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Nato:Der Trump-Flüsterer

Nato-Gipfel

Er weiß mit dem US-Präsidenten umzugehen: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg (links).

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Nato-Generalsekretär Stoltenberg hat nur wenig eigenen Handlungsspielraum, aber eine wichtige Aufgabe: die Bändigung des US-Präsidenten.

Als das Angebot aus Brüssel kam, war der Vater skeptisch. Im Amt des Nato-Generalsekretärs werde sich sein Sohn um Verteidigung kümmern und nicht um Zukunftsthemen wie Klima oder Armutsbekämpfung, sagte Thorvald Stoltenberg seinem Sohn Jens im Winter 2014. Der Job könnte eher uninteressant werden. Als früherer Verteidigungs- und Außenminister Norwegens war Stoltenberg senior ein kompetenter Ratgeber, zumal er in den Neunzigerjahren selbst für den Chefposten der Allianz im Gespräch war. Der Junior, immerhin zweimal Ministerpräsident, sagte dennoch zu. Gelangweilt hat sich Jens Stoltenberg seither nicht.

Schon vor dem Nato-Treffen in London stand der 60-Jährige im Fokus der Weltöffentlichkeit. Er musste nach der türkischen Invasion in Nordsyrien Präsident Recep Tayyip Erdoğan in Istanbul erklären, dass die Alliierten entsetzt seien, und ungezählte Fragen nach dem "Hirntod" der Nato so beantworten, dass der Franzose Emmanuel Macron nicht sauer wird. Denn anders als etwa ein Chef der EU-Kommission hat der Nato-Generalsekretär wenig Spielraum und ist eher Diener aller 29 Mitglieder.

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Die wichtigste Aufgabe erledigte Stoltenberg parallel: In der Nato-Zentrale wird er als "Trump-Flüsterer" oder "Trump-Bändiger" gepriesen, weil er seit dem Amtsantritt des US-Präsidenten mit diesem eine gute Vertrauensbasis gefunden hat. Auch in London bescheinigte Trump dem neben ihm sitzenden Stoltenberg, eine "fantastische Arbeit" zu leisten. Wichtig für die Allianz: Der Politik als Transaktion begreifende Trump verteidigt plötzlich die Nato und zeigt sich - wie erhofft - beeindruckt von den Zahlen, die Stoltenberg präsentiert hatte. 130 Milliarden zusätzlich werden Kanada und Europa bis 2020 für Verteidigung ausgegeben haben, bis 2024 gar 400 Milliarden.

Russland im Osten, Terrorgefahr im Süden

Brüsseler Journalisten spotten gerne über den "Roboter" Stoltenberg, der unermüdlich Argumente wiederholt, die in der Nato konsensfähig sind - etwa dass es immer Meinungsverschiedenheiten gab, von der Suezkrise 1956 bis zum Irakkrieg 2003, und alle überwunden wurden. Enorme Disziplin zeigt er in Hunderten Interviews - als die SZ ihn mit internationalen Medien kürzlich befragte, weigerte sich Stoltenberg, Bedrohungen als Rangliste zu ordnen. "Die Nato muss auf alles reagieren können", sagte er. Nach dem Wirtschaftsstudium habe er im Statistikamt daran mitgearbeitet, den Ölpreis vorherzusagen: "Wir lagen immer falsch mit den Prognosen. So ist es auch mit Sicherheitsexperten: Wer hat 9/11 kommen sehen?"

Ähnlich war es, als Jens Stoltenberg im Januar 2014 die Anfrage der Nato erhielt. Niemand hätte erwartet, dass Russland kurz darauf die Krim annektiert und die Terrorgruppe "Islamischer Staat" ein Gebiet der Größe Großbritanniens kontrolliert. Diese Themen werden Stoltenberg weiter beschäftigen: der Umgang mit einem militärisch aufrüstenden Russland im Osten und die Terrorgefahr im Süden.

In Osteuropa ist Stoltenberg beliebt

Bei seinem anstrengenden Job hilft Stoltenberg, dass er als Ex-Premier einige Regierungschefs kennt. Der zweifache Vater gilt als "Lieblingssozialdemokrat" von Kanzlerin Angela Merkel. In Osteuropa schätzt man, dass er Aussagen über eine "Expansion" der Nato vehement entgegentritt. Es sei die "freie Entscheidung" von Balten und Polen gewesen, der Nato beizutreten, und jedes Land habe das Recht dazu. Als Norweger sei er froh, dass Stalin 1949 kein Veto einlegen konnte, als sein Land dem Bündnis beitrat.

Dass er ausgleichend auftreten kann, bewies Jens Stoltenberg in seiner schwersten Stunde als Premierminister. Nachdem ein Rechtsterrorist 2011 in Oslo und auf der Insel Utøya 77 Menschen ermordet hatte, forderte er "mehr Offenheit und mehr Demokratie". Er betont gern, dass Krieg in Europa über Jahrhunderte Normalzustand war; um sich zu erinnern, dass dieser Frieden nicht auf Dauer garantiert ist, besucht Stoltenberg regelmäßig in Belgien die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs.

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