Kuriose Wahl-Indikatoren:Romney gewinnt, wenn die Redskins verlieren

Wer wird neuer US-Präsident? Um diese Frage schon vor der Wahl zu beantworten, zogen die Amerikaner auch kuriose Hinweise zurate: Ergebnisse von Footballspielen, beliebte Halloween-Masken oder die Auswahl von Kaffeebechern zeigten angeblich, dass Obama gewinnen würde. Oder Romney.

Charlotte Theile

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Greg Hardy, Robert Griffin III

Quelle: AP

Wer wird neuer US-Präsident? Um diese Frage schon vor der Wahl zu beantworten, zogen die Amerikaner auch kuriose Hinweise zurate: Ergebnisse von Footballspielen, beliebte Halloween-Masken oder die Auswahl von Kaffeebechern zeigten angeblich, dass Obama gewinnen würde. Oder Romney. Ein Überblick über seltsame Wahl-Vorzeichen.

Das Redskins-Orakel

Seit 1936 haben Experten die National Football League (NFL) im Blick - wann immer die Washington Redskins das letzte Heimspiel vor der Wahl gewonnen haben, konnte die amtierende Partei ihre Position verteidigen. Verlieren die Redskins, gewinnt der Herausforderer.

Treffsicherheit: Bei 17 von 18 US-Wahlen stimmte die Vorhersage. Nur 2004, als die Redskins gegen die Green Bay Packers verloren, aber Präsident George W. Bush die Wahl gewann, ging die Prophezeiung schief.

Wer gewinnt? Mitt Romney. Das Spiel am 4. November verloren die Redskins (re.) deutlich mit 13:21 gegen die Carolina Panthers (li.) aus Charlotte, North Carolina. Auch das ist, wenn man so will, gut für die Republikaner: In North Carolina führt Romney Umfragen zufolge - allerdings nur mit unsicheren drei Prozentpunkte Vorsprung.

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Kuriose Wahl-Indikatoren:Amerikas Grundschüler

Obama greets students at a Virginia school

Quelle: REUTERS

Umfragen sind einer der sichersten Wege, in Wahlkampfzeiten Magazine zu verkaufen. Auch Scholastic News, eine Zeitschrift rund um die Schule, befragt seit 1940 eine Art Glaskugel: Amerikanische Grundschüler. 250.000 haben in diesem Jahr abgestimmt, heißt es auf der Homepage von Scholastic News.

Treffsicherheit: In nur zwei von 16 Fällen hatten die Grundschüler unrecht: 1948 und 1960. Seither haben sie immer vorhersagen können, wer das Rennen macht.

Wer gewinnt? Barack Obama - und zwar deutlich. Mit 57 Prozent der Schüler-Stimmen liegt der Präsident weit vor Mitt Romney, der auf 39 Prozent kommt.

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Kuriose Wahl-Indikatoren:Eine Frage der Größe

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Quelle: imago stock&people

Wer das Land leiten soll? Ein starker Mann, bereit die Vereinigten Staaten vor Feinden zu beschützen, ein kluger Stratege, der den Überblick behält. Was es dafür braucht? "Mindestens 180 Zentimeter." Eine Antwort, die eher aus dem Bauch als aus dem Kopf kommt, aber vielleicht gerade deswegen Einfluss auf das Wahlergebnis hat: Angeblich gewinnt immer der größere Kandidat.

Treffsicherheit: Seit 1896 traf die These 19-Mal zu, in nur acht Wahlen setzte sich der kleinere Bewerber durch. Zwei Mal trafen Kandidaten aufeinander, die offiziellen Angaben zufolge exakt gleich groß waren.

Wer gewinnt? Romney. Der Herausforderer ist größer - allerdings nur ein bisschen. Angeblich misst er 1,89 Meter, Obama dagegen 1,86 Meter.

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Kuriose Wahl-Indikatoren:Kaffee für den Präsidenten

7-eleven-cups

Quelle: Screenshot 7-Eleven, www.7-eleven.com/7-Election/

Mit Milch, Zucker und Kakaopulver? Bei 7-Eleven müssen die Kunden im Moment nicht nur entscheiden, was sie trinken wollen, sondern auch woraus. Die blauen und roten Becher, blau für Obama, rot für Romney, sind wohl die einfachste Form der Unterstützung. Auf der Homepage zeigt das Unternehmen an, wie die Verkäufe in den einzelnen Staaten laufen. Es ist das vierte Mal, dass der Konzern die Wahl per Becher-Abstimmung begleitet.

Treffsicherheit: Die Ergebnisse sind, wie 7-Eleven betont, streng unwissenschaftlich. Dennoch waren sie bisher erstaunlich akkurat: Bei vergangenen Wahlen lagen die 7-Eleven-Kunden fast auf die Nachkomma-Stelle genau richtig.

Wer gewinnt? Nirgendwo liegt Barack Obama so weit vorne wie bei 7-Eleven: 59 Prozent der verkauften Becher waren blau, 41 Romney-Rot. In nur drei Staaten (Idaho, West Virginia, Vermont) führt Romney aktuell die Verkäufe an.

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Kuriose Wahl-Indikatoren:Der Gruselmasken-Faktor

A Barack Obama mask is seen at New York Costumes, a halloween supply store, in New York

Quelle: Andrew Burton/Reuters

Masken von Präsident und Herausforderer sind in Wahljahren an Halloween traditionell beliebt, schließlich liegen Kostümparty und Entscheidung nur wenige Tage auseinander. Der Kandidat, dessen Gesicht häufiger verkauft wird, gewinnt auch die Wahl. So heißt es zumindest. Da man sich an Halloween ja eigentlich gruseln soll, gibt es allerdings auch viele Amerikaner, die Masken aus dem gegnerischen Lager kaufen - so lässt sich zum Beispiel erklären, dass sich Obama im republikanischen Texas und Romney im liberalen Oregon besser verkauft.

Treffsicherheit: Seit 2000 immer richtig vorhergesagt.

Wer gewinnt? Bei BuyCostumes.com liegen die Demokraten mit 51 Prozent vorn, auch bei Spirit Halloween Sales hieß es, Obama führe mit 63 zu 37 Prozent. Man könnte jedoch einwenden: Obama hat das markantere Gesicht. Während die Romney-Maske entfernt an Vizepräsident Joe Biden erinnert, sorgen Segelohren und Hautfarbe beim Präsidenten für ein "eindeutigeres" Kostüm.

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Kuriose Wahl-Indikatoren:Republikanische LA Lakers

Kobe Bryant

Quelle: dpa

Seit 1952 war es immer so: Wenn das Basketballteam der Los Angeles Lakers es im Wahljahr ins NBA-Championship-Finale schaffte, gewannen die Republikaner - und zwar unabhängig davon, ob sie Herausforderer oder Präsidenten stellten. Das sogenannte Lakers-Law wurde 2008 erstmals von John McCain gebrochen, der es trotz Bastketball-Unterstützung nicht ins Weiße Haus schaffte.

Treffsicherheit: Acht von neun Mal traf die Lakers-Prognose zu.

Wer gewinnt? Obama - die Lakers schieden in der vergangenen Saison im Western-Conference-Halbfinale gegen die Oklahoma City Thunder aus. Das NBA-Finale gewannen schließlich die Miami Heat gegen die Oklahoma City Thunder.

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Kuriose Wahl-Indikatoren:Hundekot statt Kaffeesatz

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Quelle: Screenshot, Metro Paws, www.smearcampaign.us

Fast jede denkbare Gruppe bekommt ihren maßgeschneiderten Wahlkampf: Hispanics, Vietnam-Veteranen, Arbeiter der Kohle-Industrie werden umworben - und so knapp, wie das Rennen momentan aussieht, könnten auch Hundebesitzer die Wahl entscheiden. Ihre Entscheidung fällt unter anderem per Hundekotbeutel. Tüten mit den Gesichtern von Mitt Romney und Barack Obama verkaufen sich momentan gut: Wer sie benutzt, will den betreffenden Kandidaten diskreditieren.

Treffsicherheit: Politikern Mist in den Mund zu stopfen, ist wohl ein Wunsch, den viele vom Wahlkampf genervte Bürger haben. Wie viel Einfluss die relativ neue Geschäftsidee haben wird, ist unklar.

Wer gewinnt? Auch hier gibt es keine eindeutigen Zahlen. Bei der texanischen Firma Therapoo verkauft sich Obama deutlich besser, das New Yorker Unternehmen MetroPaws hat mit den Romney-Tüten mehr Erfolg.

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Kuriose Wahl-Indikatoren:Wahlentscheidung im Backofen

Michelle Obama und Ann Romney

Quelle: dpa

Schwarz-weiße Chocolate-Chips gegen M&M-Kekse: Glaubt man dem US-Frauenmagazin Family Circle, wird die Wahl am Backofen entschieden. 1992 hatte sich Hillary Clinton mit einem ungeschickten Zitat in Zugzwang gebracht. Sie sagte, dass sie auch zu Hause bleiben, Kekse backen und Tee trinken gekonnt hätte, anstatt Jura zu studieren. Daraufhin musste sie ihre häusliche Seite im sogenannten Presidential Cookie Bake-Off beweisen. Seither kämpften die First Ladies in spe alle vier Jahre mit ihren Rezepten um die Gunst der amerikanischen Mittelschicht.

Treffsicherheit: Nur einmal verlor der Kandidat mit der besten Keks-Bäckerin zu Hause die Wahl: 2008 konnte sich Cindy McCain gegen Michelle Obama durchsetzen, ihr Mann verlor dennoch. Macht vier von fünf Treffer.

Wer gewinnt? In diesem Jahr hat es Michelle Obama geschafft, die Family-Circle-Leserschaft zu überzeugen: Ihre Chocolate-Chips erhielten 51,5 Prozent der Stimmen, Ann Romneys M&M-Kekse 48,5 Prozent. Zwischen den Ehemännern dürfte es Umfragen zufolge ähnlich eng werden.

© Süddeutsche.de/joku/bavo
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