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Zweiter Weltkrieg:Bundestagsabgeordnete fordern Mahnmal für polnische NS-Opfer

Zerstörtes Wielun, 1939

Am Morgen des 1. September 1939 zerstörten deutsche Flieger die Stadt Wielun, wenige Kilometer jenseits der deutsch-polnischen Grenze östlich von Breslau gelegen. Militärische Ziele gab es dort nicht.

(Foto: SZ Photo/Forum)
  • 240 Abgeordnete aus allen Fraktionen unterstützen im Bundestag den Aufruf, ein Mahnmal für die polnischen NS-Opfer zu errichten.
  • Es solle "an prominenter Stelle" in Berlin ein geeigneter Ort gefunden werden, heißt es.
  • Unter deutschen Historikern ist das Vorhaben allerdings nicht unumstritten.

Der Krieg begann mit einem Kriegsverbrechen. Gegen 4.40 Uhr am 1. September 1939 warfen deutsche Sturzkampfbomber die ersten Bomben über der polnischen Kleinstadt Wieluń ab - also noch vor dem Beschuss eines polnischen Munitionsdepots auf der Westerplatte durch die Schleswig-Holstein. In Wieluń machten die deutschen Bomber das Krankenhaus dem Erdboden gleich; 1200 der 16 000 Einwohner des Städtchens starben.

80 Jahre danach, ebenfalls um 4.40 Uhr, werden Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der polnische Präsident Andrzej Duda in Wieluń dieses Verbrechens und des Beginns des Zweiten Weltkriegs gedenken. Wie schon Anfang August, als Außenminister Heiko Maas (SPD) an der Feier zum 75. Jahrestag des Warschauer Aufstands teilgenommen hatte, geht es darum, speziell das Leid der Polen während des Zweiten Weltkrieges zu würdigen.

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Das ist nicht nur nach Ansicht vieler Polen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zu wenig geschehen. Die Bundesregierung wolle etwas "dagegen tun, dass das Wissen um die polnischen Opfer des Krieges in Deutschland oft zu kurz kommt", hatte Maas in Warschau angekündigt. Er unterstütze daher die "längst überfällige" Initiative für einen Gedenkort für die polnischen Opfer des Krieges und der Besatzung in Berlin.

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Angestoßen hatte die Diskussion über ein Mahnmal für die polnischen NS-Opfer 2017 Florian Mausbach, der frühere Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung. Er schlug vor, am Askanischen Platz vor der Kriegsruine des Anhalter Bahnhofes ein Denkmal zum Gedenken an die polnischen Opfer der deutschen Besatzung zu errichten. Im Bundestag griffen das die Abgeordneten Manuel Sarrazin (Grüne), Paul Ziemiak (CDU), Dietmar Nietan (SPD), Thomas Nord (Linke) und Alexander Müller (FDP) in diesem April mit einem eigenen Aufruf auf. Darin beklagen sie, dass das Wissen um den "besonderen Charakter des deutschen Besatzungs- und Vernichtungsregimes in Polen zwischen 1939 und 1945 heute bei uns in Deutschland noch nicht hinreichend ausgeprägt" sei. Es solle "an prominenter Stelle" in Berlin ein geeigneter Ort gefunden werden, der Erinnerung, Aufklärung und "vor allem auch der Verständigung und dem Abbau von Vorurteilen" diene.

Im Bundestag hat dieser Aufruf mittlerweile 240 Unterstützer aus allen Fraktionen mit Ausnahme der AfD, wie die Initiatoren am Montag bekannt gegeben haben. Zu den Unterstützern gehören etwa die Vorsitzenden von FDP, Linken und Grünen, Christian Lindner, Katja Kipping, Bernd Riexinger und Annalena Baerbock. Vollzählig hinter dem Aufruf stehen die Grünen.