Nordkorea-Gipfel:Trump sagt Treffen mit Kim Jong-un ab

US-Präsident Donald Trump hat den für 12. Juni geplanten Gipfel mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un abgesagt. Trump schrieb in einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an Kim, ein solches Treffen sei aufgrund der "offenen Feindseligkeiten" von Seiten Nordkoreas gegenwärtig nicht angemessen.

Trump bedauerte in seinem Brief die Absage und erklärte, die Welt verliere damit eine "großartige Gelegenheit für dauerhaften Frieden". Kim solle jedoch nicht zögern, sich zu melden, wenn er seine Meinung zu dem Gipfeltreffen ändere. Nordkorea habe oft über seine mächtigen atomaren Fähigkeiten gesprochen, "aber unsere sind so gewaltig und schlagkräftig, dass ich zu Gott bete, dass sie nie eingesetzt werden müssen".

Harte Kritik an Pence aus Nordkorea

Nach einer vorübergehenden Annäherung waren die Misstöne zwischen den beiden Ländern zuletzt wieder lauter geworden. Bereits vor wenigen Tagen hatte Trump den Termin für das Gipfeltreffen infrage gestellt. Die Führung in Nordkorea wiederum hatte am Donnerstag aus Verärgerung eines Vergleichs ihres Landes mit Libyen durch US-Vizepräsident Mike Pence mit einer Absage des Gipfels gedroht. Nordkoreas Vizeaußenministerin Choe Son-hui bezeichnete Pence staatlichen Medien zufolge als "ignorant und dumm". Ob sich beide Seiten am Verhandlungstisch oder bei einer "nuklearen Machtprobe" begegneten, hänge ganz vom Verhalten der USA ab.

Pence hatte in einem TV-Interview in Anspielung auf Äußerungen Trumps gesagt, die Situation in Nordkorea werde "wie das Libyen-Modell enden, falls Kim Jong-un keinen Deal macht". Libyen hatte vor 15 Jahren erklärt, seine Massenvernichtungswaffen im Gegenzug für die Aufhebung von Sanktionen zerstören zu wollen. Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi wurde im Oktober 2011 von Aufständischen getötet; die westlichen Atommächte unterstützten damals die Rebellen.

Nordkorea will eigenes Atomtestgelände zerstört haben

Erst heute war bekannt geworden, dass Nordkorea nach eigenen Angaben das Atomtestgelände Punggye-ri im Nordosten des Landes zerstört hat. Im Beisein ausländischer Journalisten wurden Tunnel gesprengt und unbrauchbar gemacht.​ Machthaber Kim Jong-un hatte die Schließung des Geländes vor dem Hintergrund des für Mitte Juni geplanten Treffen mit Trump angekündigt.

Weil die Führung von Diktator Kim Jong-un keine internationalen Inspektoren zu der Zeremonie einlud, gilt die Glaubwürdigkeit der Zerstörung allerdings als ebenso begrenzt wie ihre Unwiderruflichkeit. Die südkoreanische Regierung hatte dies dennoch als ersten bedeutenden Schritt hin zu einer Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel gewertet.

Guterres in tiefer Sorge

UN-Generalsekretär António Guterres ist wegen des geplatzten Gipfeltreffen in tiefer Sorge. Er appellierte an beide Seiten, weiter danach zu streben, "einen Weg zu einer friedlichen und überprüfbaren Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel" zu finden. Guterres erfuhr von Trumps Gipfelabsage bei einem Vortrag an der Genfer Universität. Er sprach dort über seine Abrüstungs-Agenda und darüber, dass Atomabkommen zwischen Staaten wie nie zuvor gefährdet seien.

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