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US-Wahlkampf:Trumps "schwarze Seele"

  • Nach seinen abfälligen Äußerungen über die muslimischen Eltern eines getöteten US-Soldaten wächst die Kritik an Donald Trump.
  • Sie kommt inzwischen auch von führenden Republikanern.
  • Die Eltern waren auf dem Parteitag der Demokraten in Philadelphia aufgetreten und hatten die antimuslimische Politik Trumps kritisiert.

Von Benedikt Peters

Am deutlichsten sagte es der republikanische Senator Lindsey Graham. "Es gab einmal Dinge, die in der amerikanischen Politik heilig waren. Dinge, die sich nicht gehörten, wie die Eltern eines gefallenen Soldaten zu kritisieren, selbst wenn sie dich kritisieren. Wenn du Führer der freien Welt sein willst, musst du in der Lage sein, Kritik einzustecken. Und Herr Trump kann das nicht."

Seit Tagen ist der republikanische Präsidentschaftskandidat mit einem Skandal beschäftigt, den er selbst ausgelöst hat. Er hat sich abfällig über Khizr und Ghazala Khan geäußert. Die beiden sind US-Bürger, sie sind Muslime - und sie sind die Eltern von Humayun Khan, einem Captain (Hauptmann) der US-Armee, der 2004 im Irakkrieg gefallen ist.

Die Khans waren auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten vergangene Woche in Philadelphia aufgetreten. Khan hatte dort eine bewegende Rede gehalten, in der er Trumps antimuslimischen Wahlkampf kritisierte. Dieser fordert ein Einreiseverbot für Muslime in die USA.

Trump: Khan hat Rede nicht selbst geschrieben

Khan beschrieb seinen Sohn, der sich im Irak einem mit Sprengstoff beladenen Auto in den Weg gestellt und dadurch viele Menschen gerettet hatte, als Patrioten. "Wenn es nach Donald Trump ginge, wäre er niemals in den USA gewesen", sagte er. Zudem warf er Trump vor, anders als die Khans keine Opfer für Amerika gebracht zu haben.

Für Jubel sorgte Khan, als er sagte, er glaube, Trump habe die Verfassung der Vereinigten Staaten nicht gelesen. Dann zog er ein kleines Büchlein aus seinem Jacket: "Ich leihe Ihnen gern mein Exemplar." Inzwischen, so melden es mehrere Medien, wurde die US-Verfassung zum Bestseller bei Amazon.

Trump reagierte auf Khans Äußerungen dünnhäutig und unsensibel. Zunächst legte er nahe, Khan habe die Rede nicht selbst geschrieben, sondern das Wahlkampfteam seiner Konkurrentin Hillary Clinton. Er habe sehr wohl "eine Menge Opfer" gebracht. Er arbeite "sehr, sehr hart" und habe Zehntausende Jobs geschaffen. Für die größte Empörung sorgte sein Vorwurf an Khans Ehefrau Ghazala, die zwar auf dem Podium gestanden, aber nicht selbst gesprochen hatte.

"Sie hatte nichts zu sagen (...), vielleicht war es ihr nicht erlaubt, etwas zu sagen", so Trump in einem Interview mit dem Sender ABC. Ghazala Khan antwortete mit einem Gastbeitrag in der Washington Post: Sie habe auf dem Podium aus Schmerz über den Tod ihres Sohnes nicht sprechen können. "Welche Mutter könnte das? Donald Trump hat Kinder, die er liebt. Muss er wirklich fragen, warum ich nicht geredet habe?"

Kritik von führenden Republikanern

Khizr Khan legte am Sonntag im Fernsehsender CNN nach: Trump habe eine "schwarze Seele", sagte der Vater des getöteten Soldaten.

Zurückgenommen hat Trump seine Beleidigungen bis jetzt nicht. Den getöteten Soldaten Humayun Khan hat er zwar inzwischen als "Helden" bezeichnet. Auf Twitter aber verteidigte er sich. Die Khans hätten ihn "teuflisch attackiert". "Darf ich darauf nicht antworten?"

Doch die Kritik konnte Trump nicht einfangen. Sie kommt nicht nur aus dem Lager Hillary Clintons, das seine Äußerungen über die Khans als "schamlos" bezeichnet. "Ich weiß nicht, wie tief man noch sinken kann", sagte Clinton bei einer Wahlkampfveranstaltung."

Führende Republikaner distanzieren sich ebenso. Der einflussreiche Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, teilte mit, das Opfer der Khans "verdient höchsten Respekt. Punkt." Ähnlich äußerte sich John Kasich, der republikanische Gouverneur von Ohio. "Es gibt nur eine Art, über die (...) Eltern von Captain Khan zu sprechen: mit Ehre und Respekt."

Ob Trump wegen seiner Ausfälligkeiten Wähler verlieren wird, ist allerdings ungewiss. Im Wahlkampf hat er zahlreiche Menschen beleidigt, Journalisten und politische Rivalen als "totale Versager" und "dumm wie Stein" bezeichnet. Bei der US-Moderatorin Megyn Kelly machte er selbst vor sexistischen Beleidigungen nicht halt.

Dass ihm nichts davon geschadet hat, hat Trump selbst schon thematisiert. "Ich könnte mitten auf der Fifth Avenue stehen und jemanden erschießen, und ich würde keine Wähler verlieren", sagte er im Januar.

© SZ.de/bepe/mikö
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