Wahl von Kavanaugh an den Supreme Court Auf diese Republikaner hofft das liberale Amerika

Murkowski, Flake, Collins: drei Namen, dreimal Hoffnung. Zumindest auf Seiten der Demokraten und Kavanaugh-Gegner.

(Foto: AFP/AP)

Einen abtrünnigen Senator können sich die Republikaner leisten, bei zwei würde Trumps Richterkandidat durchfallen. Wer Kavanaugh jetzt noch verhindern könnte.

Von Johanna Bruckner, New York

Die Marathon-Anhörung von Christine Blasey Ford und Brett Kavanaugh vor dem Justizausschuss des Senats am Donnerstag war kaum zu Ende, da begannen in den sozialen Medien Telefonlisten zu zirkulieren. Sie enthielten fünf bis sechs Namen und Telefonnummern sowie ein Wort in Großbuchstaben: "CALL!" Anrufen!

Es war ein Appell, jene republikanischen und demokratischen Senatorinnen und Senatoren zu kontaktieren, die das Zünglein an der Waage sein könnten, wenn es darum gehen wird, Trumps Wunschkandidaten für das Oberste Gericht zu bestätigen. 51 Sitze haben die Republikaner im Senat, einen Abweichler können sie sich leisten, bei zwei wäre Kavanaugh durchgefallen. Darauf hoffen seine Gegner. Und führen im Netz vor, wie so ein Anruf aussehen könnte. "Hi, mein Name ist [Name]. Ich melde mich aus [Postleitzahl]. Ich rufe an, um [Name der Senatorin/des Senators] dringend zu bitten, mit 'Nein' bei Kavanaughs Bestätigung zu stimmen."

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Dem US-Supreme-Court-Kandidaten wird versuchte Vergewaltigung vorgeworfen. Nun haben die Republikaner mehr Zeit bis zur finalen Abstimmung über seine Ernennung eingeräumt.

Das liberale, progressive Amerika versucht verzweifelt, Kavanaugh doch noch als Richter am Supreme Court zu verhindern. Da gilt es, Druck aufzubauen - nicht nur auf Politiker, sondern auch auf jene Mitbürger, die sich bisher in stiller und tatenloser Opposition geübt haben. Doch wer sind die Frauen und Männer, die in amerikanischen Medien als swing senators bezeichnet werden und auf denen die Hoffnungen von Demokraten, Frauenrechtsgruppen und Trump-Gegnern ruhen? Ein Überblick.

Jeff Flake, republikanischer Senator aus Arizona

Elf Republikaner sitzen im Justizausschuss des Senats, Fußballmannschaftsstärke. Am Freitag bestimmte ein Mann das Feld: Jeff Flake, 55, Senator aus dem Bundesstaat Arizona in erster Amtszeit. Eine zweite wird es nicht geben, das hatte er im vergangenen Oktober verkündet und seitdem immer mal wieder den Parteirebellen gegeben. Wobei sich sein durchaus leidenschaftlicher Widerstand mehr gegen die Person des Präsidenten als gegen dessen Politik zu richten schien. Als er seine Entscheidung öffentlich machte, sich nicht zur Wiederwahl zu stellen, verknüpfte er das mit einem direkten Angriff auf Trump: "Mr. President, ich werde mich nicht länger mitschuldig machen."

Flake gehört einer großen mormonischen Kirche an, ist seit mehr als 30 Jahren mit seiner Frau verheiratet und hat fünf Kinder. Letzteres ist eine zufällige Gemeinsamkeit mit dem Präsidenten - ansonsten könnten die Lebensmodelle nicht unterschiedlicher sein. Inhaltlich stimmte Flake in den vergangenen knapp zwei Jahren allerdings meistens auf einer Linie mit Trump ab. Wenn er sich gegen Gesetze auflehnte, ging es meist um das Thema Haushalt/Verschuldung.

Wirklich wahr gemacht hat er seine Ankündigung also nicht. Seinem Image als einer der wenigen Aufrechten in einer amoralischen Partei hat das allerdings keinen Abbruch getan. Viele Bürger und Beobachter sehnen sich in diesen Tagen nach republikanischen Politikern, die nicht wirken, als hätten sie ihr Wertekorsett am Eingang zum Kongress abgegeben. Die man mögen kann. Flake ist sympathisch, macht schon mal auf Twitter Scherze über die fehlende Fingerkuppe am Zeigefinger seiner rechten Hand ("Hätte ich nicht das Ende meines Fingers auf der Farm verloren, würde ich auf diesem Foto in der Nase bohren"). Und er hat sich schon früher deutlich gegen sexuelle Gewalt positioniert. Zum Beispiel, als er den Wählern in Alabama empfahl, nicht für den Republikaner Roy Moore zu stimmen, gegen den es massive Vorwürfe gab, sondern für dessen demokratischen Kontrahenten.

Am Freitagmorgen enttäuschte Flake seine demokratischen Fans allerdings, als er ankündigte, im Justizausschuss mit seinen republikanischen Mitstreiter dafür zu votieren, die Abstimmung über Brett Kavanaugh für den kompletten Senat freizugeben. Es schien, als müssten die Kavanaugh-Gegner den Senator aus Arizona von ihren Telefonlisten streichen. Doch als es tatsächlich zur Abstimmung im Justizausschuss kommen sollte, überrumpelte Flake seine Parteikollegen und sorgte für Erstaunen bei den demokratischen Mitgliedern im Gremium: Er verknüpfte seine Zustimmung für den Richter-Kandidaten plötzlich mit der Forderung nach einer FBI-Untersuchung. Sollte es die nicht geben, bevor der gesamte Senat abstimme, werde er Kavanaugh bei diesem Plenumsvotum seine Stimme verweigern.

Wie kam es zu diesem Sinneswandel?