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Frühjahrsprognose der Bundesregierung:Wirtschaft bricht so stark ein wie nie seit Gründung der Bundesrepublik

VW restarts production after lockdown

VW beginnt in Zwickau mit der Produktion.

(Foto: Reuters)

Die große Koalition geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt 2020 wegen der Corona-Krise um 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr schrumpfen wird. Im Vergleich zum ursprünglich erwarteten Wachstum werden es sogar 7,6 Prozent sein.

Die große Koalition rechnet in diesem Jahr mit dem größten Einbruch des Wirtschaftswachstums seit Gründung der Bundesrepublik. In ihrer Frühjahrsprognose geht die Bundesregierung nach Informationen der Süddeutschen Zeitung davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2020 um 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr schrumpfen wird. Im Vergleich zum ursprünglich erwarteten Wirtschaftswachstum werden es sogar 7,6 Prozent sein. Im kommenden Jahr soll es konjunkturell wieder bergauf gehen. Die Verluste können nach Ansicht der Gutachter 2021 aber nicht komplett aufgeholt werden. Die Frühjahrsprognose der Bundesregierung soll am Mittwoch in Berlin vorgestellt werden. Zuerst hatte Handelsblatt online berichtet.

Der Einbruch der deutschen Wirtschaft ist die direkte Folge der restriktiven Maßnahmen, die von der Regierung Anfang März wegen des neuartigen Coronavirus angeordnet worden waren. Sie sollten die ungebremste Verbreitung stoppen und verhindern, dass das Gesundheitssystem überlastet werden könnte. Das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben wurde auf ein Minimum zurückgefahren. Bildungseinrichtungen, Geschäfte und Unternehmen mussten schließen. Das führte dazu, dass Angebot und Nachfrage zugleich in großem Stil eingebrochen sind. Die neuen Konjunkturzahlen spiegeln diese drastische Entwicklungen wider.

Die Bundesregierung blickt dennoch optimistischer in die Zukunft als führende Wirtschaftsinstitute und der Internationaler Währungsfonds (IWF). Die deutsche Allianz-Gruppe rechnet mit einem Minus von 8,9 Prozent; das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung mit einem Minus von 8,4 Prozent. Der IWF in Washington erwartet, dass die deutsche Konjunktur im Jahr 2020 um sieben Prozent schrumpfen könnte. Er geht wie die Bundesregierung davon aus, dass die Wirtschaftsleistung des Jahres 2019 erst wieder 2022 erreicht werden kann.

Der Frühjahrsprognose zufolge soll der tiefste Punkt des Einbruchs bereits erreicht sein. Die Gutachter gehen davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum im Mai auf niedrigem Niveau stabilisiert und im zweiten Halbjahr deutlich anzieht. Die Voraussage ist allerdings unsicherer als in normalen Jahren. Sie hängt davon ab, wie das Virus eingedämmt und die restriktiven Maßnahmen gelockert werden können. Bund und Länder werden voraussichtlich am 6. Mai entscheiden, ob es weitere Öffnungsschritte geben wird. Voraussetzung ist, dass die ersten Lockerungen keine neue Infektionswelle hervorrufen.

Deutschland ist hart von dem Virus getroffen worden. Es werden trotz eines Rettungspakets im Wert von 1197 Milliarden Euro größere Pleitewellen und drei Millionen Arbeitslose erwartet. Der heftige Konjunktureinbruch wird die Steuereinnahmen für Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen deutlich reduzieren. Bislang rechnet Berlin mit einem Steuerminus von rund 82 Milliarden Euro - und maximal 356 Milliarden Euro an neuen Schulden.

© SZ vom 27.04.2020/jsa
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