US-Wahl Iowa: Cruz triumphiert, Rubio überrascht

Bei den Republikanern bezwingt der Texaner Cruz den Skandal-Milliardär Trump. Für Jeb Bush ist der Abend ein Desaster, aber sein Ziehsohn jubelt.

Analyse von Matthias Kolb, Des Moines (Iowa)

Er ist gescheitert: Donald Trump ist bei der ersten Vorwahl der Republikaner in Iowa nur auf dem zweiten Platz gelandet - hinter Tea-Party-Star Ted Cruz. Damit bleibt das Rennen spannend, denn nach einem Sieg wäre der umstrittene Milliardär wohl kaum zu stoppen gewesen: Die Umfragen in New Hampshire (9. Februar), South Carolina (20.2.) und Nevada (23.2.) führt er an - bisher. Platz drei ist für Marco Rubio ein großer Erfolg: Der jüngste Kandidat etabliert sich als ernsthafte Alternative im republikanischen Lager.

Bei den Demokraten liegen Hillary Clinton und Bernie Sanders gleichauf. Selbst wenn Clinton am Ende einen hauchdünnen Vorsprung hat, dürfte dies die leidenschaftlichen Anhänger des Senators aus Vermont nicht demotivieren - und in New Hampshire liegt der "demokratische Sozialist" deutlich vorn. Nun ist es ganz offiziell ein Zweikampf: Martin O'Malley hat seine Kandidatur beendet.

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Was das Ergebnis für die elf Republikaner-Kandidaten bedeutet, lesen Sie hier:

Ted Cruz (45, Senator aus Texas)

Für den ultrakonservativen Texaner gibt es kaum einen besseren Bundesstaat als Iowa: Mehr als die Hälfte der Republikaner ist streng religiös. Unterstützt wurde der Pastorensohn von 12 000 Freiwilligen, die täglich 20 000 Anrufe machten. Der 45-Jährige erhielt 28 Prozent der Stimmen und wird sich nun auf South Carolina (20.2.) und den Super Tuesday (1.3.) vorbereiten. Mit Cruz muss man rechnen: Die Organisation ist exzellent und in die ohnehin schon pralle Wahlkampfkasse werden noch mehr Millionen-Spenden fließen. Er wird gefeiert von jenen, die glauben, dass die Republikaner 2008 und 2012 nur deshalb verloren haben, weil die Partei keinen "echten" Konservativen nominiert hat.

Donald Trump (69, Immobilien-Milliardär)

Der Abend ist eine Enttäuschung für Trump, denn Niederlagen gehören nicht zu seiner Marke. Dass der 69-Jährige mit 24 Prozent auf Platz zwei gelandet ist, liegt an mehreren Faktoren: Cruz' Organisation ist unerreicht gut. Nicht alle Christen mögen einen Mann, der drei Mal geheiratet hat und seine Entscheidung, die TV-Debatte zu boykottieren, hat wohl auch Wähler verschreckt. Trumps Mission, den zweiten Platz zu einem Sieg umzudeuten, hat schon begonnen: "Als ich angetreten bin, hieß es: 'In Iowa kommst du nicht mal unter die ersten zehn.' Jetzt sind wir Zweiter." In New Hampshire muss Trump den Sieg einfahren, den er braucht - für sein Ego und sein Gewinner-Image.

Marco Rubio (44, Senator aus Florida)

Neben Ted Cruz ist Marco Rubio der zweite Sieger des Abends. Seine Konkurrenten - allen voran Jeb Bush - haben Millionen investiert, um ihn als wankelmütigen Kandidaten darzustellen. Doch der kubanischstämmige Senator entwickelt sich zum Favoriten der Republikaner, die Trump für einen Egomanen halten und denen Cruz zu weit rechts steht. Mit 23 Prozent hätte der Abend für den vierfachen Vater nicht besser laufen können.

Ben Carson (64, Ex-Gehirnchirurg)

Eigentlich ist Carson kein Favorit mehr, doch weil er noch im Oktober in Iowa führte, darf er in diese Kategorie. Neun Prozent sind achtbar. Viele konservative Wähler berichten, dass sie den Weltklasse-Mediziner Carson wegen seiner Intelligenz und seines Glaubens bewundern. Doch seit vor allem über IS und Terror geredet wird, sinken seine Zahlen. Klar: Carson wird nicht Präsident, doch aus Geldnöten muss er nicht aufhören: Im letzten Quartal 2015 hat kein Republikaner mehr Spenden eingesammelt als er.