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US-Vorwahl:Wieso für Trump, Cruz und Rubio so viel auf dem Spiel steht

Cruz sollte eigentlich in South Carolina erfolgreich sein: Hier leben nicht nur streng konservative Evangelikale (sie bescherten ihm den Sieg in Iowa), sondern auch viele aktive und ehemalige Soldaten. Cruz verspricht - wie Rubio und Trump - den Veteranen schneller zu helfen und viel mehr Geld ins Militär zu stecken. "Wir haben keine Daten, wie sich das military vote aufteilen wird", sagt der Politologe Scott Buchanan.

Der Wissenschaftler von der Militärakademie The Citadel in Charleston beobachtet seit langem die Politiker in South Carolina, die für ihre schmutzigen Tricks und harten Angriffe untereinander bekannt sind. "Die Leute wollen sehen, dass du einen Schlag einstecken kannst", meint Katon Dawson, Ex-Parteichef der Republikaner in South Carolina (mehr hier).

Cruz liefert sich hier sowohl eine Schlammschlacht mit Trump als auch mit Marco Rubio: Seine Kampagne präsentiert unter "The REAL Rubio Record" mit Photoshop bearbeitete Bilder, die den Senator aus Florida diskreditieren sollen. "Die Wirksamkeit dieser Attacken ist eher begrenzt, weil viele Bürger diese ohnehin für Lügen halten", vermutet Politologe Buchanan. Die Bewerber hätten allerdings nur wenige Optionen: Wenn diese nicht auf Attacken reagieren, dann könnte dies als Eingeständnis angesehen werden.

Der politische Beobacher wertet die harten Angriffe vielmehr als Zeichen, wie viel für alle Republikaner auf dem Spiel steht.

  • Donald Trump braucht einen möglichst großen Sieg, um sein Gewinner-Image zu halten - und weil sein Vorsprung hier sehr groß war.
  • Ted Cruz muss mindestens vor Marco Rubio landen, weil sein erzkonservativer Kurs im Südstaat South Carolina besonders gut ankommen sollte.
  • Marco Rubio hat die Unterstützung der populären Gouverneurin Haley bekommen, was ihm hilft und zugleich unter Druck setzt. Wenn er hier nicht mindestens Zweiter wird, gerät sein Argument, Hillary Clinton besiegen zu können, ins Wanken. Zwei dritte Plätze (nach Iowa) genügen nicht.
  • Und was ist mit Jeb Bush? Sollte er nicht - ziemlich überraschend - mindestens Dritter werden, sinken seine ohnehin niedrigen Chancen auf die Nominierung noch tiefer. Buchanan sieht es so: "Die Leute hier mögen seinen Vater und seinen Bruder. Aber die Republikaner sind der Familie Bush ziemlich überdrüssig."

Linktipps: Wie der Alltag im Camp Cruz in Iowa aussah, beschreibt diese Reportage der Washington Post. Für das New York Times Magazine schildert Robert Draper, wie Cruz die evangelikalen Wähler umwirbt.

© SZ.de/dgr/ghe
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