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Wahlkampf in den USA:Laute Töne, lauer Inhalt

Die Republikaner haben mehr Übung, sie verunglimpfen Barack Obama seit Jahren. Mal ist der Demokrat ein Sozialist, mal ein Faschist, und immer "un-amerikanisch". Aber ebenso holzt Obama. Des Präsidenten Agitprop-Truppen zeichnen Mitt Romney als plutokratischen Steuertrickser und kapitalistischen Vampir, und Obamas Vize Joe Biden warnt gar, die Republikaner wollten, wie zu Sklavenzeiten, die Menschen wieder "in Ketten legen".

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In 75 Tagen wählen die Amerikaner einen neuen Präsidenten. Bleibt Barack Obama? Oder wird der Republikaner Mitt Romney Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika? Beide verschweigen bisher, wohin sie die verunsicherte Weltmacht führen wollen.

(Foto: AFP)

Laute Töne, lauer Inhalt: Daran wird sich nichts ändern, wenn nun beide Seiten auf pompösen Parteitagen die Truppen zum Kampf ums Weiße Haus mobilisieren. Weder Obama noch Romney fischen noch nach Stimmen in der Mitte, nur fünf Prozent wahrscheinlicher Wähler geben an, sie seien unentschlossen. Amerikas politische Polarisierung - von den Parteien befeuert, und ausgekocht von linientreuen Kabelsendern sowie stramm einseitigen Websites - zwingt zum Lagerwahlkampf. Die Kampfaufstellung im Innern erinnert merkwürdig an das Motto von Amerikas Anti-Terror-Krieg: "Bist du für uns oder gegen uns?"

Das führt zu absurden Verirrungen, wie das Beispiel Missouri zeigt. Da faselt ein erzkonservativer Republikaner mal von "schwerer", dann wieder von "gewaltsamer" Vergewaltigung (als gäbe es eine leichte oder gewaltfreie Variante) und wettert gegen Abtreibungen. Prompt bekundet das republikanische Establishment Abscheu.

Aber die Parteiaktivisten wollen ihren Fundi behalten, und laut Umfragen könnte der unsägliche Biedermann noch immer die Wahl zum Senator gewinnen. Das rechte Wahlvolk ist zwar nicht recht einverstanden mit den Sentenzen seines Kandidaten, aber der Hass auf dessen demokratische Gegenkandidaten ist allemal größer als die Vernunft.

Ähnliche Kräfte beherrschen inzwischen überall Amerikas Politik. Das wäre, ginge es um einen Schützenverein oder eine Theatergruppe, nicht weiter schlimm. Aber auf dem Spiel steht die Zukunft eines Landes, das Weltmacht ist (und vorgeblich auch bleiben möchte).

Niemand erwartet, dass Politiker mitten im Wahlkampf alle drängenden Probleme lösen, also etwa die Staatsverschuldung bremsen, den Zerfall von Straßen und Brücken stoppen oder das Elend miserabelster Schulen lindern. Aber ein paar Skizzen und Ideen wären schon wohlfeil. Die Uhr tickt, ein Berg unerledigter Entscheidungen wartet. Der Reformstau muss bis zum Jahresende abgetragen werden - oder es droht eine neue Budgetkrise, samt potenziellem Staatsbankrott plus Rezession.

Das ist der schlimmste Schaden dieses Kulturkampfes: Beide Lager verbrennen die Erde, die sie als Boden für überparteiliche Kompromisse brauchen. Das zerrüttet die Nation. Aber da sind sich Demokraten und Republikaner wenigstens einig: Schuld auch dafür sind die anderen.

© SZ vom 22.08.2012/anri/rus
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