bedeckt München 19°

Zweikampf mit Steinbrück in Hamburg:Merkel kapert Roland Kaiser

Angela Merkel CDU Hamburg Bundestagswahl

Kanzlerin zwischen Erdbeerköniginnen: Angela Merkel in Hamburg.

(Foto: AFP)

Er war hier mal Parkplatzwächter, sie ist als Baby in der Tragetasche aus der Stadt gebracht worden: Kanzlerin Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück machen zeitgleich Wahlkampf in Hamburg. Sie lässt sein Lied anstimmen, er hätte ein kurioses Ministeramt für sie parat.

Von Carsten Eberts und Michael König, Hamburg

Auch das noch. Als wären Mietpreisbremse, Frauenquote und Mindestlohn noch nicht genug. Vier Tage vor der Wahl hat die CDU einen weiteren SPD-Wahlkampfschlager für sich entdeckt: Roland Kaiser. "Schachmatt durch die Dame im Spiel", singt die Band in der Hamburger Fischauktionshalle, Minuten bevor Angela Merkel am Mittwochabend die Bühne betritt. Eine kleine Gemeinheit der Union, auch wegen des Textes: "Sie griff an, mit den Waffen der Frau / Und ich war verlor'n."

Es war 1979, als Roland Kaiser mit dem Lied die Hitparade bereicherte. Der Bundeskanzler hieß damals Helmut Schmidt, SPD. 34 Jahre später soll Kaiser, inzwischen 62, mit dafür sorgen, dass Peer Steinbrück Kanzler wird. Er tingelt mit dem Kandidaten durch die Republik, am Donnerstag wird er beim offiziellen "Endspurt" der SPD auf dem Berliner Alexanderplatz aufspielen.

Aber jetzt ist erst mal Hamburg dran, und das ist auch ein Höhepunkt, gewissermaßen. Nur 4000 Meter sind es vom Domplatz am Speersort, wo Steinbrück an diesem Mittwochabend auftritt, bis zur Fischauktionshalle, wo Merkel spricht. So nah werden sie sich nicht wieder kommen, ehe sie am Sonntag gemeinsam in der Elefantenrunde im Fernsehen sitzen. Nach der Wahl, wenn alles vorbei ist. Die Umfragen sprechen für Merkel. Schachmatt durch die Dame im Spiel?

Steinbrück kämpft dagegen an. Hamburg ist ein Heimspiel für ihn, sein Parteifreund Olaf Scholz hat hier 2011 bei der Bürgerschaftswahl triumphal die absolute Mehrheit geholt. Steinbrück ist hier geboren, im Stadtteil Uhlenhorst, östlich der Außenalster. "Dort drüben hatte mein Großvater ein Kontor", erzählt der SPD-Mann auf der Bühne, "bis eine der letzten Fliegerbomben des Zweiten Weltkriegs hineinflog."

Steinbrück tigert umher, während er spricht, er hat wieder seine innovative Bühne mitgebracht. Innovativ, weil rund, mit den Zuhörern drum herum. Es werden Postkarten verteilt, seine Gäste sollen Fragen aufschreiben, die Steinbrück später beantwortet. Klartext-Dialog statt Frontalunterricht, so die Theorie.

Merkel kämpft auch, auf ihre Weise. Alte Wahlkampfschule, von der Bühne herab, die in der Fischauktionshalle steht. Das CDU-Standardprogramm, also gemeinsam stark, weiter so, Weg fortsetzen. Gepaart mit etwas lokalem Bezug: Das mit der Geburtsstadt gelte ja auch für sie, die 1954 in Hamburg das Licht der Welt erblickte. Hier gelebt habe sie zwar nur sechs Wochen, dann sei es "in der Tragetasche" in Richtung Osten gegangen, wo der Vater eine Pfarrstelle antrat. Aber, sagt Merkel: "Einmal Hamburger, immer Hamburger, nech?"

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite