UN-Mission im Kongo:Kooperation mit dem Terminator

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Die FDLR entstand 2000 als Bündnis bewaffneter Hutu-Milizen, die 1994 am Völkermord an den Tutsi in Ruanda beteiligt waren. Die nachfolgenden Wirren und Bürgerkriege zwischen Milizen in Ruanda und dem benachbarten Kongo kosteten nach Schätzungen des International Rescue Committee 5,4 Millionen Menschen das Leben.

Die Blauhelm-Truppen der Vereinten Nationen sind seit 2000 im Ostkongo stationiert. Das Mandat wurde seitdem immer wieder verstärkt, die Personalstärke erhöht - zuletzt im Dezember 2008. Eine der Aufgaben der Blauhelme ist es, die kongolesische Armee zu unterstützen - durch Ausbildung und Schützenhilfe im Gefecht.

Schützenhilfe für Kriegsverbrecher

Zu dieser Armee gehören allerdings auch Tutsi-Rebellen der Bewegung CNDP (Nationalkongress zur Verteidigung des Volkes), die hastig integriert werden sollten, um im Kampf gegen die FDLR zu helfen. Den CNDP-Truppen wird Mord, Vergewaltigung und Folter in Tausenden Fällen vorgeworfen. Ihr Kommandeur ist Bosco Ntaganda, genannt "Terminator", gegen den ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs vorliegt.

Mit ihm dürfen die UN offiziell nicht kooperieren - sollten sie es doch tun, wie es der Bericht behauptet, leisten die Blauhelme einem Kriegsverbrecher Schützenhilfe.

Angesichts solch brisanter Details erscheint es fraglich, ob der UN-Bericht je veröffentlicht wird. "Da steht eine Menge drin, das uns mitschuldig aussehen lässt", zitiert die New York Times einen anonymen UN-Mitarbeiter. Mehrere Länder hätten sich deshalb darum bemüht, die Veröffentlichung möglichst lange hinauszuzögern.

China hat angeblich bereits verlangt, den Bericht in die Sprachen aller fünf ständigen Ratsmitglieder zu übersetzen. Das kann dauern - bis Thanksgiving und weit darüber hinaus.

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