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Wahlumfrage zur Alternative für Deutschland:18 Prozent für Horst Schlämmer

Im August 2009 bescheinigten Demoskopen einer Partei namens "HSP" stolze 18 Prozent. Dahinter verbarg sich die "Horst-Schlämmer-Partei", ein Fantasieprodukt des Komikers Hape Kerkeling, der als Grevenbroicher Lokaljournalist verkleidet ins Kanzleramt wollte.

Was die Handelsblatt-Umfrage besonders bemerkenswert macht: Nicht ein übereifriger Meinungsforscher hat sich die methodisch zweifelhafte Fragestellung ausgedacht. Sondern das Handelsblatt selbst. Das bestätigten die Zeitung und das Mafo-Institut auf SZ-Anfrage.

Üblicherweise wehren sich Demoskopen dagegen, dass ihnen tendenziöse Fragen vorgeschlagen werden. "Gerade bei politischen Umfragen kommt es sehr auf den Wortlaut an. Wir beraten den Kunden, damit die Ergebnisse nicht angreifbar werden", sagt eine Mitarbeiterin eines renommierten Instituts, die anonym bleiben möchte. Infratest-dimap-Geschäftsführer Hilmer drückt es diplomatischer aus:

"Als Institut muss ich mir das Recht ausbedingen, dass ich den Wortlaut der Frage letztlich bestimme, um jegliche Art von ungewollten Effekten zu verhindern. Diese Frage ist etwas grenzwertig und wäre bei uns so wohl kaum gestellt worden."

Der zuständige Redakteur beim Handelsblatt, Dietmar Neuerer, zeigt sich davon unbeeindruckt und verweist auf seinen Text. Die Überschrift "19 Prozent würden die Anti-Euro-Partei wählen" werde dort schließlich revidiert, weil vermerkt sei, dass 54 Prozent der Befragten die AfD nicht wählen wollten. Im Übrigen sei er "kein Wahlforscher" und könne die Methodik nicht eingehender beurteilen.

Er hätte nur ins eigene Archiv schauen müssen. Am 13. Februar schrieb das Handelsblatt, "Erhebungen können enormen Einfluss auf die Wahlentscheidung der Bürger nehmen". Und fragte: "Ist es also richtig, dass Wahlumfragen derart Einfluss haben?" Die Antwort lieferte damals Infratest-dimap-Geschäftsführer Hilmer. Seine Forderung: Demoskopen müssten "enorm akkurat arbeiten".

© SZ.de/joku
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