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Zweiter Weltkrieg:"Ein Denkanstoß, kein Schlussstrich"

"Ein solches Denkmal wird dazu anregen, sich stärker mit dem polnischen Leid unter deutscher Besatzung und dem NS-Terror zu beschäftigen", sagte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), ebenfalls ein Unterzeichner, der Süddeutschen Zeitung. Es könne so dazu beitragen, "den von diesen Erfahrungen mitbestimmten Blickwinkel unserer Nachbarn auf die heutigen Herausforderungen in Europa besser zu verstehen". Gedacht sei es als "ein Ort der Erinnerung, der in die gemeinsame Zukunft unserer beiden Nationen weist".

Doppelangriff

Am 1. September 1939 attackiert die Wehrmacht die polnischen Streitkräfte, es ist der erste Schritt von Hitlers brutalem Kampf um "Lebensraum im Osten". Die deutschen Soldaten sind den polnischen in puncto Motorisierung (Luftwaffe, Panzerverbände) und Technik klar überlegen. Die Polen wehren sich mit allen Mitteln, doch als am 17. September die Rote Armee gemäß der Geheimvereinbarung im Hitler-Stalin-Pakt die Grenze überschreitet, ist das Land den beiden angreifenden Großmächten ausgeliefert. Die Sowjetunion verleibt sich die Gebiete östlich der Linie Narew-Weichsel-San ein. Am 27. September kapituliert die Hauptstadt Warschau - das NS-Reich feiert den Sieg im "Blitzkrieg". Von Anfang an gehen Wehrmacht und SS mit grausamer Härte gegen politische Führer, Soldaten, Juden und auch Zivilisten vor. Es folgen jahrelange Okkupation, Schikanen und Ausplünderung. Das besetzte Polen wird ein Hauptschauplatz des Holocaust. SZ

Man werde nun in den nächsten Monaten an einer Mehrheit im Bundestag für einen Auftrag an die Bundesregierung arbeiten, ein Konzept für den Gedenkort im Zentrum Berlins zu erarbeiten, kündigt Mit-Initiator Sarrazin an. Gewollt sei "ein Denkanstoß, kein Schlussstrich". Es gehe "insbesondere auch um die Würdigung und Anerkennung der Geschichte der polnischen Nation und die besondere Rolle des polnischen Widerstands", betont der FDP-Mann Müller. Ein Denkmal für die polnischen Opfer der deutschen Besatzung sei "ein überfälliges Zeichen der Empathie", das "gerade in der heutigen politisch angespannten Situation" einend wirken könne.

Allerdings scheint Polens regierende Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) ein anderes historisches Anliegen deutlich mehr zu bewegen. Die Frage der Reparationen sei aus polnischer Sicht weiter offen, betonte Außenminister Jacek Czaputowicz während des Maas-Besuches. "Polen hat bis heute keine angemessene Kompensation für die Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs bekommen", bekräftigte unlängst auch Ministerpräsident Mateusz Morawiecki. Im polnischen Parlament arbeitete eine Kommission in den vergangenen Jahren an einer Rechnung, die wohl am 1. September präsentiert werden soll und sich angeblich auf 800 Milliarden Euro beläuft. Die Bundesregierung lehnt solche Forderungen entschieden ab.

Die deutsche Denkmal-Initiative kann diesen Streit nicht lösen, stößt bei Polens rechtsgerichteter Regierung aber durchaus auf Sympathie. Sie sei ein "wichtiger Schritt im Prozess der Annäherung unserer Nationen", sagte Außenminister Czaputowicz. Polen sei bereit, bei der Ausarbeitung eines Bildungsprogramms für die geplante Gedenkstätte mitzuwirken.

Nicht unumstritten ist das Vorhaben allerdings unter deutschen Historikern. "Es ist richtig, dass das Leid der Polen angemessen gewürdigt wird", meint Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Er warne aber "vor einer Nationalisierung des Gedenkens, weil dann andere Nationen, die auch gelitten haben, ebenfalls Denkmäler fordern werden".

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