Treffen bei G-20-Gipfel:Warum Nettigkeiten zwischen Trump und Putin kein gutes Verhältnis garantieren

  • Am Rande des G-20-Gipfels haben sich US-Präsident Donald Trump und der russische Präsident Wladimir Putin zum ersten Mal persönlich getroffen.
  • Beide waren "erfreut", den jeweils anderen zu sehen.
  • Das Treffen ist eher als Kennenlernen gedacht, denn als Verhandlungsrunde. Nur sechs Personen nehmen daran teil.

Von Julian Hans und Hubert Wetzel

Eigentlich gehört es sich nicht, beim G-20-Gipfel einfach so eine Sitzung zu schwänzen. Aber Donald Trump und Wladimir Putin sind ja nicht irgendwer - quod licet Iovi, könnte man sagen. Und so nahmen sich der amerikanische und der russische Präsident am Freitagnachmittag Zeit für ein bilaterales Gespräch, ihr erstes persönliches Treffen seit Trumps Amtsantritt. Die anderen Staats- und Regierungschefs redeten derweil über Klimaschutz. Donald Trump ist bereits Wladimir Putins vierter US-Präsident.

Davor hatte er es - als russischer Staatschef oder als Premier - mit Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama zu tun. Und stets hat sich in diesen Jahren ein Muster wiederholt: Zuerst kamen Putin und sein amerikanischer Kollege recht gut miteinander aus, man traf sich, tafelte gemeinsam, sagte freundliche Dinge übereinander und versuchte, so etwas wie eine persönliche Beziehung aufzubauen. Doch stets endete alles im Streit, weil die Interessen der USA und Russlands zu unterschiedlich waren und das Misstrauen zu groß war.

Kennenlernen, keine Verhandlungsrunde

Diese eher entmutigenden Erfahrungen sollten auch für das künftige Verhältnis von Trump und Putin ein Warnsignal sein. Zwar umgarnten auch sie einander am Freitag mit Nettigkeiten. "Es ist eine Ehre, mit Ihnen zusammenzusein", säuselte Trump. "Ich freue mich, Sie zu treffen", flötete Putin zurück. Doch egal wie gut das erste Treffen der beiden Präsidenten am Rande des G-20-Gipfels verlaufen ist - es gibt keine Garantie, dass sie in den kommenden Jahren nicht noch gewaltig aneinandergeraten werden.

Das Gespräch war von beiden Seiten offensichtlich eher als Gelegenheit zum Kennenlernen und Maßnehmen angelegt denn als Verhandlungsrunde über inhaltliche Differenzen. Nur sechs Personen nahmen teil: die beiden Präsidenten, ihre Außenminister Rex Tillerson und Sergej Lawrow sowie zwei Dolmetscher. Diplomaten macht es immer nervös, wenn ihre Chefs in so kleinen Runden beisammensitzen, ohne erfahrene Fachleute, welche die Details von so vertrackten Konflikten wie denen in der Ukraine und in Syrien kennen und notfalls intervenieren können.

Das galt umso mehr im Falle Trumps, der praktisch keine außenpolitische Erfahrung hat und auch nicht als besonders fleißiger Student der einschlägigen Dossiers gilt. Putin und Lawrow hingegen sind ein eingespieltes, beinhartes, gewieftes Verhandlerduo, sie kennen jede Schwäche ihres Gegenübers - und nutzen sie.

Putin dürfte Trump leicht durchschauen können

Wo Trumps Schwächen liegen, weiß jeder, der seine Tweets liest. Der US-Präsident interessiert sich vor allem für sich selbst, mit Schmeicheleien kommt man recht weit bei ihm. Und er hat immer wieder erkennen lassen, dass ihm autokratische Politiker wie Putin - "starke Führer" in Trumps Diktion - imponieren. Geheimdienstler warnen seit Langem, dass ein Mann wie Trump, der jeden Gedanken sofort hinausposaunt, für einen früheren KGB-Agenten wie Putin leicht zu durchschauen und zu manipulieren ist. Wie das geht, zeigte Putin gleich zu Beginn des Gesprächs. "Sind das die, von denen Sie beleidigt wurden", fragte er Trump, der via Twitter mit verschiedenen US-Medien eine Fehde führt, und zeigte auf die Journalisten im Raum.

Trump lachte. Immerhin hatte Trump vor dem Treffen versucht, ein paar Pflöcke einzuschlagen. In seiner Rede in Polen warf er Russland "destabilisierendes Verhalten" in der Ukraine und in Syrien vor. Zudem bekannte er sich zum ersten Mal offen und freiwillig zum "Westen" und zu dessen Werten - obwohl unklar blieb, wen und was er damit genau meinte - sowie zum Artikel 5 des Nato-Vertrags, also der Beistandsgarantie im Falle eines Angriffs. Seine bisherige Weigerung, dies zu tun, hatte die europäischen Nato-Länder nervös gemacht und war in Moskau mit hämischer Freude gesehen worden. Nun hat Trump die Debatte über Amerikas Bündnistreue vorerst beendet - auch wenn nach dem quälenden Vorlauf immer noch unklar ist, wie ehrlich er sein Bekenntnis zum Beistand meint.

Einem anderen problematischen Thema war der US-Präsident hingegen noch am Tag vor dem Treffen mit Putin ausgewichen. Auf die Frage eines Journalisten in Polen, ob er, so wie die US-Geheimdienste, der Ansicht sei, dass Russland sich durch Hackeraktionen in die amerikanische Präsidentschaftswahl eingemischt habe, hatte Trump wie üblich mit einem vagen "Kann sein" geantwortet. Am Freitag sprach Trump die Vorwürfe gegenüber Putin dann jedoch direkt an. Er habe mit Putin ein "robustes" Gespräch darüber geführt, sagte Tillerson. Ob er sich Trump dabei der Meinung seiner Dienste nun angeschlossen hat oder nicht, blieb zunächst freilich offen. Der russische Präsident bestritt ohnehin alles. In Moskau wurden derweil die Stoppuhren bereitgehalten, um zu messen, wie lange das Treffen der Präsidenten dauerte. Für Putin ist es wichtig, wie lange Trump sich für ihn Zeit nimmt - Stichwort Augenhöhe. Mit großer Genugtuung dürften die Russen zur Kenntnis genommen haben, dass Trump und Putin exakt zwei Stunden und 16 Minuten beieinander saßen, weit länger als die vereinbarte halbe Stunde. Der Kreml hatte die Erwartungen an das Treffen zunächst eher gedämpft. Es gehe vor allem darum, die richtige Atmosphäre herzustellen, in der später Themen wie Syrien, die Ukraine und Terrorismus angegangen werden könnten, hieß es. Dennoch sickerte just, als die Präsidenten sich trafen, die Nachricht durch, die USA und Russland hätten sich auf eine Waffenruhe für den Südwesten von Syrien geeinigt, die schon am Sonntag in Kraft treten soll. Über die Abmachung wurde zwar schon längere Zeit verhandelt. Aber sie passte genau in das Bild, das Trump und Putin der Welt zeigen wollten: Zwei Männer lösen Probleme.

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