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Biden-Vizekandidatin Kamala Harris:Harris wird sich nicht von Trumps Attacken beeindrucken lassen

July 31, 2019 - Detroit, Michigan, U.S. - JOE BIDEN and KAMALA HARRIS pose for the photo spray during a commercial brea

Von Konkurrenten zu Partnern: Joe Biden und Kamala Harris wollen gemeinsam Donald Trump besiegen.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Bei der Nominierung von Kamala Harris hat Biden die richtige Entscheidung getroffen: Die Vizekandidatin ist am besten qualifiziert - und Biden zeigt, dass er nicht nachtragend ist.

Kommentar von Christian Zaschke, New York

Joe Biden hat sich viel Zeit damit gelassen, seine potenzielle Vizepräsidentin auszusuchen. Er hatte früh gesagt, dass es eine Frau sein werde, und viele Beobachter schlossen schon im Frühjahr, dass es dann wohl auf Kamala Harris hinauslaufen werde. Klar, es gab andere aussichtsreiche Kandidatinnen. Mit Elizabeth Warren, der Senatorin aus Massachusetts, hätte Biden signalisieren können, dass er auf den progressiven Flügel seiner Partei zugeht. Mit Val Demings, ehemals Polizeichefin in Orlando, hätte er Wähler im für die Wahlen eminent wichtigen Bundesstaat Florida umgarnen können. Mit Susan Rice hätte er sich eine außenpolitische Expertin an seine Seite stellen können, die unter Barack Obama unter anderem als Nationale Sicherheitsberaterin gearbeitet hatte.

Doch Biden traf eine andere Wahl, und er traf die richtige Wahl.

Kamala Harris, Senatorin aus Kalifornien, ist eine der profiliertesten Politikerinnen der Demokraten. Sie hat die Erfahrung, sie hat das Charisma, und sie hat die Wettkampfhärte. Harris ist keine Person, die sich von den zu erwartenden Attacken des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump beeindrucken lässt. Sie kann einstecken. Und sie kann austeilen. Das mag paradoxerweise einer der Gründe dafür sein, warum es so lange gedauert hat, bis sich Biden für sie entschied.

Harris solle sich erst einmal entschuldigen, hieß es intern

Sein Team hat es Harris ausgesprochen übel genommen, dass sie Biden im vergangenen Jahr in einer Fernsehdebatte hart attackiert und fast demontiert hatte, als sie sich noch selbst darum bemühte, Präsidentschaftskandidatin der Demokraten zu werden. Daher riet sein Team ihm eindringlich von Harris ab. Diese solle sich erst einmal entschuldigen, hieß es intern. Doch Harris blieb hart. So sei das nun einmal in der Politik, beschied sie. Das war riskant, aber es hat sich ausgezahlt.

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Dass Biden sich nun trotz der Attacken des vergangenen Jahres für Harris entschieden hat, ist richtig. Sie ist - unabhängig von der Hautfarbe übrigens - die am besten qualifizierte Kandidatin, um an seiner Seite in den Wahlkampf gegen Donald Trump zu ziehen. Zudem spricht die Entscheidung aus zweierlei Gründen für Biden.

Zum einen zeigt sie, dass er nicht nachtragend ist - eine in der Politik oft unterschätzte, aber wichtige Eigenschaft. Zum anderen hat Biden bewiesen, dass er nicht von seinen Beratern abhängig ist, wenn es darum geht, wegweisende Entscheidungen zu treffen. Nicht nur könnte Kamala Harris die erste afroamerikanische Vizepräsidentin in der Geschichte der Vereinigten Staaten werden. Sie wäre zudem, sollte Biden im November tatsächlich die Präsidentschaftswahl gewinnen und, wie allgemein erwartet, nach einer Amtszeit nicht erneut antreten, eine designierte Kandidatin für seine Nachfolge.

© SZ vom 12.08.2020/aner
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