bedeckt München 32°

Wahl in den Niederlanden:Koalitionspoker in Den Haag

So wird in den Niederlanden eifrig über mögliche Koalitionen spekuliert: Da es keine Fünfprozenthürde gibt, sind zehn Parteien in der Tweeden Kamer vertreten, darunter auch die Tierschutzpartei. Denkbar ist die Variante "Lila plus", also ein Bündnis aus Sozialdemokraten, der rechtsliberalen VVD sowie der linksliberalen D66. Mit den Stimmen der grünlinken Partei (GroenLinks) ergibt sich eine deutliche Mehrheit, doch Wielenga gibt zu bedenken: "Die Sozialdemokraten und die VVD liegen in der Wirtschaftspolitik recht weit auseinander. "

Geert Wilders

Auch bei der Stimmabgabe sind die Bodyguards von Geert Wilders dabei.

(Foto: AP)

Umstrittenes Satire-Video

Zudem haben sich beide Parteien mit ihren Spitzenkandidaten Mark Rutte und Job Cohen in den letzten Tagen vor der Wahl beharkt und attackiert. Im Internet machte ein Satire-Video die Runde: Es zeigte die angebliche Mama des Liberalenchefs Rutte, die dessen Singlebude aufräumte. Man sieht ein Schwulenmagazin auf dem Wohnzimmertisch und auf der Kühlschranktür ein Poster mit den Jungs der deutschen WM-Nationalelf. Im Abspann war zu lesen "Job Cohen. Für erwachsene Niederlande."

Nach scharfer Kritik hatte Cohen, dessen Anständigkeit und Manieren von vielen Niederländern geschätzt werden, sich mit klaren Worten distanziert und den Streifen als "würdelos" bezeichnet. Doch später wurde bekannt, dass ein früherer PR-Berater Cohens den Clip produziert hatte. Von diesem ziemlich peinlichen Hickhack dürfte ebenfalls die PVV von Geert Wilders profitiert haben.

Als letzte Möglichkeit wird auch ein "nationales Bündnis" aus VVD, den Sozialdemokraten und den Christdemokraten diskutiert. Hier spielt der persönliche Faktor eine wichtige Rolle, denn bisher ist völlig unklar, wer Jan Peter Balkenende als CDA-Chef folgt: Der bisherige Premierminister, der in acht Jahren vier Koalitionen verschlissen hatte, zog die Konsequenzen aus dem desaströsen Ergebnis und trat zurück.

Eines scheint sicher: Geert Wilders wird in den kommenden Jahren die niederländische Politik weiterhin prägen und beeinflussen, egal ob er mit seiner PVV Teil der Regierung wird oder den Oppositionsführer geben wird. Erschreckend viel Unterstützung erhielt er bei den Erstwählern, von denen fast jeder fünfte für die PVV stimmte. Dies hatte sich bereits einen Tag vor der Wahl angedeutet: Bei einer vom niederländischen Institut für Publizistik und Politik (IPP) veranstalteten Testwahl an fast 400 Schulen mit 180.000 Mädchen und Jungen im ganzen Land kam der blondtoupierte 46-Jährige auf Platz eins.