Neue Partei:Das Kreuz mit dem Kürzel

Neue Partei: Sahra Wagenknecht ist unverwechselbar, bei dem Namen ihrer neuen Partei sieht das allerdings anders aus.

Sahra Wagenknecht ist unverwechselbar, bei dem Namen ihrer neuen Partei sieht das allerdings anders aus.

(Foto: Bernd Elmenthaler/IMAGO)

Sahra Wagenknecht will eine Partei namens BSW gründen. Was sagen dazu eigentlich die vielen BSWs, die es bereits gibt?

Von Boris Herrmann, Berlin

Die Chefin des BSW hat gerade aufregende Tage hinter sich. Unzählige Gespräche hat sie geführt, Kontakte geknüpft, Zukunftsstrategien erklärt. Aber Ute Wanschura hört sich nicht gestresst an, als sie spätabends zurückruft von ihrem Einsatz auf der Aquanale in Köln, der Internationalen Fachmesse für Saunas, Pools und Badelandschaften. Wanschura ist die Geschäftsführerin jenes BSW, der in voller Schönheit "Bundesverband Schwimmbad & Wellness e.V." heißt. Natürlich ist ihr nicht entgangen, dass es nun bald auch eine Partei namens BSW geben soll. Hat sie was dagegen, dass die Politikerin Sahra Wagenknecht ihr "Bündnis Sahra Wagenknecht" eben nicht nur nach sich selbst, sondern ein bisschen auch nach dem Schwimmbadverband benennt? "Sollse machen", sagt Wanschura.

Beim Bundesverband Solarwirtschaft sehen sie das nicht ganz so locker. Es gebe neuerdings "sehr viele Anfragen, die gar nichts mit uns zu tun haben", sagt eine Sprecherin am Telefon. Man verwende selbst meist den vollen Namen, also "BSW Solarverband". Und man hoffe, "dass Frau Wagenknecht das auch macht". Rechtlich habe man da keine Handhabe, sagt die Sprecherin. Das wisse sie, weil es um die Abkürzung BSW vor Jahren schon einmal Streit gegeben habe - mit dem Schwimmbadverband. "Eine große Debatte" war das offenbar.

Also noch mal kurz zurück zur Aquanale nach Köln, wo Ute Wanschura immer noch recht entspannt klingt. Die Auseinandersetzung um die Buchstaben B, S, und W mit dem Solarverband, das sei eine ganz alte Geschichte, sagt sie. "Hat sich alles in Wohlgefallen aufgelöst." Ihr BSW werde jedenfalls keine rechtlichen Schritte gegen Wagenknecht einleiten: "Ich meine, sie gründet eine Partei, wir sind ein Schwimmbadverband. Die Verwechslungsgefahr ist da eher nicht gegeben."

Beamten und Basketballer, Berliner und Bitterfelder - alle nennen sich BSW

Fest steht: Der Markt der BSW-Kürzel ist auch ohne Wagenknecht schon sehr umkämpft. Es tummeln sich da unter anderem das Beamten Selbsthilfewerk (BSW), der Verband Bewährungs- und Straffälligenhilfe Württemberg (BSW), die Stiftung BSW der Deutschen Bahn, der Basketball-Zweitligist BSW Sixers aus Bitterfeld-Sandersdorf-Wolfen sowie die Berliner Service Werke Gebäudereinigung (BSW). Wenn es aus der Spitze der angehenden BSW-Partei nun also heißt, dass man über die Verwendung des Kürzels noch mal nachdenken müsse, weil es da offenbar schon einen Verband mit dieser Abkürzung gebe, so ist das stark untertrieben. Es wirft auch die Frage auf, weshalb sich die Wagenknecht-Leute das nicht genauer überlegt haben, bevor sie mit dieser Bezeichnung an die Öffentlichkeit gingen. Zumal BSW nicht allzu weit weg ist von BSE oder BSR - also Assoziationen weckt, die irgendwo zwischen Rinderwahn und Berliner Stadtreinigung changieren.

Wagenknecht sagt, der Parteiname sei eine "Übergangslösung", irgendwann müsse er sich eh von ihr emanzipieren. Der Kreativprozess ist da offenbar noch im Gange, aber eine Option wäre wohl, den bisherigen Namenszusatz zum Hauptnamen zu erklären, also "Bündnis für Vernunft und Gerechtigkeit". Der ergäbe dann aber in Kurzform BVG - und steht in Berlin auf allen U-Bahnen.

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