Nach TV-Debatte Trump attackiert Moderatorin mit sexistischen Beleidigungen

Donald Trump während der TV-Debatte am Donnerstag

(Foto: AFP)
  • Nach der Fernsehdebatte republikanischer Präsidentschaftsbewerber hat Donald Trump eine Moderatorin beleidigt.
  • Erneut steht der Milliardär in der Kritik - selbst auf einer Konferenz konservativer Anhänger ist er nicht mehr willkommen.
  • Auch sein enger politischer Berater Roger Stone beendete nach der jüngsten Entgleisung die Zusammenarbeit mit Trump.

Trump beleidigt Fernsehjournalistin

Auch nach der Fernsehdebatte der republikanischen US-Präsidentschaftsbewerber fällt Milliardär Donald Trump weiter mit sexistischen Kommentaren auf. Trump griff in einem Interview am Freitag die Moderatorin Megyn Kelly an, die ihn während der TV-Debatte auf frühere Beleidigungen von Frauen angesprochen hatte. Trump sagte dem Sender CNN, Kelly sei "nicht sehr stark und nicht sehr schlau". "Ich respektiere sie nicht als Journalistin." Er nannte die Moderatorin ein "Leichtgewicht".

Schließlich diskreditierte Trump Kelly sogar durch Anspielung auf das verbreitete Vorurteil, Frauen seien während ihrer Periode besonders aggressiv und schlecht gelaunt. Zu ihren Fragen während der Fernsehdebatte sagte Trump: "Aus ihren Augen kam Blut, Blut kam ihr heraus... wo auch immer." In einem vom Trump retweeteten Kommentar wurde Kelly gar als "Bimbo" tituliert - der Tweet wurde mittlerweile allerdings gelöscht.

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Kritik an Trumps Äußerungen - und eine Konferenzabsage

Kelly hatte Trump während der Sendung auf Bezeichnungen wie "Hündin", "fett" und "ekelhaft" angesprochen, mit denen der Milliardär Frauen beschimpft hat. Die Moderatorin fragte anschließend, ob solche Wörter das Temperament eines Mannes zeigten, den die Amerikaner zum Präsidenten wählen sollten. In der Debatte tat Trump dies ab und sagte, er habe eben keine Zeit für "totale politische Korrektheit".

Wegen des Streits zog der konservative Kommentator Erick Erickson eine Einladung an Trump für einen Auftritt bei einer Konferenz konservativer Aktivisten am Samstag zurück. "Ich will niemanden auf der Bühne haben, der auf eine feindselige Frage einer Dame sofort vermutet, diese sei hormonell bedingt", schrieb Erickson auf der Webseite seiner Organisation RedState. Die Bemerkung sei zu weit gegangen. Auch die einzige weibliche Präsidentschaftsbewerberin der Republikaner, Carly Fiorina, kritisierte Trumps Äußerungen:

Beschimpfungen gegen Frauen und Einwanderer

Nach der Fernsehdebatte hatte Trump in einer Reihe von Interviews zunächst gesagt, er erinnere sich gar nicht an die von Kelly angeführten Beschimpfungen. Doch gibt es in Trumps öffentlichen Äußerungen zahlreiche Beispiele für ähnliche Bemerkungen. So sagte er über die Schauspielerin und Moderatorin Rosie O'Donnell, sie sei ekelhaft, rede wie ein Fernfahrer und habe ein "fettes, hässliches Gesicht". Über Huffington-Post-Gründerin Arianna Huffington schrieb er auf Twitter, sie sei "außen und innen hässlich", über die Sängerin Bette Midler: "Wenn sie mich sieht, kriecht sie mir in den Arsch. Sie ist ekelhaft."

Die aggressiven Äußerungen Trumps über einzelne Bevölkerungsgruppen - vor allem Einwanderer - und auch über seine politischen Gegner überschatten derzeit alle politischen Inhalte des Vorwahlkampfs der Republikaner. Insgesamt bemühen sich 17 Bewerber um die offizielle Nominierung. Diese wird nach den Vorwahlen im Frühjahr 2016 in etwa einem Jahr vergeben. Die eigentliche Wahl ist erst im November 2016.

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Trump und sein Berater trennen sich

Auch für den Berater des Präsidentschaftsanwärters ist das Maß nun offenbar voll. Trump habe seinen persönlichen politischen Berater Roger Stone entlassen, erklärte das Wahlkampfteam des US-Milliardärs. Stone habe im Wahlkampf seine persönlichen Interessen in den Vordergrund gestellt, begründete ein Sprecher Trumps im Nachrichtensender CNN die Entscheidung.

Stone widersprach dieser Darstellung umgehend. Er sei keineswegs geschasst worden. "Ich habe Trump gefeuert", schrieb Stone im Online-Dienst Twitter. Er sei nicht einverstanden gewesen mit dem verbalen Angriff Trumps auf TV-Moderatorin Kelly, weil dadurch die Hauptbotschaften des Wahlkampfs in den Hintergrund gerieten.