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US-Vorwahl der Republikaner in New Hampshire:"Er hält sein Wort nicht."

Seine konservativen Mitbewerber erhöhen den Druck auf den als liberal geltenden Romney, gehen in TV-Spots und bei Wahlkampfveranstaltungen immer aggressiver gegen ihn vor.

Romney Flyer

Von diesem Flyer will Mitt Romney nichts gewusst haben.

Den Sieg bei der zweiten Vorwahl in New Hampshire am Dienstag hat Romney dennoch fast sicher. Der texanische Kongressabgeordnete Ron Paul, der derzeit bestplatzierte seiner parteiinternen Rivalen, liegt in Umfragen fast 15 Prozentpunkte zurück. Auch die ersten, wenn auch weniger aussagekräftigen Ergebnisse aus New Hampshire sprechen für Romney. Siegt Romney dort deutlich, könnte die republikanische Vorwahl tatsächlich schnell entschieden sein. Doch sein Vorsprung in den Meinungsumfragen schrumpft. Bleibt am Ende nur ein knapper Sieg, wäre dies ein Zeichen, dass die Anhänger der Republikaner noch immer Zweifel hegen an Romney, dem vermeintlichen Wendehals.

Auch die Diskussion um sein früheres Engagement bei der Investment-Firma Bain Capital wird für Romney immer mehr zu einem Problem. Fast jeden Tag tauchen neue Vorwürfe gegen die Firma auf, deren Mitgründer Romney ist. Bain hat vor allem in marode Unternehmen investiert und diese später gewinnbringend wieder verkauft: nach dem Heuschrecken-Modell. Der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, der ebenfalls für die Republikaner gegen Obama antreten will, eröffnete mit Fernsehspots die Attacke: Romney habe mit Bain Firmen geplündert, Menschen arbeitslos zurückgelassen und sei anschließend abgehauen - mit Millionen Dollar in der Tasche.

Bei der Suche nach konkreten Fällen werden Romneys-Gegner schnell fündig: Eine Stahlhütte in Kansas City zum Beispiel. Seit 1888 in Betrieb, 1993 von Bain mehrheitlich übernommen, kaum zehn Jahre später bankrott. 750 Menschen verloren einem Bericht des US-Fernsehsenders MSNBC zufolge damals ihre Jobs, vielen Arbeitern seien Übergangszahlungen und Krankenversicherung verweigert worden - entgegen vorher gemachter Versprechen. Außerdem seien Pensionsansprüche drastisch gesenkt worden.

Bain habe dagegen von dem Geschäft profitiert: Zwölf Millionen Dollar habe die Firma erlöst, zuvor allerdings nur acht Millionen Dollar investiert. Zusätzlich strich Bain offenbar mindestens 4,5 Million Dollar an Beratergebühren ein. Die rostende Stahlhütte steht noch. Ein für alle sichtbares, zerfallendes Mahnmal der Unbarmherzigkeit des Kapitals. Und für das Scheitern Mitt Romneys.

Obama lässt anfragen

Für einen, der vor allem mit seiner Wirtschafts-Erfahrung wirbt, der versucht, glaubhaft zu machen, dass nur er der US-Wirtschaft neuen Schwung verleihen, dass nur er neue Arbeitsplätze schaffen kann, ist das verheerend. Romney ein Jobkiller? In amerikanischen Medien ist bereits von der "Bain Bomb" für Romney die Rede, die New York Times hat wortreich erklärt, dass die Attacken zu diesem Thema tatsächlich an Romney haften bleiben könnten. Bei den Wählern verfange es eher, wenn die Stärken eines Kandidaten von seinen Gegnern unterminiert werden, als wenn diese versuchten, dessen Schwächen zu unterstreichen. Und selbst wenn Romney die Vorwahlen der Republikaner gewinnt und gegen Barack Obama antreten kann: Die Demokraten arbeiten schon lange an einem Schlachtplan, in dem Bain eine zentrale Rolle spielt.

Bislang lässt Barack Obama allerdings nur anfragen, warum sich Romney so plötzlich von dem pinken Flyer distanziert habe. "Was, das auf dem Flyer steht, findet jetzt plötzlich nicht mehr die Zustimmung von Mitt Romney?", will ein Sprecher Obamas wissen. "Glaubt er etwa nicht, dass alle Amerikaner die gleichen Rechte haben sollten? Wem versucht er es jetzt wieder recht zu machen? Genau das ist es, warum die Amerikaner Probleme damit haben werden, Mitt Romney zu vertrauen - er hält sein Wort nicht."

© Süddeutsche.de/mikö
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