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USA:Die Evangelikalen und ihr Trump-Problem

SOUTHERN BAPTISTS WOMEN

Welche Rolle sollen Frau in der Baptist Church spielen? Eines der Themen, bei denen sich die Evangelikalen uneins sind. Doch auch das Verhältnis zu einem Mann entzweit sie - Donald Trump.

(Foto: Richard W. Rodriguez/AP)

Welche Rolle sollen Frauen spielen? Wie steht man zu Homosexualität? Die US-Evangelikalen diskutieren in Nashville ihre Zukunft - und streiten über ihr Verhältnis zu Donald Trump.

Von Hubert Wetzel, Washington

Wenn sich 16 000 tief gläubige Christen zusammenfinden, dann müsste doch eigentlich, so sollte man meinen, Gottes Segen über dem Treffen liegen. Und man kann auch annehmen, dass in dieser Woche viel für Einsicht und Einigkeit gebetet werden wird in Nashville, wo die diesjährige Versammlung der Southern Baptist Convention (SBC) stattfindet. Doch das wird wohl nichts helfen. Die größte evangelikale Konfession in den USA ist heillos zerstritten. Und das hat nicht nur, aber auch mit dem Mann zu tun, der für so viele Spaltungen in der amerikanischen Gesellschaft verantwortlich ist: Donald Trump.

Die Streitthemen in Nashville sind vielfältig, und nicht immer geht es um Politik. Die SBC ist uneins bei der Frage, welche Rolle Frauen in der Kirchenhierarchie spielen sollen, wie sie mit Fällen von sexuellem Missbrauch in den Gemeinden umgehen soll oder was ihre Haltung gegenüber Homosexualität und gleichgeschlechtlichen Ehen ist.

Über all dem schwebt jedoch eine harte und sehr weltliche Machtfrage: Wie eng soll das Bündnis der SBC mit den Republikanern sein - sprich: mit Donald Trump, der in der Praxis immer noch der Anführer der Partei ist? Soll die Konfession sich in die von ihm angestachelten Kulturkämpfe stürzen? Oder soll sie Distanz zur Parteipolitik halten?

Die Antwort ist alles andere als trivial. Die SBC hat gut 14 Millionen Mitglieder, jeden Sonntag gehen um die vier Millionen Southern Baptists in die Kirche. Der politische und gesellschaftliche Einfluss der Konfession ist enorm - von der Gemeindeebene bis hoch nach Washington. Dass Donald Trump, der mehrfach geschiedene Sexprotz, der mit dem sechsten Gebot so wenig anfangen kann wie mit dem achten, es geschafft hat, die überwältigende Mehrheit der evangelikalen Christen auf seine Seite zu ziehen, war eine taktische Meisterleistung und hat erheblich zu seinem Sieg 2016 beigetragen.

Wo es Reformer gibt, gibt es auch Gegenreformer

Doch die Allianz mit Trump ist für die SBC nicht ohne Folgen geblieben. Es gibt in der Führung durchaus Leute, die mit Entsetzen sehen, wie die Kirche sich an einen Ehebrecher und Lügner gekettet hat. Es gibt auch Funktionäre, die glauben, die SBC, die zu 90 Prozent weiß ist, müsse sich mehr für Schwarze und Latinos öffnen, für junge Menschen, die zwar religiös und konservativ sind, aber nicht bissig rechts, die vielleicht Abtreibung ablehnen, ebenso aber auch Rassismus und Homophobie.

Und wie das so ist in Glaubensdingen - wo es Reformer gibt, gibt es auch Gegenreformer: Viele Pastoren an der Basis, die die Bibel als politisches Dokument lesen, die Gott für einen Republikaner halten und die in ihren Kirchen für Donald Trump beten lassen, sperren sich gegen alles, was irgendwie links aussieht. Das gilt ganz besonders beim politisch so aufgeladenen Thema Rassismus.

"Race" ist in den USA wieder zu einem politischen Kampfbegriff geworden, den Republikaner wie Demokraten nutzen, um Wähler zu mobilisieren. Pastoren können dabei helfen, die Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen zu verbessern, indem sie Verständnis predigen - oder sie können, wie Trump es macht, die "Black Lives Matter"-Bewegung und Dinge wie die Critical Race Theory verteufeln. Die SBC muss sich entscheiden, auf welcher Seite sie stehen will.

In Nashville könnte dieser Flügelkampf eskalieren. Die SBC wählt dort einen neuen Präsidenten, beide Lager haben einen Kandidaten. Ob die Verlierer sich dann der Entscheidung beugen, ist offen. Durch die Medien geistert bereits ein Wort, das allen Konfessionen Angst macht: Schisma.

© SZ
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