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Abtreibungs-Debatte der US-Republikaner:Romney fordert radikalen Parteikollegen zum Rückzug auf

Vergewaltigungen machen selten schwanger, sagt der US-Abgeordnete Todd Akin und sorgt im Wahlkampf für Empörung. Spitzenkandidat Mitt Romney verlangt von ihm nun Konsequenzen. Doch seine Forderung nach einem vollständigen Abtreibungsverbot soll offenbar bald Parteilinie werden.

Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hat seinen radikal-konservativen Parteikollegen Todd Akin nach dessen kontroversen Abtreibungsäußerungen zum Rückzug aufgefordert.

Todd Akin

Schwangerschaften nach Vergewaltigungen seien selten: Der US-Republikaner Todd Akin hat sich inzwischen für seine Äußerungen entschuldigt. Zurücktreten will er nicht.

(Foto: AP)

Nachdem sich Romney bereits am Montag von Akin distanziert hatte, ging er am Dienstag noch einen Schritt weiter. Die Bemerkungen seien "beleidigend und falsch" gewesen, sagte Romney. Akin solle "sehr ernsthaft bedenken, welcher Weg der beste im Interesse unseres Landes" sei und seine Kandidatur für den Senatssitz deswegen zurückziehen.

Auch der Parteichef der Republikaner, Reince Priebus, verlangte Akins Rückzug. Außerdem forderte er das in Ungnade gefallene Parteimitglied in einem Interview mit dem Fernsehsender CNN am Dienstag auf, nicht zum Parteitag der Republikaner in der kommenden Woche nach Tampa in Florida zu kommen, bei dem Romney zum Spitzenkandidaten für die Präsidentschaftswahl am 6. November gekürt werden soll.

Akin sperrt sich jedoch entschieden dagegen. Er entschuldigte sich zwar für seine Äußerungen, sagte aber zugleich, er habe sich lediglich falsch ausgedrückt - und das sei kein Grund, um aus dem Ring zu steigen.

Akin hatte in einem Interview gesagt, dass Schwangerschaften nach Vergewaltigungen "eher selten" seien. "Wenn es sich um eine wirkliche Vergewaltigung handelt, hat der weibliche Körper Möglichkeiten, mit denen er versucht, das Ganze zu verhindern", sagte er. Akin entschuldigte sich später zwar, lehnt Schwangerschaftsabbrüche aber weiter grundsätzlich ab - auch bei Vergewaltigungsopfern.

Der "Akin-Zusatz"

Trotz aller Angriffe auf Akin wollen die Republikaner die Forderung nach einem vollständigen Abtreibungsverbot Medienberichten zufolge in ihren politischen Leitlinien für die kommenden vier Jahre festschreiben. Demnach fasste eine Kommission am Dienstag einen entsprechenden Beschluss, der beim Nominierungsparteitag in der kommenden Woche in Tampa verabschiedet werden soll. Die politischen Leitlinien haben allerdings keinen verbindlichen Charakter für die Zeit nach der Wahl.

Die Republikaner treten traditionell grundsätzlich für ein Abtreibungsverbot ein. Allerdings befürchten sie im laufenden Wahlkampf, mit einer zu harten Linie bei diesem in den USA hochumstrittenen Thema Frauen und unentschlossene Wähler der Mitte abzuschrecken.

Bei den Demokraten von Präsident Barack Obama hatten die Äußerungen Akins umgehend für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. Zu der neuen Entscheidung für die politischen Leitlinien teilte Obamas Lager am Dienstag mit, die Republikaner nähmen damit den "Akin-Zusatz" in ihr Parteiprogramm auf. Auch wenn Romney und sein Vizekandidat Paul Ryan zunächst versucht hätten, Abstand zu Akin vorzutäuschen, stelle sich nun heraus, dass sie mit ihm einer Meinung seien.

© Süddeutsche.de/AFP/dpa/fran
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