Weg zur Wiederwahl des US-Präsidenten:Gewünschte Zielgruppe zum niedrigsten Preis

Sie haben vor 15 Jahren mit Alan Gerber an der Yale-Universität begonnen, die Wirksamkeit von Wahlkampfstrategien zu untersuchen. Es hat mich sehr überrascht, dass es in diesem Multi-Millionen-Geschäft zuvor auf Bauchgefühl und Intuition ankam.

Wir hatten uns beide seit Jahren mit dem Thema beschäftigt und wollten mit Kampagnen zusammenarbeiten, um besser zu verstehen, wie Wahlkämpfe funktionieren. Alan Gerber ist Ökonom, der wissen will, welche Dinge wirken - und welche nicht. Es hat uns frustriert, als wir feststellten, dass die einzige Art, die Effektivität einer Methode zu messen, der Rückgriff auf Umfragedaten war. Das hat aber kaum Aussagekraft. Also haben wir 1998 unser erstes Experiment in New Haven gestartet und Gruppen auf unterschiedliche Art kontaktiert. Seither haben viele Studenten und Kollegen unseren Ansatz aufgenommen, so dass wir recht gut wissen, was funktioniert und was nicht.

Don Green

Was sich aus den US-Wahlen lernen lässt: Donald Green, Politik-Professor an der Columbia University, hat die Wahlforschung revolutioniert.

(Foto: privat)

In Ihrem 2004 erschienenen Buch "Get out the Vote", der Bibel für Wahlkämpfer, schreiben Sie, dass das klassische "An-die-Tür-Klopfen" am wirksamsten ist. War Obama so erfolgreich, weil er via Facebook und Twitter die Online-Welt mit der Offline-Welt verknüpft hat?

Ich bin vorsichtig mit einer abschließenden Bewertung, aber wir wissen, dass man online äußerst effektiv Spenden einwerben kann, denn hier können ständig neue Botschaften getestet werden. Hingegen sind E-Mails kaum wirksam, um Leute zur Stimmabgabe zu bewegen - und das könnte auch für andere Wege der Hightech-Kommunikation gelten. Es gibt tatsächlich kaum etwas Effektiveres, als wenn Nachbarn oder Bekannte vor deiner Tür stehen und für ihren Kandidaten werben.

Wie haben eigentlich die Meinungsforscher und Strategen von Demokraten und Republikanern reagiert, als Sie mit Ihren Experimenten begannen?

Die waren entsetzt, weil sie ihr lukratives Geschäft verteidigen wollten. Sie hatten null Interesse, die Effektivität ihrer Arbeit kontrollieren zu lassen. Ihre Verteidigungsstrategie für den Fall, dass ihr Mann die Wahl verlor, lautete: "Unsere Anzeigen waren großartig und sehr effektiv. Leider war die Gegenseite noch besser, so dass wir keine Chance hatten." Wenn wir diese Leute nach der Grundlage ihrer Entscheidungen fragten, dann erzählten diese schnell Anekdoten und verkündeten: "So haben wir das immer gemacht." Manches klang, als würde Großvater vom Krieg erzählen.

Dabei bieten die verfügbaren Daten viele Chancen. Das Obama-Lager hatte ein Programm namens "The Optimizer", das berechnet hat, auf welchem Kanal die gewünschte Zielgruppe mit dem niedrigsten Preis zu erreichen ist.

Sehr richtig. Die spannende Frage für den nächsten Wahlkampf wird sein, ob es 2016 noch so viel TV-Werbung auf allen Kanälen geben wird. Vielleicht können die Leute in Ohio oder Florida aufatmen, weil weniger Spots geschaltet werden - diese aber zu Zeiten und auf Sendern, wo sie besser wirken. Wäre ich ein Millionär, der die Republikaner mit Spenden unterstützt hat, würde ich mich sehr über die bisherige Geldverschwendung ärgern.

Manche Republikaner sagen, sie wären froh, wenn sie 2016 wieder auf Augenhöhe wären.

Das sehe ich ähnlich. Ich erwarte, dass die Konservativen viel Geld investieren werden, um sich zu verbessern. Oft kommt die Innovation von der Verliererseite: Die Demokraten haben 2004 nach dem Sieg von George W. Bush nach innovativen Ansätzen gesucht und profitieren bis heute davon.

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