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Reisen und Corona:Wann sind Auslandsreisen wieder möglich?

Coronavirus - Portugal

Wie schnell sich die EU-Länder auf einen gemeinsamen Termin zur Grenzöffnung verständigen, ist ungewiss. Hier im Bild: Eine Frau und ein Mann am Strand von Espinho in Portugal.

(Foto: dpa)

Reiseveranstalter vermuten, dass der Sommerurlaub 2020 vor allem ein Deutschlandurlaub wird, gefolgt von Europa-Trips im Herbst. Eines nur ist sicher: Fernziele bleiben in der Ferne.

Das Meer ist dort, wo Mauro Vanni sein Strandbad betreibt, ein Planschbecken: warm und seicht. Normalerweise stellen sich die Italiener in Gruppen ins Wasser und tauschen Neuigkeiten aus. Wollen sie das dieses Jahr tun, müssen sie lauter reden, aus der Distanz. Vanni und seine Kollegen von der Cooperativa Bagnini Rimini Sud allerdings sind schon froh, wenn, voraussichtlich vom 29. Mai an, überhaupt wieder jemand am Strand liegen darf. Über Wochen war den Einheimischen selbst der Spaziergang dort verboten. Nun wird Vanni seine Schirme lockerer stellen und die Gäste können sich das Essen an die Liege bringen lassen. Kommen werden zunächst nur Landsleute. Denn wann sich Italien für Gäste aus dem Ausland öffnet, weiß derzeit niemand.

Momentan ist schwer abzuschätzen, wann deutsche Urlauber wieder normal ins Ausland reisen können. Bis zum 14. Juni hat das Auswärtige Amt die weltweite Reisewarnung verlängert. Sie bedeutet zwar kein Reiseverbot, schreckt aber ab mit dem Hinweis, dass man im Ausland mit Unbill wie Ausgangssperren oder Quarantäne rechnen muss. Zudem weisen bislang fast alle Länder Touristen an der Grenze ab. Möglich ist aber, dass die von Unions-Abgeordneten nun entfachte Diskussion über eine Grenzöffnung vor dem 15. Mai auch Reisepläne beschleunigt. Der Druck von Branchenriesen wie der Tui ist so groß wie der Leidensdruck von Regionen, die von Touristen leben. Reiseveranstalter vermuten trotzdem, dass der Sommerurlaub vor allem ein Deutschlandurlaub wird - gefolgt von Europa-Trips im Herbst.

Wann die beginnen dürfen, hängt davon ab, ob sich die EU-Länder auf einen gemeinsamen Termin zur Grenzöffnung verständigen. Schneller könnten bilaterale "Korridor"-Vereinbarungen greifen, wie sie Kroatien mit Österreich, Tschechien und der Slowakei plant. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz bekräftigte am Freitag, "noch vor dem Sommer" die Grenze zu Deutschland öffnen zu wollen - bislang lehnt Deutschland dies allerdings ab. Am Ende könnte sich Urlaub 2020 anfühlen wie Reisen durch mittelalterliche Fürstentümer. Eines nur ist sicher: Fernziele bleiben in der Ferne.

Eine Rolle bei der Öffnung wird spielen, welche Konzepte Länder, Regionen, Hotels und Fluglinien vorlegen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Die Türkei etwa plant ein Zertifizierungssystem für Hotels; Restaurants sollen Tische ausdünnen, Hotels Wärmekameras an Eingängen installieren und ihre All-inclusive-Buffets überdenken. Mallorca dringt auf eine Öffnung im Juli. Griechenland hofft ebenfalls, von Juli an Gäste begrüßen zu können und erwägt Corona-Tests vor dem Abflug. In Kroatien sind Mindestabstände zwischen Badenden im Gespräch; Strandurlaub werde eben "nicht mehr so sein wie früher", sagt der Leiter des dortigen Gesundheits-Instituts, Krunoslav Capak.

Davon geht man auch in Rimini aus. Am "Spiaggia del Sorriso", am neu ausgerufenen "Strand des Lächelns" werden die Strandbadbetreiber "zur Not", wie Mauro Vanni sagt, auch Maske tragen. Weil man dann aber sein Lächeln ja nicht sehen könne, male er sich dieses eben auf den Stoff.

© SZ vom 09.05.2020/luch
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