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Shutdown in den USA:"Uns normale Menschen macht Trump zu Gefangenen seines politischen Spiels"

Bei den Betroffenen ist die Wut groß. "Trump hat alles, was er zum Leben braucht", sagt Hirut Tsigie, die Cafeteria-Mitarbeiterin aus dem Museum. "Aber uns normale Menschen macht er zu Gefangenen seines politischen Spiels." Und Tresha Taylor sagt, die Demokraten täten das Richtige, wenn sie dem Präsidenten das Geld für seine Mauer verweigerten. "Ich bin nicht bereit, mit meinen Steuergeldern für diese sinnlose Mauer zu bezahlen."

Wie viele Menschen von der Haushaltssperre betroffen sind, ist nicht klar. In den Medien ist oft die Rede von den 800 000 Angestellten der US-Bundesregierung. Die Zahl der "contractors", jener Leute also, die auf Vertragsbasis über private Firmen angestellt sind, ist aber sehr viel größer. Paul Light, Ökonom an der New York University, schätzt, dass 4,1 Millionen Amerikaner auf diese Weise für die Regierung arbeiten. Hinzu kommen Zulieferer und all jene anderen Firmen und Personen, die indirekt von der Regierung leben.

Eine von ihnen ist die 38-jährige Yael Krigman. Sie betreibt eine Bäckerei gegenüber dem Zoo in Washington. Sie lebt von den Besuchern des Tierparks, die nun aber ausbleiben. Trotzdem hält sie ihren Laden während des Shutdowns offen, bezahlt auch die Löhne für ihre Angestellten weiter. Regierungsmitarbeiter erhalten bei Krigman während des Shutdowns kostenlosen Kaffee, und den Freiwilligen, die derzeit die Tiere im Zoo füttern, spendiert Krigman jeden Tag ein Mittagessen. Sie wolle der Gemeinschaft etwas zurückgeben, sagt sie.

Auch die Regierungsangestellte, die an diesem Nachmittag bei Krigman in der Bäckerei sitzt, ist wegen des Gratis-Kaffees da - und wegen des kostenloses Backkurses, den Krigman derzeit anbietet. Die Frau Mitte 40 heißt mit Vornamen Roberta, ihren Nachnamen will sie aus Angst um ihren Job nicht sagen.

Sie habe schon einige Shutdowns erlebt, aber diesmal sei die Ungewissheit so groß wie nie. Dass sie ihren Lohn vom Staat nachträglich erhalten werde, sei ein schwacher Trost. "Davon kann ich meine Miete diesen Monat nicht bezahlen." Am vergangenen Wochenende hat Roberta zu Hause Kerzen aus Sojawachs gezogen, die verkauft sie nun im Internet: "Jeder Dollar hilft."

Solidaritätsaktionen für die vom Shutdown Betroffenen

So wie Roberta geht es derzeit vielen Amerikanern, nicht nur in Washington. Auch in ländlichen Bundesstaaten wie Montana oder Wyoming ist die Bundesregierung ein wichtiger Arbeitgeber. Hinzu kommen Tausende Jobs bei Behörden wie der Transport Security Authority, die für die Sicherheit des Verkehrs zuständig ist, etwa an Flughäfen. Diese Angestellten müssen trotz Shutdowns zur Arbeit erscheinen, werden aber auch nicht bezahlt.

Roberta weiß von Kollegen, die Zweitjobs annehmen, um wenigstens etwas Geld zu verdienen. Zum Glück gebe es in der Hauptstadt vielerorts Solidaritätsaktionen, sagt sie. Roberta kennt die Liste auswendig: Wer einen Personalausweis der Regierung zeigt, erhält bei einem Italiener in der Siebten Straße kostenlose Frikadellen, die Restaurants des Starkochs José Andrés servieren täglich ein kostenloses Sandwich. All dies sei ja schön, und es helfe auch, sagt Roberta. Aber sie hoffe dennoch nur eines: dass der Shutdown endet.

© SZ vom 14.01.2019/gal
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