Trumps Gipfelabsage an Kim America first? America alone!

Good-bye, America: Unter Donald Trump steht Amerika zunehmend isoliert in der Welt.

(Foto: REUTERS)

Trump demütigt Kim mit der Gipfelabsage genau an dem Tag, an dem Nordkorea die Zerstörung seines Nuklearwaffen-Testzentrums zelebriert. Ein derart dilettantisches Vorgehen kann die ohnehin instabile Weltordnung erschüttern.

Kommentar von Kurt Kister

Man kann es drehen oder wenden, wie man will: Amerika ist seit Menschengedenken von keiner dilettantischeren Clique regiert worden als der Trump-Gruppe. Erst wird unter Trompetenstößen ein Gipfeltreffen mit Nordkoreas Diktator Kim angekündigt. Dann stellt man fest, dass der sich im Prinzip so verhält, wie er sich immer verhalten hat - und man sagt dieses Treffen wieder ab. Der Schaden ist leider riesig.

Ein Gipfel, bei dem sich erstmals seit dem Koreakrieg ein US-Präsident mit dem amtierenden nordkoreanischen Staatschef getroffen hätte, hätte wahrlich historisch werden können. Historisch in dem Sinne, dass solche symbolisch ungeheuer wichtigen Veranstaltungen tatsächlich den Keim des großen Wandels in sich tragen.

Trump sagt Treffen mit Kim Jong-un ab

Der US-Präsident schrieb in einem am Donnerstag vom Weißen Haus veröffentlichten Brief an Kim, ein solches Treffen sei gegenwärtig nicht angemessen. mehr ...

Wer einen solchen Gipfel leichtfertig ankündigt und dann in einer Laune platzen lässt, der tritt auch die Verantwortung vor der Geschichte in den Schmutz. Wenn dies der Chef eines dem autoritären Personenkult verfallenen Gewaltregimes tut, ist das bedauerlich, aber nicht sehr überraschend. Wenn es aber der amerikanische Präsident tut, so wie es jetzt offenbar geschieht, dann kann es die ohnehin instabile Weltordnung erschüttern.

Die USA verlieren auf der internationalen Bühne noch mehr an Glaubwürdigkeit, so dies möglich ist. Das Wort dieses Präsidenten gilt offenbar nichts. Er hält keine Verträge ein, er stellt sich offen gegen Verbündete, und er beschädigt die Interessen seines eigenen Lands, weil er Außenpolitik für ein Pokerspiel hält. Nordkorea hat sich im Vorfeld des jetzt geplatzten Gipfels wieder China angenähert. Peking wird in seinem Streben nach der Vormacht in Asien - und nicht nur dort - durch die Halbstarken-Politik der Regierung Trump gefördert und belohnt.

Wer gefährlicher ist: Kim Jong-un oder Donald Trump

Das amerikanische Jahrhundert ist längst zu Ende. Die planlose, auch gefährliche Außenpolitik Trumps trägt entscheidend dazu bei, dass nicht mehr gilt: America first, sondern vielmehr: America alone. Dies fördert den weiteren Aufstieg der Großmacht China und hilft der sehr großen Mittelmacht Russland. Trump verändert die Welt.

Unmittelbar und für die kommenden Wochen ist zu hoffen, dass China Nordkorea von gefährlichen Überreaktionen abhalten kann. Kim Jong-un wird nun nicht mit den Achseln zucken und sagen: Dann treffen wir uns eben später. Er wird, das ist zu befürchten, wieder mit seinem Atomarsenal drohen - zumal da Trump ihn mit der Gipfelabsage genau an dem Tag gedemütigt hat, an dem Nordkorea die Zerstörung seines Nuklearwaffen-Testzentrums zelebrierte. Man weiß nicht, wer gefährlicher ist: Kim Jong-un oder Donald Trump.

"His Excellency Kim Jong Un ..."

Per Brief sagt der US-Präsident das Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Machthaber ab. Der Ton ist typisch Trump - inklusive kaum versteckter Drohung. Das Dokument im Wortlaut. mehr...