Liveblog zum Krieg in der UkraineUkraine plant Friedensgipfel ohne Russland

Im Juli war Selenskij in Istanbul, um Erdoğan zu treffen. Er erhofft sich vom türkischen Präsidenten Hilfe für seinen Friedensgipfel.
Im Juli war Selenskij in Istanbul, um Erdoğan zu treffen. Er erhofft sich vom türkischen Präsidenten Hilfe für seinen Friedensgipfel. Francisco Seco/dpa
  • Nächste Woche sollen sich nationale Sicherheitsvertreter auf Malta über eine mögliches Kriegsende in der Ukraine austauschen.
  • Deutschland stellt weitere 200 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Ukraine zur Verfügung.
  • Bei Awdijiwka erleidet die russische Armee offenbar erneut schwere Verluste bei ihrer Offensive.
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Alle Entwicklungen im Liveblog

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Viele Angaben über den Kriegsverlauf wie Opferzahlen oder Details zu Kämpfen stammen von ukrainischen oder russischen Behörden und lassen sich oft nicht unabhängig überprüfen. Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.

Wichtige Updates
Parlament bestätigt neuen Ministerpräsidenten Korezkyj
Ukraine attackiert Großstadt und Öldepots an der Wolga
Russland meldet Tod des Chefingenieurs des AKW Saporischschja
Tote bei russischem Angriff auf Odessa und Sumy – ukrainische Drohnen auf Moskau und Schiffe im Schwarzen Meer
Von der Leyen in Kiew: „Das Blatt wendet sich“

Ukrainischer Verteidigungsminister muss wohl gehen

Von dem Regierungsumbau in der Ukraine ist auch das Verteidigungsministerium betroffen. Der bisherige Minister Mychajlo Fedorow wird von Präsident Wolodimir Selenskij nach nur etwa sechs Monaten im Amt nicht mehr für den Posten nominiert. Der 35-Jährige gilt als Reformer und als Kämpfer gegen die im Staatsapparat verbreitete Korruption. Bei Telegram bedauerte Fedorow, nicht noch mehr Mitarbeiter entlassen zu haben, die Reformen gebremst hätten.

Vor der Veröffentlichung seines Beitrags hatte Fedorow ein Gespräch mit Präsident Wolodimir Selenskij geführt. Der Präsident hat laut Verfassung das Vorschlagsrecht für den Chef des Verteidigungsressorts. Medienberichten zufolge will Selenskij den bisherigen Innenminister Ihor Klymenko für den Posten nominieren.

Vor Journalisten erklärte Fedorow, dass er ein Angebot von Selenskij ablehne, dessen Berater zu werden. Er liege im Streit mit Armeechef Oleksandr Syrskyj. Er warf ​diesem vor, Initiativen des Verteidigungsministeriums zu blockieren. Ein weiterer Grund für den Wechsel an der Spitze des Verteidigungsressorts ist Berichten zufolge, dass der erst 35 Jahre alte Fedorow die Probleme mit der Zwangsmobilisierung von Wehrpflichtigen nicht habe lösen können. Vor knapp einer Woche hatten im westukrainischen Lwiw rund 200 Menschen ein Rekrutierungskommando angegriffen und dabei ein Dienstfahrzeug demoliert.

Fedorow hatte 2019 die Medienkampagne Selenskijs in dessen Wahlkampf geleitet und danach das neu geschaffene Digitalministerium übernommen. Er galt lange Zeit als Protegé Selenskijs, saß als Verteidigungsminister aber auf einem alles andere als sicheren Posten. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 wurde der Ressortleiter bereits dreimal ausgetauscht. Wer als Nächstes folgen soll, ist nicht bekannt.
Lorenz Zeck

Tausende demonstrieren gegen die Entlassung des Verteidigungsministers

Die Entlassung des beliebten ukrainischen Verteidigungsministers Mykhailo Fedorov löst eine Welle öffentlicher Kritik und landesweite Proteste aus. Tausende Menschen versammelten sich am Vormittag im Zentrum von Kiew. Auch in Odessa, Lviv und in der nordöstlichen Stadt Charkiw, die als Frontstadt gilt, demonstrierten laut der New York Times Menschen gegen die Entscheidung von Präsident Wolodimir Selenskij. Der Zeitung zufolge handelt es sich um den zweiten großen Protest seit Kriegsbeginn.

Die vor allem jungen Menschen halten Plakate mit Sprüchen wie „Hör auf, den Sieg zu sabotieren!“ oder „Hände weg von Fedorov“, wie die BBC berichtet. Die New York Times berichtet von dem Schriftzug „Why break what’s working?“ - „Warum etwas ändern, das funktioniert?“
Demonstrationen gegen die Entlassung von Verteidigungsminister Fedorov
Demonstrationen gegen die Entlassung von Verteidigungsminister Fedorov. AFP

Parlament bestätigt neuen Ministerpräsidenten Korezkyj

In der Ukraine hat das Parlament den neuen Ministerpräsidenten Serhij Korezkyj bestätigt. Korezkyj leitete bislang den staatlichen Energiekonzern Naftogaz. Präsident Wolodimir Selenskij hatte am Sonntag mit der Abberufung der Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko überraschend den erneuten Umbau seiner Regierung eingeleitet. Am Dienstag stimmte die Oberste Rada, das Parlament, dem Rücktritt der Regierungschefin zu. Dieser zog automatisch die Entlassung des gesamten Ministerkabinetts nach sich.

Selenskij hatte Korezkyj zuvor bei einer Pressekonferenz im Hinblick auf die Vorbereitungen für den kommenden Winter als besonders geeignet bezeichnet. In der kalten Jahreszeit werden auch diesmal wieder Probleme bei der Energieversorgung infolge russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur befürchtet. Nach Denys Schmyhal und Swyrydenko ist Korezkyj der dritte Regierungschef seit Beginn des russischen Angriffskriegs 2022.

Anlass für die Umgestaltung des Kabinetts ist nach unbestätigten Medienberichten, dass die ukrainische Botschafterin in den USA, Olha Stefanischyna, aus dem diplomatischen Dienst ausscheidet. Hintergrund sollen Korruptionsermittlungen wegen eines Immobilienkaufs im ersten Kriegsjahr in ihrer Zeit als Ministerin für EU- und Natointegration sein. An ihrer Stelle soll den Berichten zufolge die nun abberufene Ministerpräsidentin Swyrydenko Botschafterin in Washington werden. 

Ukraine attackiert Großstadt und Öldepots an der Wolga

Ukrainische Drohnen sind nach Angaben der örtlichen Behörden in ein Wohnhaus der südrussischen Großstadt Engels an der Wolga eingeschlagen. Gouverneur Roman Bassurgin schrieb zunächst in sozialen Netzwerken, dass es keine Verletzten gebe. Später teilte die Staatsanwaltschaft jedoch mit, dass Menschen zu Schaden gekommen seien. Details gab die Behörde nicht bekannt. Russische Medien berichten von einem Opfer. Medienberichten zufolge lösten die Drohnen zudem ein Feuer auf dem Militärflugplatz der dort stationierten Bomberflotte aus. Das Ausmaß der Schäden ist unbekannt. Offizielle Stellen bestätigten diese Berichte bislang nicht.

Der Luftwaffenstützpunkt in Engels ist einer der größten in ganz Russland. Von dort steigen immer wieder strategische Bomber auf, um Städte in der Ukraine, wie etwa Kiew in der vergangenen Nacht, mit Raketen zu beschießen. Die Ukraine hat Engels daher bereits in der Vergangenheit mit Drohnen attackiert.

Nördlich von Moskau setzten derweil einem Bericht des unabhängigen Portals „Astra“ zufolge ukrainische Drohnen ein Öldepot nahe der ebenfalls an der Wolga gelegenen Stadt Jaroslawl in Brand. Die riesige Anlage gehört zu der örtlichen Raffinerie und soll bis zu 620 000 Kubikmeter Lagerkapazität haben. Gouverneur Michail Jewrajew zufolge wurden bei den ukrainischen Angriffen ein Mann getötet und vier ⁠weitere Menschen verletzt. Die Luftabwehr habe dort 19 Drohnen abgefangen.

In ​der westrussischen Region Brjansk an der Grenze zur Ukraine kamen dem ‌Gouverneur zufolge ein 15-jähriges Mädchen und ihre Großmutter bei einem ‌Raketeneinschlag im Dorf Susemka ums Leben. 

Russland feuert wieder ballistische Raketen auf Kiew

Das russische Militär hat die ukrainische Hauptstadt Kiew in der Nacht ein weiteres Mal mit ballistischen Raketen angegriffen. Dabei wurden nach ukrainischen Behördenangaben mindestens zwei Menschen getötet. Nach Auskunft von Bürgermeister Vitali Klitschko bei Telegram gab es zudem sechs Verletzte. „Darunter ist auch ein 16-jähriger Junge“, schrieb er. Die Drohnen schlugen demnach in zwei Stadtteilen ein: In einem Lager im Westen der Stadt und einem unbewohnten Haus in einem östlichen Stadtbezirk seien Brände ausgebrochen. Angaben der ukrainischen Luftwaffe zufolge feuerte das russische Militär in zwei Wellen mindestens acht Raketen auf die Dreimillionenstadt und ihre Umgebung ab. 

Tote bei russischen Angriffen in der Stadt Saporischschja

Im südostukrainischen Gebiet Saporischschja sind mindestens fünf Zivilisten durch russische Angriffe getötet worden. Allein in der gleichnamigen Gebietshauptstadt seien 3 Menschen ums Leben gekommen und 15 verletzt worden, teilte der Gouverneur der Region, Iwan Fedorow, bei Telegram mit. Zuvor hatte er über zwei getötete Männer infolge von Angriffen mit ferngesteuerten Drohnen in der frontnahen Stadt Orichiw informiert. Auch die Großstadt Saporischschja ist nur etwas über 20 Kilometer von der Frontlinie entfernt, anders als das gleichnamige Atomkraftwerk aber nicht von Russland besetzt. Aufgrund der ständigen russischen Angriffe mit Drohnen, Bomben und Raketen herrscht in der Industriestadt fast rund um die Uhr Luftalarm. 

Russland meldet Tod des Chefingenieurs des AKW Saporischschja

Eine ukrainische Drohne soll nach russischen Angaben den Chefingenieur des besetzten Atomkraftwerks Saporischschja in der Südostukraine, Alexej Jakowlew, getötet haben. „Eine Drohne der ukrainischen Streitkräfte griff einen Dienstwagen des AKWs an der Grenze zwischen dem Werksgelände des Kraftwerks und der Stadt Enerhodar an“, teilte der Chef des russischen Atomkonzerns Rosatom, Alexej Lichatschow, gemäß einer Mitteilung bei Telegram mit. Es sei ein zielgerichteter Angriff gewesen. Ebenso sei der Fahrer des Dienstwagens bei dem Angriff ums Leben gekommen. Lichatschow verlangte demnach von der internationalen Atomaufsicht IAEA eine „klare Reaktion“. Die russische Führung sei informiert worden.

In Moskau reagierte das Außenministerium sofort. „Wir fordern von den zuständigen internationalen Gremien, allen voran der IAEA, eine klare und unmissverständliche Erklärung, in der dieser Mord verurteilt wird“, schrieb die Sprecherin, Maria Sacharowa, bei Telegram. Namentlich nannte sie den Chef der IAEA Rafael Grossi. Eine Stellungnahme der IAEA folgte später auf der Plattform X. Demnach verurteilte Grossi den Vorfall, bezeichnete ihn als „inakzeptabel“ und als Gefährdung der nuklearen Sicherheit. Die Organisation rufe zur Einstellung aller Angriffe auf oder nahe Nuklearanlagen und deren Personal auf. Eine Stellungnahme der Ukraine liegt bisher nicht vor. 

Zuvor hatte der Leiter der russischen Besatzungsbehörden für die Region Saporischschja, Jewgeni Balizki, bei Telegram über ukrainische Drohnenangriffe auf die Kraftwerksstadt Enerhodar informiert. Es sei zu einem kompletten Stromausfall gekommen. Den Angaben nach mussten soziale Objekte über Dieselgeneratoren mit Strom versorgt werden. 
Das AKW Saporischschja ist mit sechs Reaktoren das größte Atomkraftwerk Europas. Es steht seit März 2022 unter russischer Kontrolle.
Das AKW Saporischschja ist mit sechs Reaktoren das größte Atomkraftwerk Europas. Es steht seit März 2022 unter russischer Kontrolle. . Victor/Xinhua/dpa

Russische Angriffe in Ostukraine fordern Tote und Verletzte

Durch russischen Beschuss sind im ostukrainischen Gebiet Donezk nach Behördenangaben mindestens zwei Menschen getötet worden. Acht weitere Menschen seien bei Angriffen unter anderem mit ferngesteuerten Drohnen verletzt worden, teilte der Militärgouverneur der Region, Wadym Filaschkin, bei Telegram mit. Den Angaben nach waren die Siedlung Jasna Poljana und die nahe Stadt Kramatorsk Angriffsziele. Kramatorsk ist nur etwa zwölf Kilometer von der Frontlinie entfernt. 

EU und Ukraine vereinbaren enge Kooperation bei Drohnenproduktion

Die Europäische Union (EU) ​und die Ukraine haben ein Abkommen über eine engere Zusammenarbeit bei der Entwicklung und Produktion von Drohnen geschlossen. Ziel sei es, das ukrainische Know-how mit den industriellen Kapazitäten Europas zu verzahnen, ​um gemeinsame Projekte aufzubauen und die Produktion hochzufahren, teilte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ⁠bei einem Besuch in Kiew mit. Das Abkommen bringe den ukrainischen Erfindungsgeist und die industrielle Größe Europas zusammen. Es ist die ​erste Vereinbarung dieser ​Art mit der Ukraine, die Länder und Unternehmen ‌in der gesamten EU abdecken soll. 
Newsdesk
Newsdesk

Tote bei russischem Angriff auf Odessa und Sumy – ukrainische Drohnen auf Moskau und Schiffe im Schwarzen Meer

Bei einem russischen Luftangriff auf die ukrainische Hafenstadt Odessa sind nach Behördenangaben drei Menschen ​getötet worden. Auch in nordukrainische Region Sumy sind nach Angaben des dortigen Gouverneurs mindestens drei Menschen getötet worden.

Sieben Menschen seien in Sumy verletzt worden, teilte der Governeur Oleh Hryhorow auf Telegram mit. Die russischen Truppen hätten sechs Angriffe mit Lenkbomben ausgeführt. Eine Bombe sei in der Nähe medizinischer Einrichtungen eingeschlagen. Die anderen hätten nach vorläufigen Informationen ​die Infrastruktur getroffen.

Wie der Leiter der Militärverwaltung von Odessa, ⁠Serhij Lysak, auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mitteilte, sind dort drei Verletzte in Krankenhäuser eingeliefert worden. Zudem seien Wohngebäude beschädigt worden. Weitere Einzelheiten nannte Lysak nicht.

Das russische Militär hat einen Angriff auf Odessa bestätigt. Bei einem kombinierten Schlag mit „luftbasierten Hochpräzisionswaffen und Kampfdrohnen“ seien in den Häfen Odessa und Tschornormorsk Reservoirs und Anlagen zur Verschiffung von Treibstoffen für das ukrainische Militär getroffen worden, hieß es in einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums in Moskau am Morgen. Außerdem sei eine Drohnenfabrik beschossen worden.

Russland hat ​in den vergangenen ​Tagen seine Angriffe auf die ukrainischen Tiefwasser-Schwarzmeerhäfen im ‌Großraum Odessa verstärkt, die für den Außenhandel ‌und die Kriegswirtschaft des Landes von zentraler Bedeutung sind. Dem Regionalgouverneur Oleh Kiper zufolge wurden am Dienstagabend bei einem Drohnenangriff ​auf die Hafeninfrastruktur in ​der Region zwei Menschen getötet. Dabei sei ​auch ein Frachter unter der Flagge der Marshallinseln beschädigt worden.

Derweil hat Russland nach Angaben des ​Moskauer Bürgermeisters ​Sergej Sobjanin binnen ‌24 Stunden einen ‌Angriff mit 340 ukrainischen Drohnen auf die ​Hauptstadtregion abgewehrt. ​Die meisten seien von ​der Flugabwehr weit vor der Stadt neutralisiert worden, schrieb Sobjanin auf Telegram. Mehr als 50 ‌Drohnen ‌seien auf dem Weg ​nach Moskau zerstört worden. Eine ukrainische Stellungnahme zu dem ⁠konkreten Angriff ‌gibt es ‌nicht.

Die Ukraine attackierte in der Nacht nach Angaben aus Kiew zudem 20 russische Schiffe im Schwarzen Meer mit Drohnen. Dabei seien 17 Öltanker, zwei Gastanker und ein Schlepper getroffen worden, teilte der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Browdi, auf Telegram mit. 

Litauen: Russland plant Angriffe auf Infrastruktur

Litauen hat ​seinem Präsidenten Gitanas Nauseda zufolge Geheimdienstinformationen über russische Pläne für Angriffe auf die Infrastruktur. Vorsorglich werde die Sicherheit an Energie- und Verkehrsanlagen verschärft, sagte Nauseda ​in einem Interview der Nachrichtenagentur BNS. Er habe keine ⁠Informationen darüber, wann oder wo die Angriffe geplant seien.

"Wir haben solche Signale, die wir von unseren Diensten erhalten", sagte Nauseda. "Sie ​nennen ​weder einen klaren Ort noch eine ‌Zeit, weil der Gegner seine Planung ‌noch nicht abgeschlossen hat und wir nur von der Planung oder dem Ziel wissen." Es könne ​sich um verschiedene Mittel ​handeln, die darauf abzielten, kritische Infrastruktur ​physisch zu beschädigen. "Alles, was den Betrieb dieser Anlagen beeinträchtigt." Nauseda sagte in dem Interview nicht ausdrücklich, dass sein Land das ‌Ziel sei. Allerdings hatte das Nachbarland Polen kürzlich erklärt, westliche Geheimdienste seien besorgt ‌über das Risiko ‌russischer Angriffe auf polnisches und baltisches Territorium.

Das Nato-Mitglied ​Litauen grenzt an die russische Exklave Kaliningrad und an den russischen ​Verbündeten Belarus. Litauen hat seine Verteidigungsausgaben seit der russischen ‌Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 verdreifacht.
Litauens Präsident Gitanas Nauseda auf dem Nato-Gipfel im türkischen Ankara im Juli (Archivbild).
Litauens Präsident Gitanas Nauseda auf dem Nato-Gipfel im türkischen Ankara im Juli (Archivbild). Serdar Ozsoy/Getty Images

Von der Leyen in Kiew: „Das Blatt wendet sich“

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besucht zum elften Mal seit Kriegsbeginn die Ukraine. „Ich werde neue Initiativen zur Integration unserer Verteidigungsindustrien ankündigen. Damit wir mehr und schneller produzieren können“, kündigte sie nach ihrer Ankunft in der Hauptstadt Kiew auf X an.
Die Ukraine hat eine starke militärische Dynamik aufgebaut. Das Blatt wendet sich.
Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin
Von der Leyen postete ein Video, auf dem zu sehen ist, wie sie in Kiew aus dem Zug steigt und von einer ukrainischen Delegation empfangen wird.

Bei dem Besuch werde man außerdem über den EU-Beitritt und die Vorbereitungen auf den kommenden Winter sprechen. Die EU treibt die Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine voran. Mit einem Abschluss der Gespräche wird bei der Ukraine aber nicht vor dem kommenden Jahrzehnt gerechnet.

Neben EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sind auch mehrere Staats- und Regierungschefs aus Südosteuropa in Kiew zu einem Gipfel eingetroffen. „Wir halten den 5. Ukraine-Südosteuropa-Gipfel ab, um unsere Partnerschaft und Kooperation auf dem Weg in die EU zu bekräftigen“, schrieb der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha auf der Plattform X. Dabei sind unter anderem die Präsidenten von Rumänien, der Republik Moldau, Albanien und Serbien. Andere Staaten wie Nordmazedonien und Montenegro sind durch ihre Außenminister vertreten.

US-Senatoren stellen Gesetz für neue Russland-Sanktionen vor

Mehrere Senatoren der beiden großen Parteien in den USA haben einen überarbeiteten Gesetzentwurf für neue Sanktionen gegen Russland vorgestellt – ein zentrales Anliegen des kürzlich gestorbenen republikanischen Senators Lindsey Graham. Die von Republikanern und Demokraten gestützte Initiative sehe Zölle in Höhe von bis zu 100 Prozent vor, die sich gegen die größten Abnehmer von russischem Öl und Gas richten sollten, sagte der demokratische Senator Richard Blumenthal bei einer Pressekonferenz. Namentlich erwähnte er dabei unter anderem China und Indien. 

Ausnahmen soll es demnach für Länder geben, die weniger als 15 Prozent des Erdgases aus Russland importieren und „bedeutende Maßnahmen" ergreifen, um diese Käufe zu reduzieren. „Unsere europäischen Verbündeten sind hier also nicht betroffen", hob Blumenthal hervor. Er betonte zudem, dass die Initiative zwar mitunter als „Zollgesetz" bezeichnet worden sei, der Entwurf jedoch umfassende Sanktionen gegen weite Teile der russischen Wirtschaft vorsehe, darunter gegen die Energiebranche, den Finanzsektor und die Rüstungsindustrie sowie gegen Oligarchen, Geschäftsleute und Russlands Präsidenten Wladimir Putin selbst. 

Eine schnelle Verabschiedung im US-Kongress sei nicht nur wichtig, weil es eine Würdigung Grahams sei, sondern auch bedeutend für die Ukraine, sagte Blumenthal. Im US-Senat wird bereits seit mehr als einem Jahr um ein neues Sanktionspaket gegen Russland gerungen, das dort federführend vom Republikaner Graham vorangetrieben wurde. 

Ukraine: Erneut Schiffe im Asowschen Meer getroffen

Bei ukrainischen Drohnenangriffen werden ⁠im Asowschen Meer nach Angaben aus Kiew elf russische Schiffe getroffen. Unter den Zielen seien fünf Tanker, fünf Frachtschiffe und ein Schlepper, teilt der Kommandeur ​der ukrainischen ​Drohnenstreitkräfte, Robert Browdi, auf Telegram mit. Damit steige die ‌Zahl der in den vergangenen neun Tagen getroffenen Schiffe ‌auf 116. 

Unterdessen haben russische Streitkräfte nach ukrainischen Angaben ein ziviles Schiff nahe dem Schwarzmeerhafen Odessa angegriffen. Das teilt der Sprecher der ukrainischen ​Marine, Dmytro Pletentschuk, der Nachrichtenagentur Reuters mit. Verletzte gibt es demnach nicht. 
Ukrainische Soldaten der K-2-Brigade der Streitkräfte für unbemannte Systeme bereiten eine Mittelstrecken-Drohne vor (Archivbild).
Ukrainische Soldaten der K-2-Brigade der Streitkräfte für unbemannte Systeme bereiten eine Mittelstrecken-Drohne vor (Archivbild). Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Polen kündigt erste Manöver der „Koalition der Willigen“ an

Erste Militärmanöver der „Koalition der Willigen“ zur Unterstützung der Ukraine sollen in diesem Herbst in Polen stattfinden. Das kündigte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk in Paris an, nachdem die Staatengruppe am Vortag in der französischen Hauptstadt getagt hatte. Tusk nannte Truppen aus Frankreich und Großbritannien als internationale Teilnehmer. Die polnischen Streitkräfte seien Teilnehmer und Gastgeber.

Die Manöver sollten die Koalition auf „konkrete Sicherheitsgarantien für die Ukraine, aber auch für die Region vorbereiten“, sagte Tusk der Nachrichtenagentur PAP zufolge. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte am Montag erstmals von gemeinsamen Übungen gesprochen. Die sogenannte Koalition der Willigen plant eine multinationale, von Europa geführte und von den USA unterstützte Truppe. Sie soll nach einem Ende des russischen Angriffskrieges helfen, die Sicherheit der Ukraine zu gewährleisten. Die Bemühungen um ein Kriegsende sind aber seit Monaten festgefahren. 
Bundeskanzler Friedrich Merz, der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij, der französische Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer nehmen an einer Pressekonferenz im Anschluss an das Treffen teil.
Bundeskanzler Friedrich Merz, der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij, der französische Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer nehmen an einer Pressekonferenz im Anschluss an das Treffen teil. Teresa Suarez/dpa
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