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Trump, AfD & Co.:Die "Rechtspopulisten" in Europa und den USA eint ein hedonistischer, nationaler Egoismus

Trump gibt dem rechten Rand eine schrille und geldschwere Stimme und beeindruckt dabei mit brachialer Frechheit eine sehr breite Schicht: einen Teil der Gesellschaft, die in ihrer Angst vor Terror, finanzieller Not und gesellschaftlichen Umbrüchen auf eine Erlösung, zumindest auf einen Befreiungsschlag hofft, den ihr dieser US-Narzisst rhetorisch täglich bietet. Man muss die deutsche AfD des Herrn Pretzell, den französischen Front National von Frau Le Pen und die FPÖ des Herrn Strache, die sich soeben in Wien zu einem "Patriotischen Frühling" treffen, nicht mit den Trump-Republikanern in einen Topf werfen. Die Entstehungsgeschichten dieser Parteien sind zu unterschiedlich, die Umstände, in denen sie gedeihen, zu verschieden - aber gemeinsam ist die Missachtung der Humanitas, die sich auf der Anerkennung der Würde des Menschen gründet, ohne Unterschied von Herkunft, Rasse und Religion. Die "Rechtspopulisten" in Europa und den USA eint ein hedonistischer, nationaler Egoismus, der zwar an das Konservative appelliert, aber dessen Werte brutal reduziert.

Rechtspopulisten? Dieser gängige Ausdruck ist verharmlosend. Trump ist kein Populist, sondern zumindest ein halber Faschist. Und die sogenannten Rechtspopulisten in Europa zeichnen sich dadurch aus, dass sie das Wort Patriotismus pervertieren und das Wort Heimat zu einer nationalistischen Vokabel machen wollen.

Den Unterschied hat Johannes Rau einmal schön erklärt: Ein Patriot ist jemand, der sein Vaterland liebt; ein Nationalist ist jemand, der die Vaterländer der anderen verachtet. Wer bei den großen Fußballspielen im Nationaltrikot zum Public Viewing geht, wer sich ein schwarz-rot-goldenes Kondom über den Auto-Außenspiegel zieht - der ist ein Patriot, der den Patriotismus auf seine Weise feiert; er ist deswegen kein Nationalist, auch wenn ihn die Nationalisten gern für sich vereinnahmen würden. Und Heimat, dies von Nationalisten gekaperte Wort, ist kein giftiges, sondern ein heilsames Wort.

Wenn die Heimat schwächelt, muss Europa Mittel finden

Heimat Demokratie: Wenn die Menschen in einer Demokratie das Gefühl haben, etwas zu sagen zu haben, wird sie ihnen heimatlich. Heimat Sozialstaat: Wenn der Sozialstaat glückt, ist er Heimat für diejenigen, die sich eine Villa nicht leisten können. Heimat Europa: Wer den Nationalstaat als Heimat erlebt hat, will daraus nicht vertrieben werden. Wenn diese Heimat schwächelt, weil sie gegen Arbeitslosigkeit kein Mittel findet, dann muss Europa diese Mittel finden und den Menschen zweite Heimat werden. Wenn die Menschen das spüren, werden sie wieder Europäer und schieben die Rechtsaußenleute dahin, wo sie hingehören: an den Rand.

In flüchtigen Zeiten Heimat schaffen, das ist Politik gegen die Parolen des Mobs.

© SZ vom 18.06.2016/jobr
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