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TV-Debatte:Wer am lautesten schreit, profitiert

Auf die Dauer ist all das nicht nur ermüdend anzusehen, sondern fördert auch eine bedenkliche Entwicklung. Sendungen wie "Le grand débat" bieten keine Möglichkeit, Inhalte zu vertiefen. Es profitiert derjenige, der am lautesten schreit und am geschicktesten verkürzt, zuspitzt oder provoziert - der Super-Populist. In diesem Umfeld - schnell etwas behaupten, keiner kann sich in Ruhe rechtfertigen - können auch Fake-News leicht in die Welt gesetzt und schlecht wieder eingefangen werden.

Dass Marine Le Pen sich mit Unterstellungen zurückgehalten hat, dürfte vor allem im Lager ihres Hauptkonkurrenten Emmanuel Macron für Erleichterung gesorgt haben. In die Enge getrieben wurde Macron höchstens vom Gaullisten Nicolas Dupont-Aignan (Debout la France/Steh auf Frankreich), der ihn zu Geschäften seines ehemaligen Arbeitgebers, der Rothschild Bank, löcherte - bis eine Moderatorin unterbrach.

Es gibt mehrere Gründe, warum die Nachrichtensender BFM-TV und CNews diese Riesendebatte auf die Beine gestellt haben. Vor Präsidentschaftswahlen gab es in Frankreich bislang nur TV-Duelle mit den jeweiligen Vertretern der beiden großen Volksparteien. Weil deren Kandidaten diesmal abgeschlagen auf Platz drei (der Republikaner François Fillon) und vier (der Sozialist Benoît Hamon) liegen, lud der Privatsender TF1 im März die fünf aussichtsreichsten Kandidaten ein. Beim französischen Verwaltungsgericht holte es sich die Erlaubnis dafür. Trotzdem wurde ihm von einigen Seiten vorgeworfen, die Wähler durch Ausschluss der anderen Kandidaten zu beeinflussen.

Chancengleichheit im Wahlkampf wird streng überwacht

Die Chancengleichheit der politischen Parteien im Wahlkampf wird von der französischen Rundfunkbehörde CSA streng überwacht. Ab dem 10. April - dem offiziellen Wahlkampfbeginn - kontrolliert sie die Präsenz der Kandidaten in Radio und Fernsehen sogar mit der Stoppuhr. Doch auch vor diesem Datum ist es den Franzosen wichtig, dass selbst der unbedeutendste Kandidat ausreichend Raum bekommt. "Hyperkorrektheit" vermutet die Sozialwissenschaftlerin Isabelle Bourgeois hinter dem Versuch, allen elf Kandidaten in einer Sendung gerecht zu werden.

Für die Nachrichtensender BFM-TV und CNews spielen natürlich auch Werbeeinnahmen und strategische Überlegungen eine Rolle. Bisher dümpeln ihre Einschaltquoten auf gleicher Höhe wie die Umfragewerte der liebenswert-chaotischen Präsidentschaftsanwärter: BFM-TV kommt auf etwa zwei Prozent, CNews auf halb so viel. Zeigen die beiden, dass sie ein solches Großereignis stemmen können, können sie irgendwann - so die Hoffnung - auch den großen Sendern das TV-Duell direkt vor der Stichwahl streitig machen.

France 2 hat übrigens für den 20. April eine letzte TV-Debatte vor dem ersten Wahlgang angekündigt. Eingeladen sind alle elf Kandidaten. Neun haben schon zugesagt.

© SZ.de/wib/cat

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