Häuser sind nach zwei Jahrzehnten zugewuchert und sehen nun selbst aus wie gepflanzt.

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So hätte Houtouwan in Vergessenheit geraten können, eine ferne Erinnerung seiner ehemaligen Bewohner, die ihr Glück hoffentlich woanders gefunden haben. Doch dann wurde das Dorf wiederentdeckt.

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Fotografen erkannten die Schönheit dieses nun märchenhaft anmutenden Ortes am Rande der Einsamkeit - und teilten ihre Bilder.

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Bald war das grüne Dorf, in dem nur noch einige wenige Bewohner zum Teil ohne fließend Wasser und Elektrizität ausharrten, nicht mehr einsam - zumindest tagsüber.

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Denn Übernachtungsmöglichkeiten gibt es hier keine. Nicht nur weil die einstigen Bewohner das schöne, aber sperrige Bettgestell zurückließen, jedoch die Matratzen mitnahmen.

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Nach 20 Jahren des Verfalls sind die Häuser zwar sehenswert, aber nicht mehr alle sicher genug für die Besucher. Die Tagesausflügler aus dem nahen Shanghai, die in der Naturschönheit der Inseln etwas Abstand von der Großstadt gewinnen wollen, ließen sich davon nicht abschrecken. Sie reisen ohnehin gerne auf die östlichste Insel Shengshan, die für ihre Meeresfrüchte bekannt ist. Nun war ein weiteres Ziel hinzugekommen.

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Zu groß ist die Verlockung, auf schmalen Wegen zwischen den grünen Häusern herumzuspazieren und dabei das ein oder andere Selfie zu posten. So verhallte auch die anfängliche Bitte der Inselbehörden, dem Ort doch seine Ruhe zu lassen.

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Mittlerweile sind die Besucher durchaus erwünscht, berichtet CNN: Eine Aussichtsplattform wurde errichtet (Betreten gegen eine geringe Gebühr), auch das Schlendern durch das grüne Fischerdorf kostet nun - und auf der Insel Shengshan wurden Bed-and-Breakfasts eröffnet, um noch mehr von den Wochenendgästen zu profitieren. Und die Sicherheit?

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Laut CNN wurden Hinweisschilder aufgestellt, die Besucher davor warnen, die verfallenen Häuser zu betreten. Angesichts mancher Risse in den Mauern ist man froh, dass andere Gebäude stärker überwuchert sind, so dass hoffentlich Wein und Efeu die Steine zusammenhalten.

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Da ist es wohl gut, dass dieses Bild eines chinesischen Glücksgottes beim Umzug in Houtouwan blieb. Und der Talisman noch nicht von Pflanzen verdeckt wurde.

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Schließlich werden sich Touristen auch nicht davon abschrecken lassen, dass der Küstenort nun nicht mehr einsam ist - denn solche Ein- und Ausblicke bekommen sie nur in Houtouwan.

© SZ.de/edi/sks
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