US-Präsidentschaftswahl Trump fantasiert über Schüsse auf Clinton

Donald Trump, Präsidentschaftskandidat der Republikaner, bei seiner Rede in North Carolina.

(Foto: AFP)

Der Republikaner behauptet, Clinton wolle das Recht auf Waffenbesitz abschaffen. Nur die Schützen könnten dies verhindern. Nun wird diskutiert: Macht Trump Witze über die Ermordung seiner Rivalin?

Von Matthias Kolb, Washington

Als er am Montag in Detroit seine wirtschaftspolitische Grundsatzrede hielt, las Donald Trump vom Teleprompter ab. Dass Experten seine Vorschläge (hier lesen Sie mehr dazu) für unbezahlbar halten, war für die Außenwirkung nebensächlich: Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner hielt sich ans Skript und er wartete geduldig, als nacheinander ein Dutzend Protestierer aus dem Saal geworfen wurde.

Das konservative Establishment konnte wieder hoffen, dass Trump nach einer Woche mit Attacken auf die Khan-Soldatenfamilie und einem Absturz in den Umfragen Selbstdisziplin zeigen würde.

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Einen Tag später tritt der Immobilienmogul in Wilmington in North Carolina auf und redet wieder drauf los. Und ohne Teleprompter sorgt er gleich für den nächsten Skandal.

Trump spricht ein Lieblingsthema des konservativen Amerikas an: Der zweite Zusatz in der US-Verfassung (Second Amendment) garantiert den US-Bürgern das Recht auf Waffenbesitz. Seine Rivalin Hillary Clinton wolle das abschaffen, behauptet der 70-Jährige - obwohl Clinton nur strengere Kontrollen vor dem Waffenkauf sowie halbautomatische Waffen verbieten will.

Hat Trump zu Schüssen auf Hillary Clinton aufgerufen?

Als Präsidentin könnte Clinton Richter für den Obersten Gerichtshof nominieren, die der Senat bestätigen muss, und ihre Favoriten würden dafür sorgen, dass das Recht auf Waffenbesitz quasi abgeschafft werde. Nichts und niemand könne das verhindern, sagt Trump in seinen typischen Halbsätzen: "Außer vielleicht die Unterstützer des Rechts auf Waffenbesitzes, vielleicht können die, ich weiß es nicht."

Seither befindet sich Donald Trump wieder in einem Orkan an aufgeregten Tweets, Anschuldigungen und Verteidigungen. Denn viele sind der Meinung, dass sich die englische Original-Passage so auslegen ließe, als hätte Trump zu Schüssen auf Hillary Clinton aufgerufen: "By the way, and if she gets to pick — if she gets to pick her judges, nothing you can do, folks. Although the Second Amendment people, maybe there is, I don't know."

Donald Trumps Wahlkampfhelfer veröffentlichen sofort ein Statement, in dem sie die "unehrlichen Medien" attackieren. Das Second Amendment habe "vereinigende Kraft" und werde dazu führen, dass die Wähler in Rekordzahlen an die Urnen gehen - und für Trump stimmen.

Reaktion des Clinton-Teams: "Sicherheitsrisiko" Trump

Die Reaktion von Robby Mook, dem Wahlkampfmanager von Hillary Clinton, kommt ähnlich schnell: Trumps Aussagen seien "gefährlich". Niemand, der US-Präsident werden will, sollte zu Gewalt aufrufen. Durch den Tweet trägt Mook dazu bei, dass über dieses Szenario geredet wird - und sich der Eindruck vom "Sicherheitsrisiko" Trump erhärtet. Den Begriff verwendeten auch 50 prominente Republikaner, die sich öffentlich gegen ihren Kandidaten stellten.

Ob Donald Trump wirklich ein Attentat auf seine Rivalin herbeireden wollte, ob er im Redeschwall den Faden verloren hat oder wirklich nur die besorgten Waffenbesitzer zur Wahl aufrufen wollte - welche Interpretation man am glaubwürdigsten findet, hängt wohl davon ab, was man über den Immobilienmogul denkt.

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Die Reaktion von Trump: "Give me a break"

Auch Donald Trump hat sich mittlerweile in einem Interview auf Fox News zur Kritik geäußert. Moderator Sean Hannity interpretiert die Aussage so: "Offensichtlich meinen Sie, dass die Anhänger des Second Amendment eine starke politische Bewegung darstellen. Sollten diese Leute sich also mobilisieren und ihre Stimme abgeben, dann könnten sie Hillary (Clinton) stoppen, einen derartigen Einfluss auf den Obersten Gerichtshof zu nehmen. Aber das ist nicht, wie die Medien darüber berichten. Was ist Ihre Reaktion darauf?" Hannity fragt Trump nicht bezüglich seiner gewählten Worte.

Trump antwortet: "Niemand in der Halle dachte etwas anderes als das, was Sie gerade ausgeführt haben. Das ist eine politische Bewegung. Die Anhänger des Second Amendment sind eine starke, mächtige Bewegung." Clinton wolle die Waffen von US-Bürgern wegnehmen. Trump führt weiter aus, dass auch die Waffenlobby zu seiner Wahl aufgerufen habe. Die NRA warnte nach Trumps Äußerungen in zwei Tweets vor einer Präsidentschaft Clintons. Die Anhänger des zweiten Zusatzes der US-Verfassung müssen also wählen. "Es kann keine andere Interpretation geben", sagte Trump weiter.

Für den Republikaner ist das alles ein abgekartetes Spiel. Mit dem Spruch "Give me a break" will er die Debatte für beendet erklären. Doch die Empörungswelle wird das wohl nicht stoppen.

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