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Wahl von Kavanaugh an den Supreme Court:Emotionale Konfrontation im Aufzug

Flake selbst erklärte Reportern später, er teile mit Kavanaugh eine "konservative Ideologie" und würde ihn gerne bestätigt sehen. Doch um voll hinter ihm stehen zu können, müssten die im Raum stehenden Anschuldigungen aufgeklärt werden. Ein Video, das parallel zu Flakes Kehrtwende viral ging, bietet eine alternative Erklärung: Es zeigt, wie der Senator auf dem Weg in den Ausschusssaal von zwei Frauen aufgehalten wird. An einem Aufzug konfrontieren sie ihn: mit seiner Ankündigung, für Kavanaugh stimmen zu wollen - und mit ihren Leidensgeschichten.

"Ich habe sexuelle Gewalt erlebt", sagt eine der Frauen unter Tränen. "Mit ihrer Stimme sagen Sie mir, dass meine Erlebnisse wertlos sind und Sie Männern, die so etwas tun, trotzdem noch an die Macht helfen." Auch Flake ist in der Aufnahme zu sehen. Er wirkt sichtlich betroffen, weicht den Blicken der Frauen aus.

Die Bilder dürften all jenen wieder Hoffnung geben, die Flake schon abgeschrieben hatten. Wie berechtigt diese Hoffnung ist, bleibt abzuwarten.

Lisa Murkowski, republikanische Senatorin aus Alaska

Im Gegensatz zu ihrem Senatskollegen aus Arizona hatte Lisa Murkowski schon ein Problem mit Kavanaugh, bevor dieser zum Mittelpunkt einer Rape-Culture-Debatte wurde. Murkowski, 61, verheiratet, zwei Söhne, sitzt seit mehr als 16 Jahren für den abgelegenen Bundesstaat Alaska im Senat - und ist eine Befürworterin des Rechts auf Abtreibung. Damit steht sie nicht nur in Opposition zu den allermeisten ihrer Parteikollegen, sondern auch zum erzkonservativen Supreme-Court-Kandidaten Kavanaugh. Der hat es außerdem geschafft, bei den Themen Gesundheitsvorsorge und Rechte von Ureinwohnern eine mächtige Interessensvertretung in Murkowskis Heimat gegen sich aufzubringen: die Alaska Federation of Natives, also den Verband der Indigenen in Alaska.

Experten schätzen, dass Murkowski von allen drei potenziellen swing senators am gefährlichsten für die Republikaner werden könnte. Die 61-Jährige hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie keine Angst vor einer offenen Konfrontation mit der eigenen Partei hat. Als sie bei ihrer Wiederwahl 2010 im republikanischen Vorausscheid gegen einen Kandidaten der rechtskonservativen Tea-Party-Bewegung verlor, beschloss sie, trotzdem anzutreten - als sogenannte Write-in-Kandidatin. Auf den offiziellen Wahlzetteln tauchte ihr Name nicht auf, die Wähler konnten ihren Namen jedoch handschriftlich eintragen. Am Ende setzte sich Murkowski durch. Es war überhaupt erst das zweite Mal in der Geschichte des US-Senats, dass ein Bewerber auf diesem Wege gewann.

Bereits bevor Jeff Flake am Freitag eine FBI-Untersuchung zur Bedingung für seine Ja-Stimme machte, hatte Markowski für eine solche Ermittlung plädiert. Und Anfang der Woche stellte sie in einem Interview mit der New York Times klar: "Wir sind an einem Punkt, an dem es nicht mehr darum geht, ob Richter Kavanaugh qualifiziert ist oder nicht. Es geht darum, ob einer Frau, die irgendwann in ihrem Leben Opfer von sexueller Gewalt wurde, geglaubt wird."

Susan Collins, republikanische Senatorin aus Maine

Wie Murkowski ist auch Susan Collins der Überzeugung, dass Frauen frei entscheiden sollen dürfen, ob sie ein Kind austragen wollen oder nicht. Die 65-jährige Senatorin aus Maine schien in der Vergangenheit aber eher bereit, Trumps Kandidaten trotz verschiedener Standpunkte beim Thema Abtreibung ihre Stimme zu geben. Sie sei zuversichtlich, dass Kavanaugh "Roe vs. Wade" nicht kippen werde, sagte sie. "Roe vs. Wade" ist das vielleicht wichtigste Schlagwort in dem Zusammenhang: Es bezieht sich auf ein Grundsatzurteil des Supreme Courts aus dem Jahr 1973, das ein Recht auf Abtreibung garantiert.

Collins, die bei der Präsidentschaftswahl 2016 nicht für Trump stimmte (und damit nach eigener Aussage zum ersten Mal in ihrem Leben einem republikanischen Präsidentschaftskandidaten ihre Stimme verweigerte), hatte sich dafür stark gemacht, dass Christine Blasey Ford vom Senat angehört werden sollte. Am Freitag verkündete sie dann via Twitter, dass sie eine FBI-Untersuchung befürworte und sich freue zu hören, dass ein wichtiger Zeuge in der Sache nun offenbar bereit sei, mit den Ermittlern zu kooperieren. Ob sie Christine Blasey Ford allerdings glaubt, hat Collins bislang offengelassen.

Könnten am Ende die Demokraten Kavanaugh möglich machen?

Es klingt fast unglaublich: demokratische Senatoren, die den erzkonservativen Kavanaugh ins Amt heben. Doch vor Donnerstag war das eine reelle Gefahr. Gerade Senatoren, die im November in sogenannten Red States zur Wiederwahl antreten müssen, also in seit November 2016 mehrheitlich republikanischen Bundesstaaten, fürchten, sie könnten mit allzu offener Opposition gegen Trump ihre Chancen schmälern. So wurden Jon Tester aus Montana, Heidi Heitkamp aus North Dakota und Joe Manchin aus West Virginia als mögliche Abweichler gehandelt. Zumindest bis Donnerstag. Nach der Aussage von Christine Blasey Ford kündigte Tester an, gegen Kavanaugh zu stimmen, auch Heitkamp ließ gegenüber Reportern durchblicken, dass sie dazu tendiert. Manchin applaudierte Flake öffentlich für seine Initiative, eine FBI-Untersuchung einzufordern. Die Gefahr, dass demokratische Senatoren ihrer eigenen Partei in der Causa Kavanaugh in den Rücken fallen, scheint also vorerst abgewendet.

© SZ.de/bepe
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