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USA:Angeblicher Wahlbetrug: Eine Geschichte mit Bernhard Langer

The Masters - Round One

Der deutsche Profi-Golfer Bernhard Langer.

(Foto: Harry How/AFP)
  • US-Präsident Donald Trump spricht weiterhin von Wahlbetrug.
  • Millionen illegaler Einwanderer hätten für Hillary Clinton gestimmt.
  • Als Beispiel führt er eine Anekdote mit Golfer Bernhard Langer an - die jedoch falsch ist.

Von Beate Wild, New Orleans

Es war einmal ein Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, der Fabeln offenbar mehr liebte als Fakten. In dieser speziellen Anekdote, die laut New York Times Präsident Donald Trump am Montag bei einem Empfang mit führenden Vertretern des Senats und des Repräsentantenhauses zum Besten gab, spielt ein gewisser Bernhard Langer die Hauptrolle. Genau, dieser Bernhard Langer, seines Zeichens der wohl bekannteste und lange Zeit beste deutsche Profi-Golfer. Aber der Reihe nach.

Menschen, die "nicht so ausgesehen" hätten, als dürften sie wählen

Zwischen Fleischbällchen und sonstigen Köstlichkeiten soll Trump - wieder einmal - auf sein Lieblingsthema "Wahlbetrug" gekommen sein, berichtet die New York Times. Er hätte nicht nur die Wahlmänner-Mehrheit, sondern auch die meisten Stimmen gewinnen können, habe Trump geprahlt - hätten da am 8. November nicht drei bis fünf Millionen "Illegale" abgestimmt. Für Hillary Clinton, versteht sich.

Als Beispiel führte Trump nun jenen "sehr berühmten Golfer Bernhard Langer" an - ein Freund von ihm, erzählt er. Langer, gebürtiger Bayer (aus Anhausen im Landkreis Augsburg), 103-facher Turniersieger und Gewinner zweier Major-Turniere. Der 59-Jährige soll am Wahltag in der Nähe seines Hauses in Florida in einem Wahllokal in der Schlange gestanden haben. Als er an der Reihe war, sei Langer jedoch von den Wahlhelfern gesagt worden, er dürfe nicht wählen.

In der Schlange vor und hinter Langer hätten aber Wähler angestanden, die "nicht so ausgesehen hätten", als ob sie wählen dürften, soll Trump drei Augenzeugen zufolge erzählt haben. Diesen Menschen sei es jedoch erlaubt worden, ihre Stimme abzugeben. Trump zählte eine Reihe von lateinamerikanischen Ländern auf, aus denen diese Wähler seiner Meinung nach stammten - selbstverständlich davon ausgehend, dass es sich bei deren äußerer Erscheinung nicht um amerikanische Staatsbürger handeln könne.

Langer hat nicht die US-Staatsbürgerschaft - und damit kein Wahlrecht

Langer indes, der laut Trump ein Unterstützer von ihm sei, habe frustriert das Wahllokal verlassen. Anwesende des Abendessens berichteten, die anderen Gäste hätten auf die Erzählung mit betretenem Schweigen reagiert.

Der Haken an der Geschichte: Bernhard Langer lebt zwar in Boca Raton, Florida, und hat in den USA eine permanente Aufenthaltserlaubnis. US-Staatsbürger ist er jedoch nicht. Langers Tochter Christina sagte der New York Times, dass ihr Vater nach wie vor deutscher Staatsbürger und deshalb in den USA gar nicht wahlberechtigt sei. Außerdem, so ergänzte sie: "Er ist kein Freund von Präsident Trump."

Ein Mitarbeiter des Weißen Hauses, der am Montag nicht bei dem Essen dabei war, erinnert sich, dass Trump Langer am Thanksgiving-Wochenende in Florida gesehen habe. Langer habe ihm die Geschichte eines Freundes erzählt, dem es verwehrt worden sei, seine Stimme abzugeben. Aus welchen Gründen, ist nicht bekannt.

Ryan sieht keine Indizien für einen vermeintlichen Wahlbetrug

Der US-Präsident, so der Eindruck, führt für den vermuteten Wahlbetrug nicht nur Anekdoten an, deren Wahrheitsgehalt nicht überprüft werden kann: Nein, er verdreht diese Erzählungen auch noch und gibt sie falsch wieder - sei es absichtlich oder wegen seines schlechten Gedächtnisses.

Am Mittwoch kündigte Trump zur Bekräftigung seiner Hypothese per Twitter eine Untersuchung des angeblichen Wahlbetrugs an. Paul Ryan, der Speaker des Repräsentantenhauses, und andere Spitzenkräfte der Republikaner sagen übrigens, dass es keine Indizien für einen weit angelegten Wahlbetrug gebe.

Kritiker befürchten, dass die Untersuchung der Auftakt für strengere Wahlgesetze sein könnte, die vor allem Minderheiten benachteiligen könnten.

© Süddeutsche.de/wib/stein
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