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Zweiter Weltkrieg:Kampf um Kreta - Tod aus der Luft

Zweiter Weltkrieg, Griechenlandfeldzug: Absprung deutscher Fallschirmjäger über Kreta am 20.05.1941

Deutsche Fallschirmjäger springen über Kreta ab, eine Ju 52-Transportmaschine brennt, vom britischen Abwehrfeuer getroffen.

(Foto: SZ Photo)

Vor 75 Jahren eroberte Hitlers Wehrmacht die griechische Insel. Fehleinschätzungen alliierter Soldaten entschieden eine der härtesten Schlachten des Zweiten Weltkrieges.

Es gibt Hügel, die in die Geschichte eingegangen sind. Bevor dies geschah, waren sie namenlos, oder sie wurden nach alltäglichen Merkmalen benannt: der Mühlenhügel, die Schafshöhe, der Olivenberg.

Wurden sie aber, und sei es nur für ein paar Stunden, zu einem umkämpften Geländepunkt, einer natürlichen Festung, einer beherrschenden Stellung in einer Schlacht, starben Dutzende oder Hunderte bei ihrer Verteidigung oder beim Sturm, dann bleiben sie oft mit ihrer geografischen Höhe oder unter dem Namen eines Offiziers, der dort fiel, in Erinnerung.

So findet man in den Geschichtsbüchern die Höhe 304 bei Verdun, 1916 von Granaten zerpflügt, oder, ein anderer Krieg, Custer's Last Stand, den Hügel, auf dem ein Teil der 7. US-Kavallerie oberhalb des Little-Bighorn-Flusses in Montana unter Oberstleutnant Custer 1876 ausgelöscht wurde.

Manche der Toten waren erst 17

Ein solcher Hügel, blutschwer und eingegraben in die Geschichte mehrerer Nationen, ist auch die Höhe 107. Sie erhebt sich über dem noch heute von der griechischen Armee genutzten Flugfeld von Maleme, das etwas westlich der Stadt Chania auf Kreta liegt. Rund um Maleme landeten vor 75 Jahren, am 20. Mai 1941, von 8 Uhr morgens an deutsche Fallschirmjäger.

Die meisten von ihnen sprangen aus den Wellblech-Transportflugzeugen des Typs Ju 52 aus geringer Höhe ab, oft keine 200 Meter (je kürzer ein Fallschirmjäger in der Luft ist, desto weniger lang bietet er für Soldaten auf dem Boden ein leichtes Ziel). Andere landeten in Gleitern, großen Segelflugzeugen, die zehn bis zwölf Mann aufnehmen konnten und relativ kurz vor dem Ziel von den Schleppmaschinen, zumeist Ju 52, ausgeklinkt wurden.

Auf der Höhe 107 liegt heute ein großer deutscher Soldatenfriedhof. Reihe um Reihe grauer flacher Grabsteine mit jeweils zwei Namen (oder der Aufschrift "Unbekannt") ziehen sich durch die Vegetation.

1941

eroberte die Wehrmacht nach blutigen Kämpfen Kreta. Die Truppen der Briten und Griechen flohen oder kapitulierten. Bis zur Kapitulation der Deutschen im Mai 1945 wurden Dutzende Dörfer bei sogenannten Vergeltungsmaßnahmen zerstört, Tausende Kreter starben durch den Terror der Besatzer.

Knapp 4500 Tote sind auf der Höhe 107 begraben; die meisten von ihnen kamen zwischen dem 20. Mai und dem 1. Juni 1941 ums Leben. Sehr viele waren nicht älter als 18 oder 20 Jahre, auch 17-jährige sind unter den Gefallenen. Ihnen allen wurde Kreta, das sie auf Geheiß der Wehrmachtsführung und ihres Oberbefehlshabers Adolf Hitler angriffen, zum Grab.

Auf Kreta wurden, abgesehen von anderen Truppenteilen, drei Fallschirm-Regimenter und das sogenannte Luftlande-Sturmregiment eingesetzt, alles in allem rund 11 000 gut ausgebildete Freiwillige. Gut die Hälfte von ihnen, an die 5500 Fallschirmjäger, wurde in jenen zehn Tagen verwundet oder getötet, die meisten wiederum an den ersten beiden Tagen.

Deswegen gilt die griechische Insel auch als das Grab der deutschen Fallschirmtruppe. Es war Hitler selbst, der angesichts dieser Verluste dem Fallschirmjäger-General Kurt Student im Juli 1941 sagte, die Tage der Fallschirmjäger seien vorbei.

Zweiter Weltkrieg, Griechenlandfeldzug: Deutsche Fallschirmjäger auf Kreta, 1941

Deutsche Fallschirmjäger erschießen als "Vergeltung" kretische Zivilisten im Dorf Kondomari, Juni 1941. Das Bild gehört zu einer Serie, die der Wehrmachtsfotograf Franz Peter Weixler von dem Massaker - gegen das er vergeblich protestierte - aufnahm, um die Täter zu belangen. Die NS-Justiz ließ ihn inhaftieren, die Täter blieben unbehelligt. Der Balken vor dem Gesicht des vorderen Schützen befand sich bereits auf der hier verwendeten Vorlage.

(Foto: SZ Photo)

Zwar gab es im Laufe des Krieges noch einige Sprungeinsätze deutscher Fallschirmjäger, zum Beispiel auf Sizilien, in Bosnien und bei der Ardennenoffensive. Das waren aber eher Kommandoaktionen von maximal ein paar Hundert Soldaten.

Während die Alliierten bei der Invasion im Juni 1944 und später in Holland sowie am Rhein Fallschirmjäger strategisch und in großer Zahl aus der Luft absetzten, dienten die deutschen Fallschirmsoldaten von 1941 bis Kriegsende in Russland, Nordafrika, Italien und an der Westfront zumeist als besonders ausgebildete Infanterie.