bedeckt München 21°

Aufnahmen auf Reisen:Kultur und Kommunikation

Kultur und Religion - Andere Länder andere Sitten

Doch nicht nur die geschriebenen, auch die ungeschriebenen Gesetze sollten befolgt werden, wenn man in einer fremden Kultur zu Gast ist. Gail Ward hat das Projekt "Responsible Photography" gegründet, das sich für verantwortungsbewusstes Reisen und Fotografieren einsetzt. "Irgendwo anzukommen und sofort die Kamera zu zücken" - das hält die Britin für den größten Fehler, den Urlauber machen können. Stattdessen empfiehlt sie, sich in Ruhe und behutsam mit den Sitten und Gebräuchen vertraut zu machen.

Gerade bei religiösen Zeremonien und an heiligen Stätten sollte die Kamera eher im Rucksack verstaut bleiben. "Auch wenn das oft tolle Motive sind: Bei betenden Menschen in Tempeln sollten sich Reisende zurückhalten", sagt Reisereporterin Maike Grunwald. Fotografin Gail Ward rät, sich immer wieder zu fragen: Wie fände ich es, wenn ich in dieser Situation fotografiert würde? Würde ich in einem Gottesdienst in meinem Heimatland Bilder machen?

Doch nicht alle Situationen lassen sich allein mit Feingefühl und dem eigenen Erfahrungshorizont bewerten. Je fremder einem die Kultur ist, desto intensiver sollte man sich informieren und einheimische Reiseführer um Rat fragen. So gilt in manchen streng islamischen Regionen sogar ein generelles Bilderverbot, an das man sich vor allem in und um Moscheen halten sollte.

Kommunikation - Brückenbauer Kamera

Keine Frage, Menschen machen ein Bild lebendig und interessant. Porträts von Einheimischen, der Blick in fremde Augen und Gesichter, traditionelle Kleidung, ein Einblick in den Alltag in einem fremden Land - viele der eindrucksvollsten Reisebilder zeigen Personen. "Doch auch wenn so manche Urlauber das zu vergessen scheinen: Die Menschen, denen sie unterwegs begegnen, sind keine Touristenattraktion, zum Foto-Abschuss freigegeben", sagt Gail Ward. Es gelte, die Traditionen und das Leben der Menschen wertzuschätzen und ihre Persönlichkeitsrechte zu respektieren.

Ganz praktisch heißt das: Reden - und sei es mit Händen und Füßen. "Wer einen Menschen fotografiert, sollte immer die Kommunikation suchen", sind sich Maike Grunwald und Gail Ward einig. Das sei immer möglich, auch dann, wenn man nicht dieselbe Sprache spricht. "Ein Lächeln, das Zeigen der Kamera und ein fragender Blick - das wird international verstanden", so Grunwald. Wird dann deutlich, dass die Person nicht fotografiert werden möchte, müsse das respektiert werden. Immer mal wieder kommt jedoch auch die Fotojournalistin in die Situation, dass sich spontan ein Motiv ergibt: "Dann drücke ich schon mal direkt den Auslöser und zeige hinterher das Bild und frage nachträglich, ob das ok ist."

Angesichts so viel kommunikativen Aufwands schreckt mancher Reisender nun vielleicht davor zurück, überhaupt noch Menschen zu fotografieren. "Das wäre sehr schade", sagt Gail Ward. Mit Responsible Photography erlebt sie immer wieder, wie gut Fotografie geeignet ist, um in Kontakt zu kommen. "Ich habe erlebt, wie aus einer Kaffee-Zeremonie ein gemeinschaftliches Erlebnis wurde, das alle Seiten sehr genossen haben." In manchen abgelegenen Regionen haben die Menschen auch nur selten die Möglichkeit, überhaupt Fotos machen zu lassen: Da werde dann ein richtiges Event draus. "Bieten Sie an, den Menschen, die Sie fotografieren, ihre Bilder zu schicken", sagt die Fotografin, "und machen Sie das dann unbedingt auch."

Wer auf diese verantwortungsbewusste und respektvolle Weise Bilder macht, bringe mit Sicherheit weniger Aufnahmen zurück nach Hause - dafür stecke hinter jedem Foto eine Begegnung und eine kleine Geschichte.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite