USA Polizeichef von Dallas: Heckenschütze wollte gezielt weiße Polizisten töten

  • Ein Attentäter schießt bei einer friedlichen Protestkundgebung in Dallas auf Polizisten. Fünf Beamte sterben, sieben weitere werden verletzt.
  • Der 25 Jahre alte Micah J. verschanzte sich danach in einem Parkhaus. Die Polizei tötete ihn mit einem Spreng-Roboter.
  • Er habe allein gehandelt und sei kein Mitglied einer Terrororganisation, soll er vor seinem Tod gesagt haben.
  • Drei weitere Verdächtige sind in Gewahrsam. Doch es ist unklar, ob sie auch wirklich an der Tat beteiligt waren.

Der Attentäter, der in Dallas auf Polizisten geschossen hat, ist tot. Es handelt sich um den 25 Jahre alten Micah J., wie mehrere Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise berichten. Micah J. hatte sich in der texanischen Metropole am Donnerstagabend in einem mehrstöckigen Parkhaus verschanzt. Die Polizei habe ihn mit einer gezielten Sprengung getötet, berichtete der Polizeichef der Stadt, David Brown. Der Schütze habe es gezielt auf weiße Polizisten abgesehen. Noch ist unklar, ob neben dem 25-Jährigen auch andere Täter Schüsse auf Polizisten abgefeuert haben.

Er hat laut Brown vor seinem Tod gesagt, dass ihn die jüngsten Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze in Falcon Heights und Baton Rouge verärgern. Gleichzeitig habe er sich aber gegen die "Black Lives Matter"-Bewegung gestellt. Der Täter soll auch gesagt haben, dass er allein gehandelt habe und kein Mitglied einer Terrororganisation sei. "Nichts davon macht Sinn", sagte Polizeichef Brown.

Micah J. lieferte sich in der Nacht auf Freitag von dem Parkhaus aus einen Schusswechsel mit der Polizei. Nach mehrstündigen Verhandlungen hat die Polizei einen Roboter eingesetzt, der den Sprengstoff dort zündete, wo sich der Verdächtige befand. Zuvor hatte dieser vom "Ende der Welt" gesprochen, mit Bomben und weiteren toten Polizisten gedroht.

Die Polizei hat laut Bürgermeister Mike Rawlings die Gegend durchkämmt, aber keinen Hinweis auf die Bomben entdeckt, mit denen der Schütze drohte. Kurz vor seinem Tod hat dieser jedoch laut Polizeichef Brown noch gesagt, dass die Polizei die "IEDs" finden werde. Die Abkürzung steht für "improvised explosive devices" - selbstgebastelte Sprengsätze.

Der Polizeichef von Dallas David Brown

(Foto: AP)

Der Schießerei in dem Parkhaus des "El centro"-College waren am Donnerstagabend Schüsse auf Polizisten vorausgegangen. Die ersten fielen um 20:45 Uhr Ortszeit, während eines friedlichen Protestmarsches. Mehrere Polizeibeamte wurden getroffen. Es soll der tödlichste Tag für die Polizei in den USA seit dem 11. September 2001 gewesen sein. Laut Polizeichef Brown schoss der Heckenschütze auf elf Polizisten - fünf davon starben an ihren Verletzungen. Sieben befinden sich im kritischen Zustand. Zwei Zivilisten wurden ebenfalls verletzt.

Was wir über die Täter wissen

Die Polizei hat bisher vier Verdächtige ausgemacht. Ob dem bereits identifizierten Micah J. noch andere Attentäter zur Seite standen, ist aber unklar.

Die anderen drei Verdächtigen - zwei Männer und eine Frau - sind in Gewahrsam. Zuvor war ein Foto von einer "person of interest" veröffentlicht worden. Das Bild zeigte einen Mann, der eine Waffe bei sich hat und ein T-Shirt in Tarnfarben trägt. In Texas ist es legal, Waffen offen zu tragen. Der Mann stellte sich selbst, hat aber laut aktuellsten Meldungen nichts mit der Tat zu tun. Es ist unklar, ob es weitere Verdächtige gibt. Die Polizei forderte die Bürger auf, das Stadtzentrum von Dallas zu meiden, der öffentliche Verkehr wurde unterbrochen.

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Mögliche Hintergründe der Tat

Vor der Tat wurde friedlich gegen Polizeigewalt protestiert, nachdem innerhalb von 48 Stunden zwei Schwarze erschossen worden waren: In Falcon Heights, Minnesota starb der 32-jährige Philando Castile im Krankenhaus, nachdem ein Polizist bei einer Fahrzeugkontrolle auf ihn geschossen hatte. Knapp 48 Stunden zuvor hatten in Baton Rouge, Louisiana zwei Polizisten den 37-jährigen Alton Sterling auf einem Parkplatz zu Boden gezwungen und ihn aus nächster Nähe erschossen. Nach den Vorfällen waren abermals Rassismus-Vorwürfe gegen die US-Polizei laut geworden.

Obama tief bestürzt

US-Präsident Barack Obama hat sich tief bestürzt über die Bluttat in Dallas gezeigt. Die Tat erfülle ihn mit Abscheu, sagte Obama am Freitagmorgen in Warschau. Er sprach von einer gezielten Attacke auf Polizisten. Vor den Schüssen in Dallas äußerte er sich zudem zu den neuesten Fällen von Polizeigewalt. Obama nimmt derzeit in der polnischen Hauptstadt am Nato-Gipfel teil, der am Freitagnachmittag beginnt.