bedeckt München 11°
vgwortpixel

US-Wahlkampf:Obama schaltet auf Angriff

Der US-Präsident droht Assad, verteidigt die Frauenrechte und lässt keinen Zweifel daran, gegen Herausforderer Mitt Romney auch schmutzig zu kämpfen. Obama hat allen Grund zum Aktionismus: Die Republikaner sammeln deutlich mehr Geld - und könnten schon bald den Wahlkampf dominieren.

Als Überraschungsgast kündigte Pressesprecher Jay Carney den US-Präsidenten den versammelten Washingtoner Medien an, doch richtig überraschend war Barack Obamas Besuch beim nachmittäglichen Briefing nicht. Zwei Monate nach seiner letzten offiziellen Pressekonferenz im Weißen Haus zog der Amtsinhaber am Montag die Aufmerksamkeit auf sich (Video hier). Es war höchste Zeit.

Amerikas mächtigste Wählergruppen

Die politische DNA der USA

Obama hat nur noch wenige Tage, bevor sein Konkurrent Mitt Romney in Tampa auf dem Parteitag der Republikaner offiziell zum Präsidentschaftskandidaten gekürt wird - begleitet von einer großen Werbe-Show mit viel Konfetti. Der Wahlkampf geht dann eigentlich erst richtig los. Für Obama gestaltet er sich aber schon jetzt eher schwierig.

In der Spenden-Rangliste liegt der Amtsinhaber inzwischen hinten. Die Republikaner haben deutlich mehr Geld gesammelt als die Demokraten: Im Juli waren es 185,9 Millionen Dollar, Obama und die Demokraten hingegen kommen auf 126,9 Millionen. Damit hat die konservative Seite genug Geld, um Obama und die Demokraten in Sachen Wahlkampfwerbung hinter sich zu lassen.

Für Obama, im Wahlkampf 2008 als Spendensammler sehr erfolgreich, ist das eine ungewohnte Situation. Auf die Kraft seiner Kampagne, so scheint es, kann er sich diesmal nicht unbedingt verlassen. Das war auch der Pressekonferenz am Montag anzumerken: In 22 Minuten holte der Präsident zum Rundumschlag gegen die Republikaner aus. Und rechtfertigte sich dafür, im Wahlkampf längst auch auf "schmutzige" Mittel zurückzugreifen.

"Eine Vergewaltigung ist eine Vergewaltigung"

Da war die Steilvorlage des Gegners, die es für Obama zu verwerten galt. Der republikanische Senatskandidat und Abtreibungsgegner Todd Akin hatte es mit der kruden Theorie, Frauen könnten Schwangerschaften nach "tatsächlichen Vergewaltigungen" durch körpereigene Mittel verhindern, in die nationalen Medien geschafft.

Obama antwortete mit dem Satz: "Eine Vergewaltigung ist eine Vergewaltigung." Mit dem Hinweis, dass - meist männliche - Politiker sich nicht anmaßen sollten, Vergewaltigungen zu klassifizieren, griff er indirekt Paul Ryan, den Vize-Kandidaten seines republikanischen Konkurrenten Mitt Romney an.

Zwar hat sich das gegnerische Wahlkampfteam schnell von den Äußerungen Akins distanziert, doch Ryans konservative Grundeinstellung bietet den Demokraten ausreichend Angriffsfläche. Der Abgeordnete aus Wisconsin lehnt, anders als Romney und Obama, Schwangerschaftsabbrüche auch in Fällen von Vergewaltigungen, Inzest oder gesundheitlicher Gefährdung der Mutter ab.

Der Fall Akin wirft ein Schlaglicht auf die Abtreibungsdebatte. Obama kann das nur recht sein. Frauen gehören zu den wichtigsten Wählergruppen Obamas, in einigen umkämpften Staaten könnten sie entscheidend für den Demokraten sein.

US-Präsidentschaftswahl 2012

Mit ein bisschen Hilfe von den Promi-Freunden

Zur SZ-Startseite