Welthandel:Angriffe im Roten Meer - USA kündigen neue Militärallianz an

Welthandel: Das Archivbild zeigt den US-Zerstörer USS "Mason".

Das Archivbild zeigt den US-Zerstörer USS "Mason".

(Foto: Katatrina Parker/AFP/US Navy Visual News Service)

Der Krieg im Gazastreifen ist auch ein Problem für den Welthandel. Reedereien machen nach Angriffen von jemenitischen Huthi-Rebellen einen Bogen um die wichtige Route durch den Suezkanal und das Rotes Meer. Nun soll es mehr militärischen Schutz geben.

Weil es zuletzt mehrere Angriffe auf Handelsschiffe im Roten Meer durch die von Iran unterstützten Huthi-Rebellen gegeben hat, verstärkt das US-Militär in der Region seine Zusammenarbeit mit den Streitkräften anderer Länder. Die USA haben eine neue Sicherheitsinitiative mit dem Namen "Operation Prosperity Guardian" gegründet.

An der Initiative, die übersetzt ungefähr "Schutz des Wohlstandes" bedeutet, beteiligen sich laut US-Verteidigungsministerium das Vereinigte Königreich, Bahrain, Kanada, Frankreich, Italien, die Niederlande, Norwegen, die Seychellen, Spanien und weitere Länder. Durch die stärkere Kooperation zwischen den Seestreitkräften soll der Schutz von Handelsschiffen verbessert werden. Auch im deutschen Verteidigungsministerium wird eine Anfrage geprüft, sich am Einsatz zu beteiligen. Der Verband Deutscher Reeder forderte, die Marine solle Schiffe in die Region entsenden. Auch die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), sprach sich dafür aus.

Huthis drohen schon seit Wochen

Die größte Gefahr in der stark befahrenen Seestraße geht von den mit der Hamas verbündeten Huthi-Miliz in Jemen aus. Sie greifen Israel seit Ausbruch des Gaza-Krieges mit Drohnen und Raketen an und attackieren Schiffe im Roten Meer, um sie an einer Durchfahrt in Richtung Israel zu hindern. Nur Frachtern, die Hilfsgüter für den Gazastreifen lieferten, werde die Durchfahrt gewährt, heißt es von Seiten der Miliz. Mehrere Schiffe wurden seitdem angegriffen, zuletzt auch ein Containerfrachter der deutschen Reederei Hapag-Lloyd.

Am Montag sagte Mohammed al-Buchaiti, ein Mitglied des Politbüros der Huthis, dem Fernsehsender Al Jazeera, seine Gruppe sei in der Lage, sich jeder US-geführten Koalition entgegenzustellen, die ins Rote Meer entsandt werde. Die Gruppe bekannte sich am Montag zu Drohnenangriffen auf zwei weitere Schiffe. Ob die an der Initiative beteiligten Staaten bereit sind, das zu tun, was US-Kriegsschiffe in den vergangenen Tagen getan haben - Raketen und Drohnen der Huthi abzuschießen und angegriffenen Handelsschiffen zu Hilfe zu eilen -, ist unklar.

Welthandel: Die Route durch das Rote Meer ist eine der wichtigsten für den Handel.

Die Route durch das Rote Meer ist eine der wichtigsten für den Handel.

(Foto: SZ)

Wichtige Verkehrsader für Handel und Öltransporte

Angesichts der Angriffe meiden große Reedereien vorerst den Suezkanal. Der Kanal verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer und bietet damit die kürzeste Verbindung auf dem Seeweg zwischen Asien und Europa. Die Alternativstrecke um das südafrikanische Kap der Guten Hoffnung verlängert die Transporte um einige Tage. Durch den Suezkanal gehen etwa 15 Prozent des Welthandels. Auch für den Öltransport ist die Verbindung zentral, die Sorge vor höheren Preisen geht um. Der Ölkonzern BP hat zum Beispiel vorübergehend alle Transporte durch das Rote Meer ausgesetzt. Darauf legten die Ölpreise am Montag zu. Die Brent-Rohöl-Futures stiegen im Londoner Handel um bis zu 3,9 Prozent. Die Störung wirkte sich auch auf den europäischen Erdgasmarkt aus.

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin teilte mit, es handle sich um eine Herausforderung, die ein internationales Vorgehen erfordere. Alle Länder, die die freie Schifffahrt aufrechterhalten wollten, müssten sich zusammentun. Die "jüngste Eskalation der rücksichtslosen Huthi-Angriffe" bedrohe den freien Handel, die Sicherheit der Seeleute und verstoße gegen das Völkerrecht.

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