Tim Farron, (Liberal Democrats - linksliberal - 47 Jahre)

Status: Rumpelstilzchen - kann Stroh zu Gold spinnen, aber könnte sich auch in der Luft zerreißen und doch nicht Premier werden.

Was andere über ihn sagen: Hmmm... wer? Nur ein Drittel der Briten geben an, zu wissen, wer Farron ist. Unter denen, die ihn kennen, gilt er aber als menschennah und redegewandt. Seit seinem Auftritt in einer Kandidaten-TV-Debatte vergangene Woche, in der er mit witzigen Anspielungen auf Mays Abwesenheit punktete, könnte er ein wenig bekannter geworden sein. Der Economist hat zuletzt überraschend eine Wahlempfehlung für seine Partei ausgesprochen.

Was er will: Eine Chance!?! (Und den Verbleib in der EU.) Die "Lib Dems" leiden seit jeher unter dem Handicap des britischen Direktwahlsystems. Wer in einem Wahlkreis die meisten Stimmen bekommt, gewinnt den Sitz. Zwar sind die Mitgliederzahlen der Partei stark gestiegen, doch eine Stimme für die Liberalen sehen viele Briten als vergeudete. Gerade junge Wähler haben den Lib Dems außerdem noch nicht verziehen, dass sie 2010 in einer Koalition mit den Konservativen mit dem Wahlversprechen antraten, die Studiengebühren nicht zu erhöhen - und dann, als sie an der Macht waren, genau das zuließen, um mehr als 300 Prozent! Dabei hätte diese Wahl der große Moment der Partei sein können. Als Einzige bekennt sie sich seit jeher klar zur EU. Sie könnte damit den fast 50 Prozent der Briten, die gegen den Austritt gestimmt haben, eine Stimme geben.

Haltung zum Brexit: Neeein! Farron will den Briten eine Chance geben, ihre Entscheidung zu revidieren. Er fordert ein zweites Referendum nach Abschluss der Brexit-Verhandlungen. Leider ist das völlig unrealistisch, weil die Mehrheit der Briten das Votum akzeptiert hat.

Fun fact: Farron wurde als Achtzehnjähriger bekehrt und ließ sich mit 21 taufen. Seither ist er überzeugter Christ. Einmal zog er deshalb Ärger auf sich, weil er die Frage, ob schwuler Sex Sünde sei, nicht klar mit "nein" beantworten wollte. Am Ende fand Farron aber einen klassisch-liberalen Ausweg: Die Freiheit des anderen habe politisch immer Vorrang. Im Parlament hat er deshalb stets für die Rechte von Schwulen gestimmt. Wie er persönlich zur Ausübung der Freiheit stünde, spiele dabei für ihn keine Rolle.

Starkes Zitat: Bei einer Fernsehdebatte aller Kandidaten glänzte die medienscheue Theresa May durch ihre Abwesenheit. Stattdessen schickte sie ihre Innenministerin Amber Rudd in den Ring. Farron wusste das geschickt für sich zu nutzen. In seinem Abschluss-Statement, direkt vor Amber Rudd, sagte er ans Publikum gerichtet: "Amber Rudd ist als Nächstes dran. Sie ist nicht die Premierministerin. Die Premierministerin ist nicht hier. Sie hatte keine Lust, warum also sollten Sie Lust haben? Hier geht es gleich mit einem Backprogramm weiter - also, warum machen Sie sich nicht einfach noch einen Tee? Sie sind Theresa Mays Zeit nicht wert, Sie sollten ihr auch nicht Ihre schenken."

Bild: AFP 6. Juni 2017, 16:142017-06-06 16:14:42 © SZ.de/mati