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Wikileaks-Gründer:Ecuador bestätigt, Assanges Internetzugang gekappt zu haben

Julian Assange

Da funktionierte der Internetzugang noch: Wikileaks-Gründer Julian Assange spricht Anfang Oktober 2016 in einer Video-Liveschaltung bei einer Pressekonferenz in Berlin.

(Foto: dpa)
  • Der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, hat derzeit keinen Zugang zum Internet.
  • Nun hat das ecuadorianische Außenministerium bestätigt, die Verbindung in der Londoner Botschaft, in der sich Assange seit Juni 2012 aufhält, gezielt gekappt zu haben.
  • Wikileaks veröffentlicht seit Wochen Dokumente aus Clintons E-Mail-Verkehr. Ecuador hingegen will sich nicht in die Wahl einmischen.

Ecuador hat bestätigt, die Internetverbindung des Wikileaks-Gründers Julian Assange gekappt zu haben, nachdem die Enthüllungsplattform gehackte Dokumente von Hillary Clintons Wahlkampfmanager veröffentlicht hatte. "Die Regierung von Ecuador vertritt den Grundsatz der Nichteinmischung in die Angelegenheiten anderer Länder, mischt sich nicht in Wahlprozesse ein und unterstützt keine bestimmten Kandidaten", teilte das ecuadorianische Außenministerium in einem Schreiben mit.

Die Enthüllungsplattform Wikileaks habe eine Vielzahl von Dokumenten veröffentlicht, die Einfluss auf den Wahlkampf in den USA hätten. Das sei eine exklusive Entscheidung dieser Organisation. Aber gemäß der eigenen Richtlinien habe man "übergangsweise den Zugang zu seinen Kommunikationssystemen in der Botschaft im Vereinigten Königreich" beschnitten.

Wikileaks hatte zuvor US-Außenminister John Kerry beschuldigt, Druck auf Ecuador ausgeübt zu haben. Der US-Außenamtssprecher John Kirby wies diese Vorwürfe zurück. Zwar sei die US-Regierung seit langem über Wikileaks "besorgt", doch habe sie mit dem Vorgang nichts zu tun.

Wikileaks veröffentlicht seit Wochen E-Mails, die von Hackern beim Parteivorstand der US-Demokraten erbeutet wurden. Die Enthüllungen über Clinton werden vom republikanischen Kandidaten Donald Trump immer wieder für Attacken im Wahlkampf genutzt. Hinter dem Angriff werden Hacker mit Verbindungen zum russischen Geheimdienst vermutet. Assange wies die Vorwürfe zurück, mit Moskau zusammenzuarbeiten und Trump zu helfen.

Asyl für Assange bleibt bestehen

Assange lebt seit Juni 2012 in einem kleinen Zimmer von Ecuadors Botschaft in London, um einer Auslieferung an Schweden zu entgehen, wo ihn die Justiz zu Vorwürfen der Vergewaltigung befragen will. Der 45-jährige Australier befürchtet nach eigenen Angaben, von Stockholm in die USA ausgeliefert zu werden, wo ihm ein Prozess wegen Geheimnisverrats drohen würde. Auch vier Jahre nach Assanges Flucht in die Botschaft ist keine Lösung der Situation absehbar.

Die Regierung Ecuadors betont in ihrem Schreiben, dass man souverän handele und sich niemals von anderen Staaten beeinflussen lasse. Am Asyl für Assange will Ecuador festhalten.

© SZ.de/dpa/AFP/ewid/vit
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