US-Wahlkampf:Wenn Schweißperlen die Wahl entscheiden

Vorsicht, die Herren Obama und Romney! Ein falsches Wort oder ein dümmliches Foto reichen aus, um die US-Wahl zu verlieren. Michael Dukakis im Panzer oder Richard Nixon kränkelnd vor TV-Kameras - entscheidende Momente im Rückblick.

Matthias Kohlmaier

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White House

Quelle: iStockphoto/James Steidl

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Vorsicht, die Herren Obama und Romney! Ein falsches Wort oder ein dümmliches Foto reichen aus, um die US-Wahl zu verlieren. Michael Dukakis im Panzer oder Richard Nixon kränkelnd vor TV-Kameras - entscheidende Momente im Rückblick.

Auf ihrem Weg ins Weiße Haus dürfen sich Kandidaten für das Präsidentenamt in den USA nicht den kleinsten Ausrutscher erlauben. Die Konkurrenz notiert jede Aussage, jede Rede peinlich genau mit. Die amerikanischen Medien haben ein Faible für (vermeintliche) Pannen und Skandale. Mit der steigenden Zahl von Online-Portalen und Blogs hat sich die Aufmerksamkeit für diese "game changing moments" oder auch "game changer" verstärkt. Ein Blick auf vergangene Wahlkämpfe zeigt, dass sich die US-Bürger oft schon von Kleinigkeiten stark beeinflussen lassen.

TV-Duell zwischen J. F.Kennedy und Nixon 1960

Quelle: dpa

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Es war das erste politische TV-Duell der Geschichte: Am 07. Oktober 1960 standen sich der demokratische Bewerber John F. Kennedy und sein republikanischer Kontrahent Richard Nixon vor den Fernsehkameras gegenüber.

Nixon ging fachlich gut vorbereitet in das Duell, hatte sämtliche Fakten und Zahlen parat und absolvierte kurz vorher sogar noch einige Wahlkampfauftritte. Er wirkte jedoch merklich gestresst, schlecht rasiert und zunehmend verschwitzt. Kennedy dagegen hatte tagelang nur den Auftritt vor laufenden Kameras trainiert und präsentierte sich den Zuschauern als locker, gutgelaunt, eben das absolute Gegenteil vom gestressten Nixon. Der Republikaner hatte im besagten Wahlkampf jedoch noch eine andere Bürde zu tragen.

FILE PHOTO OF PRESIDENT NIXON DURING FINAL WHITE HOUSE SPEECH

Quelle: REUTERS

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US-Wahlkampf:Richard Nixon

Der scheidende - und in der Bevölkerung respektierte - Präsident Dwight D. Eisenhower hatte auf die Frage nach den Verdiensten seines Vizepräsidenten Nixon gesagt: "Geben Sie mir eine Woche Zeit, dann fällt mir vielleicht etwas ein." Ein herber Schlag für die Nixon-Kampagne.

Am Ende verlor Nixon die Wahl gegen Kennedy extrem knapp - etwa 110.000 Stimmen hatten den Ausschlag zugunsten des Demokraten gegeben. Das missratene TV-Duell und das wenig schmeichelhafte Eisenhower-Zitat wurden dafür mitverantwortlich gemacht. Nixon wurde zwar 1969 doch noch Präsident, dankte aber (im Bild seine Verabschiedung) 1974 nach der Watergate-Affäre gezwungenermaßen ab.

US-CLINTON-DUKAKIS

Quelle: AFP

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1988 trat der damalige Gouverneur von Massachusetts, Michael Dukakis, als Präsidentschaftskandidat der Demokraten gegen den Republikaner George Bush senior an. Dukakis, in Bevölkerung und Partei ohnehin als Notlösung angesehen, suchte lange nach einem Weg, sich gekonnt in Szene zu setzen. Sein Manöver misslang jedoch völlig.

Um Stärke zu demonstrieren, ließ sich Dukakis samt Helm in einem Militärpanzer ablichten. Die Bevölkerung empfand das allerdings nicht als Demonstration der Stärke, sondern als ziemlich lächerlich. Die Wahl ging mit 111 zu 426 Wahlmännern verloren. Dukakis ging zurück nach Massachusetts und blieb bis 1991 Gouverneur.

Im Bild: Michael Dukakis mit Ehefrau Kitty und Bill Clinton bei einem Empfang im Weißen Haus im Mai 1996

GEORGE BUSH SPEAKS AT CENTRAL INTELLIGENCE AGENCY HEADQUARTERS

Quelle: REUTERS

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Ein Credo von George Bush senior im Wahlkampf von 1988 lautete: "Es gibt keine neuen Steuern!" Von Journalisten immer wieder darauf angesprochen, entgegnete ein genervter Bush irgendwann: "Read my lips, no new taxes!" Wie das mit Wahlversprechen aber häufig so ist, wurden in Bushs Legislaturperiode dann doch neue Abgaben eingeführt - und sein Spruch wurde zum Bumerang.

Als der Republikaner 1992 zur Wiederwahl antrat, wurde er bei vielen Wahlkampfauftritten schon mit "Read my lips"-Postern und -Sprechchören empfangen und am Ende abgewählt.

Bill Clinton, 1998

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Sieger der Präsidentschaftswahl 1992 wurde Bill Clinton, dem zwar schon damals eheliche Untreue nachgesagt wurde, aber noch keine Lewinsky-Affäre anhaftete. Mit dem 22 Jahre jüngeren Clinton trat nicht nur eine andere Politikergeneration gegen den alternden Amtsinhaber Bush an. Die Kampagne der Demokraten fußte auch auf einem einfachen Spruch. "It's the economy, stupid!" Clinton punktete nicht nur mit seinem jugendlichen Charme, seine Kampagne sprach auch das Thema an, das für seine Landsleute von Bedeutung war: Jobs. Er wurde gewählt.

DEMOCRATIC SUPPORTERS WAVE ANTI BUSH SIGNS AT CONVENTION

Quelle: REUTERS

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Das übermütige Zitat des Vaters bekam Jahre später auch der Sohn noch zu spüren. Im Wahlkampf 2000 - George W. Bush trat gegen den Demokraten Al Gore an - hielt ein Anhänger Gores bei dessen Wahlkampfauftritt das entsprechende Schild in die Höhe. Bush junior gewann die Wahl dennoch, wenn auch unter fragwürdigen Umständen - Gore konnte mehr Gesamtwählerstimmen auf sich vereinen, aber Bush wurden mehr Wahlmänner zugesprochen.

Im Wahlkampf hatte aber wieder ein Zitat eine besondere Rolle gespielt: Gore hatte angedeutet, er sei einer der Erfinder des Internets. "During my service in the United States Congress, I took the initiative in creating the Internet", hatte er bei einem CNN-Interview gesagt. Obgleich Gore sich tatsächlich als Kongressabgeordneter dafür eingesetzt hatte, die Forschung und Entwicklung des World Wide Web zu subventionieren, hatte er seinen Beitrag bei der "Erfindung" des Internets doch etwas unbeholfen dargestellt. Gehöriger Spott war ihm sicher.

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Quelle: AFP

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Nach seinem Wahlsieg gegen Al Gore saß George W. Bush vier Jahre später alles andere als fest im Präsidentensattel. Der demokratische Herausforderer John Kerry konnte sich Hoffnungen machen, ins Weiße Haus einzuziehen.

Der Wendepunkt für Bush war ein Auftritt des Staatsfeindes der USA: Osama bin Laden. Der ließ kurz vor der Wahl ein Video verbreiten, in dem er sich zu den Anschlägen vom 11. September 2001 bekannte und die Regierung Bush schmähte. Die Wähler reagierten trotzig und votierten - unter anderem deshalb - mehrheitlich für den außenpolitischen Hardliner Bush.

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Quelle: AFP

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2008 trat Kriegsveteran John McCain für die Grand Old Party im Kampf um das Präsidentenamt an. Der vom konservativen Flügel der Partei als zu liberal wahrgenommene McCain brauchte unbedingt einen erzkonservativen running mate, um mit seiner Kampagne die gesamte Bandbreite der Parteianhänger abzudecken. Und er entschied sich - nach offenbar nicht sehr reiflicher Prüfung - für Alaskas Gouverneurin Sarah Palin.

Die Nominierung Palins als Kandidatin für die Vizepräsidentschaft gab dem Wahlkampf der Republikaner anfangs tatsächlich neuen Schwung - kurzfristig lag das Duo McCain/Palin in Umfragen vor Obama/Biden. Doch dann gab Palin in diversen Interviews zu erkennen, dass sie von nahezu allen Themen außerhalb der Grenzen Alaskas nicht den Hauch einer Ahnung hatte.

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Quelle: AFP

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Während McCains demokratischer Rivale Barack Obama im Wahlkampf reüssierte, füllten die Bonmots von Palin ganze Pannen-Artikel und -Bildstrecken (auch bei Süddeutsche.de, siehe hier) und zogen die Kampagne der Republikaner ins Lächerliche.

Besonders in Erinnerung geblieben ist ein Zitat zur Außenpolitik, das die Wähler kaum von Palins Kompetenz überzeugt haben dürfte: "I can see Russia from land here in Alaska", sagte Palin, als sie auf ihre diplomatischen Fähigkeiten angesprochen wurde.

© Süddeutsche.de//mikö
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